Phonetisches Schreiben

Anlaute üben – Ohren auf und los

Mit dem lautgetreuen Schreiben lernen Kinder das grundlegende alphabetische Prinzip kennen. Sie müssen sich dabei noch nicht an Rechtschreibregeln halten, viel wichtiger ist, dass sie von Grund auf die Struktur und den Aufbau unserer Sprache verstehen. Lesen Sie hier, mit welcher Übung Sie Ihre Schulkinder darin unterstützen.

Ein Löwe als Bild und als Wort.
Kinder suchen zu Beginn einen gegenständlichen Bezug zu einem Wort. Dabei assozieren sie große Gegenstände mit langen Wörtern. Foto: © Friedrich Verlag GmbH

Die Methode des Phonetischen oder Freien Schreibens führt Kinder an das selbstständige Konstruieren von Wörtern und das Formulieren erster eigener Sätze heran. Dabei sollen sich die Schüler rein auf das lautorientierte Schreiben konzentrieren, was bedeutet, dass sie genau die Laute verschriftlichen, die sie akustisch wahrnehmen. Weil der Schreibvorgang an sich schon eine extrem hohe Aufmerksamkeit von Kindern verlangt, überfordert viele das orthografisch richtige Schreiben am Anfang des Schreiblernprozesses. 

Laute in Buchstaben ausdrücken

Mit der Methode des lautgetreuen Schreibens lernen Kinder zunächst das grundlegende alphabetische Prinzip kennen, ohne sich dabei an die Regeln der Rechtschreibung halten zu müssen. Wesentlich ist aber, ihnen von Anfang an zu vermitteln, dass es eine Rechtschreibung gibt und dass deren Einhaltung das letztendliche Ziel sein wird. Die Phase des Phonetischen Schreibens ist ein konstruktiver Vorgang, bei dem die Wörter jedes Mal neu, aufgrund des Gehörten, aus Lauten zusammengesetzt werden. Kinder schreiben die Wörter deshalb auch immer wieder anders falsch, je nachdem wie sie diese gerade auditiv wahrnehmen. Da es sich also um einen anderen kognitiven Prozess als beim Erlernen der Rechtschreibung handelt, besteht wenig Gefahr, dass sich Kinder eine falsche Schreibweise nachhaltig einprägen. Vielmehr lernen sie von Grund auf die Struktur und den Aufbau unserer Sprache zu verstehen, was sie mit der Zeit dazu befähigt, alle Laute in Buchstaben auszudrücken.

Jedem Anaut ist ein Bild zugeordnet

Basis für das selbstständige Schreiben bildet eine sogenannte Anlauttabelle. Diese besteht aus Buchstaben und Buchstabenkombinationen (wie Pf, St oder Sp), denen jeweils ein Bild zugeordnet ist, das für den entsprechenden Anlaut steht (zum Beispiel eine Spinne für den Anlaut Sp). Mit dieser Tabelle sollen Schüler selbstständig die Buchstaben-Laut-Beziehungen entdecken und anfangen zusammenhängende Wörter zu schreiben. Eine Anlauttabelle kann alphabetisch struktriert sein, nach Vokalen und Konsonanten geordnet sein oder stimmlose und stimmhafte Laute unterscheiden. Das Konzept der Anlauttabelle wurde von dem Pädagogen Jürgen Reichen geprägt, welcher sie als zentrales Werkzeug für seinen Lehrgang „Lesen durch Schreiben“ vorsieht. 

Übung: Klanggestalt wahrnehmen

Kinder suchen am Anfang des Schreiblernprozesses häufig einen gegenständlichen Bezug zwischen den geschriebenen Wörtern und deren inhaltlicher Bedeutung. Sie ordnen deshalb einem großen Gegenstand, wie beispielsweise einem Zug, intuitiv viele Buchstaben und einem kleinen Gegenstand, wie einer Taschenlampe, nur wenige zu. Diese Annahme ist gut nachvollziehbar, da sie in den Anfängen der Schrift, zum Beispiel bei den Höhlenmalereien, tatsächlich so funktionierte. Trotzdem müssen Kinder verstehen lernen, dass es sich bei unserem heutigen Alphabet nicht um eine Bilderschrift, sondern um eine Lautschrift handelt. Mit der Übung „Welcher Tiernamen klingt am längsten?“ sollen Schreibanfänger lernen, auf die reine Klanggestalt der Wörter und nicht auf deren visuelles Aussehen zu achten. 

Übung zum Download: Klanggestalten wahrnehmen


Quelle: Dieser Artikel ist ein in Teilen redaktionell bearbeiteter Auszug aus dem Fachbuch: Eifert, L./ Nagel, T. (2014): Auf dem Weg zur eigenen Schreibschrift. Damit Kinder bessers schreiben lernen., S. 53-55, bearbeitet von Lisa Blödorn, 06.06.2019, Hannover.