Sprachförderung von geflüchteten Kindern mit Tablets und Videokonferenz

Digital Deutsch lernen

Mit Tablets und einem Videokonferenzsystem unterstützt das Land Niedersachsen in einem Projekt gemeinsam mit Ricoh Deutschland, dem Verein n-21 und der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) Kinder und Jugendliche mit Fluchtgeschichte beim Erlernen der deutschen Sprache.

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Die Themen Sprachförderung und Integration stehen ganz weit oben auf der Agenda des Niedersächsischen Landtags. Deshalb bietet der Landtag den Schulen einen gut gefüllten Baukasten an, um geflüchteten Kindern und Jugendlichen den Erwerb der deutschen Sprache zu erleichtern.

Wie alles begann...

"Das Projekt Digital Deutsch lernen ist ein weiteres, sehr innovatives Instrument, das auch Kinder in Erstaufnahmeeinrichtungen und Notunterkünften fördern kann“, sagt die Niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt bei der Präsentation des Projekts in Hannover. Mit diesem Projekt stärke das Land Niedersachsen seine Vorreiterrolle beim Einsatz digitaler Medien in der Bildung.

Eines der Partnerunternehmen ist Ricoh Deutschland. Der CEO Niculae Cantuniar erklärt: „Wir freuen uns wirklich sehr, dieses tolle Projekt als Partner unterstützen zu können. Für uns als Technologieunternehmen, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, den digitalen Wandel im Bildungswesen aktiv voranzutreiben, ist dieses Projekt eine hervorragende Gelegenheit, um zwei für uns ganz wichtige Themen miteinander zu verbinden. So unterstützen wir mit unseren Technologielösungen nicht nur die mobile und digitale Sprachförderung, sondern leisten gleichzeitig einen nachhaltigen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen. Hiermit tragen wir auch unserer sozialen Verantwortung als Unternehmen Rechnung.“

Das Projekt "Digital Deutsch Lernen" gliedert sich in zwei Teilprojekte:

1. Tablets in Sprachlernklassen

Im Rahmen dieses Teil-Projektes werden seit April 2016 an Medienzentren in ganz Niedersachsen Tablet-Sets zum Verleih an Schulen mit Sprachlernklassen zur Verfügung gestellt. Jede Schule erhält 2 x 20 Geräte. Ricoh und das Unternehmen Acer haben dem Verein n-21 weitere 50 Tablets gespendet, die an Schulen zu Sprachförderzwecken verliehen werden können. Die Investitionen betragen insgesamt ca. 350.000 Euro. Mit den neuen Standorten werden 600 Tablets an 15 Standorten im Einsatz sein, die räumlich an die 15 Sprachbildungszentren in Niedersachsen gekoppelt sind. Dr. Klaus-Jürgen Buchholz, der bei der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) die Abteilung Bürgerrundfunk und Medienkompetenz leitet, erklärte, dass auch die NLM das Vorhaben unterstützt: „Zum einen stellen wir Mittel zur Verfügung, um einen weiteren Standort mit Hardware auszustatten, und zum anderen werden unsere medienpädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der sechs NLM-Multimediamobile Lehrkräfte der Sprachlernklassen in der Arbeit mit elektronischen Medien schulen. Sie sollen lernen, wie man im Unterricht eigene kleine Medienprojekte zur Unterstützung des Spracherwerbs umsetzen kann.“

Bisherige Standorte sind Osnabrück, Wesermarsch, Osterholz, Harburg, Schaumburg, Braunschweig. Künftige zusätzliche Standorte werden sein: Göttingen, Cuxhaven, Rotenburg, Gifhorn, Salzgitter, Uelzen, Ammerland, Goslar, Diepholz.

Vielen Flüchtlingskindern sind lateinische Buchstaben nicht geläufig. In herkömmlichen, schriftlich orientierten Sprachlernkursen stoßen sie daher schnell an Grenzen. © fuzzbones - Fotolia.com

2. Unterricht per Videokonferenz

Ricoh ist im gleichen Zug an das Niedersächsische Kultusministerium herangetreten und hat angeboten, durch die Bereitstellung von Videokonferenzsystemen in Erstaufnahmeeinrichtungen und Notunterkünften den Unterricht zum Spracherwerb per Videokonferenz durchzuführen. Das Unterrichtskonzept wurde zunächst an den Standorten Cuxhaven-Altenwalde und Ehra-Lessien sowie in Friedland erprobt. Bei dem Unterricht per Videokonferenz handelt es sich um eine Verbindung von Sprachförderung und interkulturellem Lernen. Dazu werden an den Pilotstandorten regionale Schulen als Partner einbezogen, um den sprachpraktischen, aber auch den interkulturellen Austausch zwischen den Flüchtlingskindern und den Schülerinnen und Schülern vor Ort und damit auch ein erstes Kennenlernen auf diesem für Kinder sehr motivierenden Weg zu ermöglichen.

Der Live-Unterricht wird vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) in Hildesheim aus an den Erstaufnahmeeinrichtungen und Notunterkünften praktisch realisiert. „Neben der Vermittlung von Grundkenntnissen der deutschen Sprache soll der interkulturelle und sprachpraktische Austausch mit gleichaltrigen Schülerinnen und Schülern vor Ort gefördert werden. Bei erfolgreichem Verlauf könnte das Angebot auch auf weitere Standorte in Niedersachsen ausgeweitet werden“, erläuterte Cornelia Schneider-Pungs, die das Projekt im Auftrag des Niedersächsischen Kultusministeriums im NLQ umsetzt.

Ministerin Heiligenstadt äußert sich positiv über das Projekt: „Digitale Medien sind eine gute Ergänzung zu unseren bisherigen Sprachfördermaßnahmen, weil sie z. B. durch die Einbindung von Bildern und Ton es auch denjenigen leicht machen, die deutsche Sprache zu lernen, die keine Kenntnisse der lateinischen Buchstaben haben. Und da in vielen Flüchtlingsfamilien Smartphones vorhanden sind, können Kinder mit einer App auch gut zuhause weiterlernen.“