Freistellung fürs „Sabbatjahr“ erfordert exakte Planung

Erst regeln, dann raus

Ob gegen den Burn-out, um mehr Zeit für die Familie zu haben oder auf Bildungsreisen zu gehen: Das Sabbatjahr für Lehrer wird in Deutschland seit Jahren stetig beliebter. Es ist eine vorab festgelegte Zeit ohne Verpflichtung zum Unterrichten mit einer entsprechend reduzierten Besoldung. Aber Achtung: Jedes Bundesland hat eigene Regeln für die Auszeit

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Das sogenannte „Sabbatjahr“ oder auch „Sabbatical“ bietet eine alternative Möglichkeit, eine längerfristige Freistellung von der Arbeit zu erhalten. Im öffentlichen Dienst wird die Auszeit eher wenig genutzt. Beschäftigte, die das Prinzip in Anspruch nehmen wollen, können sich aber nicht einfach so „ausklinken“. Wollen sie weiterbeschäftigt bleiben, gilt es für sie im Grundsatz, Arbeitszeit vorzuarbeiten, die nur anteilmäßig entlohnt wird. Die Restbezüge erhalten sie dann während der Freistellung.

Private Dimension

In einem ersten Schritt müssen Interessenten gründlich überlegen, wie lange ihr Sabatical dauern und wie die Finanzierung funktionieren soll. Da ja unterschiedliche Modelle – je nach Bundesland – existieren, gibt es auch keine einheitliche Empfehlung, welche Form und Ausprägung gewählt werden sollte. Lehrer, die ein Sabbatjahr machen möchten, sollten in jedem Fall ihre Familie bzw. Angehörige und/oder Freunde in die Entscheidungsfindung einbeziehen.

Viel Formalkram

Ist der Beschluss gefasst, eine berufliche Auszeit einzulegen, muss geklärt werden, welche Variante (Dauer und Sabatical-Modell in Abhängigkeit von den Bestimmungen des jeweiligen Bundeslandes) in Frage kommt. Ist auch dies beschlossen, müssen sich interessierte Lehrer intensiv mit vielen Fragen formeller Art beschäftigen: Geld- und Versicherungsfragen, Gesundheitsvorsorge und auch das Anlegen eines Haushaltsbuches etwa. Die Frage, ob das reduzierte Gehalt reicht oder zusätzliches Geld dazuverdient werden muss, ist ebenfalls wichtig. Wenn der Lehrer im Sabbatjahr ins Ausland geht, ist die Frage zu klären, wer sich um die Wohnung oder das Haus kümmert. Auch die Rückkehr in den Job muss gut geplant werden.
Zudem gibt es Unterschiede für angestellte und verbeamtete Lehrer. Für Beamte gelten landesweit einheitliche Regeln. Sie müssen ein Sabbatjahr zwei bis sechs Jahre im Voraus planen. Während dieser Zeit erhalten sie zwei Drittel bis sechs Siebtel ihres normalen Gehaltes. Ist die Zeit vorüber, können sie bei gleichen Bezügen ein Jahr Auszeit nehmen. Angestellte Lehrer müssen sich mit ihrem Arbeitgeber individuell absprechen, wenn sie ein Sabbatjahr machen möchten. Grundsätzlich gilt – egal, ob als Beamter oder als Angestellter: Lehrer sollten bei der Vertragsgestaltung genau prüfen, ob auch alles korrekt vereinbart wurde. Dazu gehören der genaue Zeitraum der sogenannten Anspar- und Freistellungsphase, die eventuelle Befristung einer Arbeitszeitreduzierung, die Rückkehr-Regelung, Urlaubsanspruchsregelungen, Krankheitsregelungen, Kündigungsregelungen usw.

Dienstherren sehen eher die positiven Effekte

Grundsätzlich bestehen bei den Verantwortlichen der Länder keine Bedenken bei der Gewährung des Freistellungsprinzips „Sabbatjahr“. Im allgemeinen Kontext der Innenministerien heißt es hierzu, die individuelle, alternative Auszeitmöglichkeit stärke langfristig die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten, erhalte die persönliche Einsatzbereitschaft sowie Zufriedenheit. In der Beamtenschaft und im Öffentlichen Dienst der Länder sind die Erfahrungen aber recht unterschiedlich. In Niedersachsen etwa sind es vor allem Lehrkräfte, die eine Auszeit vom Job nehmen. Das dortige Kultusministerium bestätigt, dass sich im vergangenen Jahr 150 Pädagogen für die Freistellung entschieden haben. Bei Polizei- und Finanzbeamten indes sei die Zahl verschwindend gering.