KKH-Report: Grundschüler leiden unter Mobbing

Verbote helfen nicht

Attacken durch Mitschüler und Streit mit Freunden ganz oben auf der Stress-Skala: Das hat eine Studie der KKH Kaufmännische Krankenkasse ergeben. Besonders alarmierend ist die Zunahme psychischer Erkrankungen, die daraus resultiert. Lesen Sie hier, warum KKH-Psychologen nun Aufklärung fordern

Kinder zeigen mit dem Finger auf ein traurig aussehendes Mädchen
Mobbing (zumal das im Cyberspace des Internets) ist bereits in der Primarstufe ein großes Problem – immer häufiger mit dramatischen Folgen für die betroffenen Kinder Foto: © Christian Wyrwa

Eine elfjährige Schülerin einer Berliner Grundschule hatte sich im vergangenen Januar das Leben genommen. Mutmaßlicher Grund: Massives Mobbing durch ihre Mitschüler. Dies ist überall ein ernstzunehmendes Problem, wie auch eine Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse unter Eltern von Kindern im Schulalter belegt: Demnach haben knapp 80 Prozent der Sechs- bis Zwölfjährigen sehr häufig bis gelegentlich Stress und Sorgen wegen Mobbing oder Streit mit Freunden. Bei den Sechs- bis Neunjährigen stehen solche verbalen und körperlichen Attacken sowie Angriffe über soziale Netzwerke & Co. sogar ganz oben auf der Stress-Skala – noch vor Konkurrenz- und Leistungsdruck in der Schule. Jedes fünfte Kind dieser Altersgruppe fühlt sich dadurch sehr häufig beziehungsweise häufig belastet, bei den Zehn- bis Zwölfjährigen ist es jeder Siebente.

Virales Mobbing besonders gefährlich

Dauern Streit und Mobbingerfahrungen an, können sie krank machen. „Gerade Cybermobbing ist ein großes Problem“, sagt KKH-Psychologin Franziska Klemm. Denn durch die scheinbare Verfremdung der Kommunikation werden Hemmschwellen herabgesetzt, und Angriffe und Verleumdungen können besonders schnell und breit wirken. Das kann fatale Folgen haben, denn permanenter Stress und Mobbingerfahrungen können nicht nur zu Bauch- und Kopfschmerzen, Unkonzentriertheit und Rückzug führen, sondern mit der Zeit auch in eine Depression münden: In der Altersgruppe der 13- bis 18-jährigen Schüler verzeichnete die KKH bei Depressionen von 2007 auf 2017 den größten Anstieg überhaupt – um fast 120 Prozent.

Prävention in der Schule und zuhause

„Wir müssen mit unseren Kindern über die Auswirkungen von Mobbing sprechen und sie besser darüber aufklären. Wir müssen Kindern bewusst machen, dass es genauso schlimm ist, etwas Schlechtes über jemanden verbal zu verbreiten als es online zu posten“, erläutert Franziska Klemm. Entscheidend dabei ist der richtige Umgang mit Smartphones und sozialen Netzwerken. „Verbote stattdessen führen nur zu Konflikten“, betont Klemm. Um Schüler zu stärken, beteiligt sich die KKH an Programmen wie „Max & Min@“ und „1000 Schätze“, die sowohl die Medienkompetenz als auch die Kommunikationsfähigkeit und die psychosoziale Gesundheit von Kindern stärken. „Stress- und Mobbing-Prävention sollte aber nicht nur in der Schule, sondern auch Zuhause stattfinden. Denn für den Erfolg spielt die Unterstützung aus dem gesamten Umfeld eine entscheidende Rolle“, betont die KKH-Psychologin. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat 1000 Eltern von Sechs- bis 18-Jährigen im Auftrag der KKH 2018 repräsentativ befragt.


Weitere Informationen:

www.kkh.de