Themenzentrierte Interaktion

TZI-Modell: Dynamische Balance in der Schule

Ohne Gesundheitsprobleme das Pensionsalter zu erreichen. Ist das für Lehrende an Schule noch machbar? Ja, meint unser Autor und ausgebildeter TZI-Experte Peter Maier.

Eine Frau liegt erschöpft auf dem Bett.
Lehren ist viel mehr als nur Stoffvermittlung – es entwickelt sich dabei eine Beziehung zu den Schülern. Wer sie aktiv und positiv gestaltet, hat gute Chancen, im Lehrberuf erfolgreich und gesund zu bleiben. Foto: Kinga Cichewicz/Unsplash

Jede Lehrkraft weiß, wie schwierig es ist, im Berufsalltag die gesundheitliche Balance zu bewahren. Auch ich war vor Jahren davon betroffen. Das Burnout rückte näher. Nach einiger Recherche schien mir als Gegenmaßnahme ein Kurs für Themenzentrierte Interaktion (TZI) mit dem Titel "Autorität als Lehrer – Übel oder Notwendigkeit?" als geeignet, um mich vor dem Burnout zu bewahren. Dieser Kurs hatte nachhaltige Wirkungen und Folgen für mich:

  • In offenen Gesprächen erfuhr ich, dass ich mit meinen Schulproblemen nicht allein war.
  • Von Grund- und Förderschullehrern lernte ich in den praktischen Übungen viel über pädagogisch-didaktische Ansätze. Einige davon waren mir als Gymnasiallehrer bis dahin unbekannt, so auch der Ansatz "Erziehung durch Beziehung". Von dieser Erfahrung profitiert mein Unterricht bis heute.
  • Ich kam zum ersten Mal mit dem pädagogischen "Modell der dynamischen Balance" von Ruth Cohn in Berührung. Das bot mir einen völlig neuen Blick auf mein Wirken als Pädagoge im Klassenzimmer.

Schon nach dem ersten TZI-Kurs entschied ich mich, die umfangreiche, berufsbegleitende Ausbildung zum "Gruppenleiter in TZI" zu machen. Die Ausbildung umfasst insgesamt 21 Wochenkurse und dauerte fast sieben Jahre. Diese Ausbildung wird heute zum Beispiel vom Ruth-Cohn-Institut angeboten.

Das TZI-Modell der dynamischen Balance

Das TZI-Modell liefert wichtige Impulse zur Lehrergesundheit und ist so sehr hilfreich für die Tätigkeit als Lehrer. Das Modell legt den Fokus im Lehr- und Lernprozess auf vier gleich wichtige Aspekte:

  • Das ICH, das sowohl das Lehrer-Ich als auch das Ich jedes einzelnen Schülers meint, macht deutlich, dass es Schüler und Lehrer während des Unterrichts gut gehen muss, wenn der Unterricht auf Dauer gelingen soll.
  • Mit dem WIR sind sowohl die Gesamtheit der ganzen Klasse, die Mitglieder einzelner Gruppen oder Cliquen in der Klasse, aber auch die Gemeinschaft aus Lehrer und Schülern gemeint.
  • Das ES bedeutet den Inhalt des Unterrichts – also den Stoff und die Kompetenzen, die gemäß dem Lehrplan vermittelt werden sollen.
  • Schließlich umfasst der sogenannte „GLOBE“ alle Strukturen, Bedingungen und das Umfeld, in denen der Unterricht stattfinden soll.
Das TZI-Modell nach Ruth Cohn kann Lehrkräfte vorm Burnout schützen.
Das TZI-Modell nach Ruth Cohn kann Lehrkräfte vorm Burnout schützen.

Dabei ist zu beachten, dass diese vier Aspekte des Unterrichts nicht statisch gesehen werden dürfen, sondern sich vielmehr in einem dynamischen Miteinander wie in einem schwingenden System befinden. Mal steht die pure Stoffvermittlung (das ES) im Fokus, ein anderes Mal muss zuerst die Ich–Wir-Beziehung zwischen Lehrern und Schülern geklärt oder neu bestimmt werden, damit die Schüler überhaupt bereit und fähig sind, neues Wissen aufzunehmen. Wenn es größere Beziehungsstörungen gibt, kann man als Lehrer aufhören, zu unterrichten. Dann sollte alles unternommen werden, zunächst das Lehrer-Schüler-Verhältnis zu verbessern. Nicht umsonst hat Ruth Cohn den Slogan „Störungen haben Vorrang“ als eines ihrer bekanntesten Postulate ausgegeben.

Wieder ein anderes Mal muss sich der Lehrer zuerst um eine Verbesserung der „Globe-Bedingungen“ kümmern – etwa wenn Außenlärm den Unterricht zu sehr beeinträchtigt, die Sitzordnung nicht passt oder wenn Schüler nach einer Schulaufgabe größere Pausen brauchen usw. Auch dies hat die erfahrene Psychologin und Pädagogin im Blick gehabt, wenn sie das Postulat „Wer den Globe nicht achtet, den frisst er“ aufgestellt hat. Denn gerade in schlechten Strukturbedingungen und in konfliktgeladenen, ungeklärten Lehrer–Schüler-Verhältnissen sind Hauptursachen für Erschöpfung und Burnout beim Lehrer und schlechte Stimmung und Blockaden bei den Schülern zu finden.