Gesundheit erhalten und stärken

Ursachen für die Frühpensionierung

Lehrende, die sich wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzen lassen, müssen Abschläge bei den Pensionen hinnehmen. Welche Gründe führen zu dieser Entscheidung der Frühpensionierung und wie kann man Ihnen vorbeugen?

Ein älterer Mann sitzt auf einer Bank.
Die Ursachen für die Frühpensionierung sind vielfältig. Foto: Gerd Altmann/pixabay.de

Die Befunde sind ebenso eindeutig wie erschreckend: Ein Artikel der Badischen Zeitung mit der Überschrift „Viele Lehrer melden sich vor dem Ruhestand dienstunfähig“ resümiert die Situation für das Land Baden-Württemberg. So ist „etwa jeder zehnte Lehrer in dem Land […] in den Jahren 2011, 2012 und 2013 wegen Dienstunfähigkeit vorzeitig in den Ruhestand gegangen“.

Lehrerberuf ist besonders anfällig für Burnout

„Burnout“, dieser Begriff macht im Lehrerzimmer schnell die Runde, wenn eine Kollegin oder ein Kollege über längere Zeit krank ist und seine Vertretung übernommen werden muss. Der Lehrerberuf ist in der Tat anfällig für Burnout, definiert von Christina Maslach (2000) als ein Syndrom emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und persönlicher Leistungseinbußen, das bei Individuen auftreten kann, die in irgendeiner Art mit Menschen arbeiten.

Ursachen von Frühpensionierungen

Die sozial- und arbeitsmedizinischen Aspekte der Frühpensionierung beleuchtet ein Artikel aus dem Jahr 2004 (Weber/Weltle/ Lederer 2004). Die Autoren führen die in der Auflistung angeführten Ursachen für die Frühpensionierungen an. Die Übersicht zeigt, dass die Ursachen für eine Aufgabe der Berufstätigkeit ein Konglomerat aus gesellschaftlichen, physischen, psychischen und psychosomatischen Faktoren bilden. Die Auflistung erlaubt zugleich aber auch einen Einblick in die generelle Belastung, denen Lehrer/-innen in ihrem Berufsalltag im Verlauf einer langen Dienstzeit ausgesetzt sind.Vor diesem Hintergrund ist es ganz wichtig, seine eigene Gesundheit nicht nur nicht zu vernachlässigen, sondern auch aktiv einen Beitrag für ihre Erhaltung und Stärkung zu leisten.

a) Berufliche und gesellschaftliche Faktoren:

  • Zunehmende berufliche Belastungen/schlechte Rahmenbedingungen (Klassengröße, Stundenzahl, Schülerverhalten)
  • Image des Lehrerberufs (mangelnde Anerkennung, fehlender Leistungsanreiz)
  • Schulklima (Personalführung, Schulleitungen, fehlender Teamgeist)
  • Gesellschaftlicher Wandel (mangelhafte Elternverantwortung, Wertekrise)
  • Doppelbelastungen (insbesondere für Lehrerinnen)
  • Rechtliche Rahmenbedingungen (Regelaltersgrenzen, Versorgungsformen, Dienstrecht)

b) Sozial- und arbeitsmedizinische Faktoren:

  • Zunehmende berufstypische arbeitsbedingte Erkrankungen (unter anderem stressassoziierte Leiden: Burn-out, depressive Syndrome)
  • Fehlende/falsche Prävention (Versorgung statt Vorbeugung)
  • Unausgeschöpftes Rehabilitationspotenzial (Versorgung statt Reintegration)
  • Versorgung/Begutachtung (Qualitätsaspekte, Alibidiagnose-Psyche, Medikalisierung von Personalproblemen)

c) Persönliche Faktoren:

  • Geringere individuelle Belastbarkeit (defizitäre Bewältigungsstrategien)
  • Persönliche Lebenssituation (Ausweg Frühpensionierung)

Die Autoren Weber, Weltle und Lederer (2004, S. 858) nennen eine Reihe von Präventionsmaßnahmen, die im Bereich der Verhaltensprävention und Ressourcenstärkung von der Supervision, der kollegialen Praxisberatung, dem Coaching, einer Gesundheitssprechstunde bis zu Kursangeboten zur Stressbewältigung und dem Zeit-/Konfliktmanagement reichen. Diese Angebote bieten in der Tat Möglichkeiten für den Einzelnen, um nicht erst zum Ende der Dienstzeit hin, sondern schon viel früher, nämlich unmittelbar nach der Aufnahme der Tätigkeit als Lehrkraft seinen Gesundheitszustand so zu pflegen, dass perspektivisch ein Durchhalten bis zum Ende der Dienstzeit möglich ist.

Tipps zum Weiterlesen: Präventionsmaßnahmen

Auf dem Buchmarkt und im Internet gibt es zahlreiche Angebote zur Erkennung und Prävention von Burnout,
zum Beispiel:


Literatur:
Maslach, Ch. (2000): A multilingual theory of burnout. In: Cooper, C. L. (Hrsg.): Theories of orgaizational stress. Oxford: Oxford University Press, S. 68 – 85.
Weber, A./Weltle, D./Lederer, P. (2004): Frühinvalidität im Lehrerberuf: Sozial- und arbeitsmedizinische Aspekte. In: Deutsches Ärzteblatt 101(13), S. 852.


Quelle: Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Fachbuch: Gerlach, D./ Leupold, E. (2017), redaktionell bearbeitet von L. Blödorn (17.05.2019).

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