Über die Lust am Sprechen lernen und die Sprachverantwortung

„Wirf Gold und Silber über mich“

Lust auf die gesprochene Sprache wecken, die Laute bewusst artikulieren und auf ihren Klang, ihren Rhythmus, ihre Melodie achten: Das ist Sprachpflege und das größte Geschenk, das Eltern ihren Kindern mit auf den Lebensweg geben können. Lesen Sie, wie auch Sie zum Sprech-Vorbild werden

Kleiner Junge trainiert seine Gesichtsmuskeln
Gut trainierte Gesichtsmuskeln helfen auch beim Schreiben- und Lesen-Lernen! Foto: © Augustino - stock.adobe.com

Für das ungeborene Kind beginnt das Erlernen der Sprache bereits über das Hören im Mutterleib. So ist ein Sprachvorbild für die frühkindliche Entwicklung Voraussetzung. Darum ist die Schulung einer präzisen Lautarktikulation die Basis für eine  rhythmisch-artikulative Sprachpflege. Dadurch können ganz neue Wege zum Sprechen, Schreiben und Lesen lernen gebahnt werden, die Freude an der Sprache wecken. Was wiederum die Fähigkeit stärkt, besser schreiben und lesen zu können.

Die Gaumenlaute CH, H, CK, K, G und R am hinteren Gaumen:

Die Heinzelmännchen regten sich –
Und ächzten daher
Mit den Säcken schwer!
Und kneteten tüchtig
Und wogen es richtig
Und fegten und backten
Und klopften und hackten!
(August von Kopisch)

Den ganzen Körper einsetzen

Darüber hinaus sind Tätigkeiten mit den Händen, den Füßen, mit dem ganzen Körper von immenser Bedeutung für das kleine Kind, damit sich alle Sinnesfunktionen ausbilden und miteinander vernetzen können, wie Hör-, Tast-, Gleichgewichts-, Sprach-, Geruchssinn etc. Sobald das Kind gehen kann, sollte die Körpermuskulatur durch das Laufen und Bewegungsspiele gestärkt werden und dadurch gleichzeitig auch die Sprechmuskulatur über das immerforte Artikulieren-Üben mit Reimen z.B.: „Häslein in der Grube“, „Ringel, Ringel, Reihe“, …

Mangel an Vorbildern

Warum haben aber heutzutage Kinder immer mehr Schwierigkeiten beim Erlernen von Schreiben und Lesen? Warum erscheint die gesprochene Sprache immer verwaschener? Wie können wir dem entgegnen? In der heutigen Zeit mangelt es an einer präzise artikulierten Ansprache durch Vorbilder, die Kommunikation ist informativ und kurzbündig, der Wortschatz verringert sich. Es mangelt dem kleinen Kind an der Möglichkeit, spielerisch immer und immer wieder nachzusprechen und zu üben.

Früher: Zugang über das Auditive

Bis vor wenigen Jahrzehnten lernten Kinder in der ganzen Welt zuerst über das Auditive, d. h. über das von der Mutter gesprochene Wort, über Reime, Verse und Lieder und dann über die dazugehörigen rhythmischen Bewegungsspiele auf der Straße. Gleichgewichts- und Tastsinn ebenso wie das Miteinander-Spielen begünstigen das Sprechenlernen. In den alten Fibeln in der Schule wurden Ursache und Wirkung bei der Auswahl der Worte und Sätze berücksichtigt und zuerst vielmals gesprochen und dann nachgeschrieben (für das I: gemalter Hahn, der Kikeriki ruft). Alle angeregten Sinne förderten die Entwicklung des Kindes und machten das Schreiben- und Lesen-Lernen kinderleicht.

Alte Fibel
Alte Fibeln sprachen eher den auditiven Sinn als den visuellen Sinn an, wie es heute üblich ist. Foto: © FIBEL für evangelische Volkschulen Württembergs Union Deutsche Verlagsgesellschaft, 1910

Heute: Zugang über Visuelles

In den letzten Jahrzehnten lernen die Grundschulkinder das Schreiben und Lesen vorwiegend über die Optik mithilfe von Bildgeschichten zu den einzelnen Buchstaben. Gleichzeitig verstärkt die immer visueller werdende Welt die Defizite durch mangelnde und verkehrte Artikulation. In unserer heutigen Welt verkümmert die gesprochene Sprache immer mehr auf kurze Hinweise. Dabei ist eine gute, klangvolle und melodische Artikulation für jeden von uns eine wichtige Verbindung zu anderen Menschen. Wer schön artikuliert, wird gehört und es öffnen sich ihm Türen, die sonst verschlossen blieben.

Die Lösung: Sprachpflegeübungen

Es gibt mannigfaltige Zusammenhänge zwischen der Atmung, der Bewegung und der Sprache, die uns bewusst werden, sobald wir anfangen, die Sprachpflegeübungen praktisch nachzuvollziehen und unser natürliches Sprachempfinden nachzuspüren. Die Arbeit an der „schönen Aussprache“ hat einen ähnlichen Effekt wie bei einer sportlichen Übung. So bedarf es schon etlicher Muskeln, um die Zunge an den Gaumen zu führen (Versuch L, N, D, T). Jede Artikulationsübung hat eine  Wirkung auf den ganzen Körper. So können Wohlgefühl und Energiefluss beim Sprecher und Hörer gleichermaßen entstehen.

Heide Mende-Kurz
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Heide Mende-Kurz, Sprachgestalterin, Rezitatorin, Logopädin und Autorin von mehreren Sprachbilderbüchern. Sie ist bekannt durch ihr Sachbuch „Sprache statt Schnuller“, 2012 Stuttgart. Sie veranstaltet Aufführungen, hält Vorträge im In- und Ausland, leitet Kurse und gibt sprachtherapeutische Behandlungen in ihrer Wortwerkstatt Casa Lingua in Beuren/Schwäbische Alb.

Der Ratgeber ist ein großer Gewinn für alle, die sich ihrer Sprachverantwortung bewusst sind und die an ihrer Persönlichkeit arbeiten wollen. Auf den DVDs zum Buch lernen Interessierte, wie Buchstaben durch die Mundmuskulatur artikuliert werden.

64 Seiten – € 24,00 – ISBN: 978-3-946462-06-4

Casa Lingua, Heide Mende-Kurz
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