Fake News und Corona

Wie Lügen über Covid-19 im Netz enttarnt werden können

Falschmeldungen zum Coronavirus – auch Fake News genannt – verbreiten sich momentan schneller als das Virus selbst. Schon eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) aus dem Jahr 2018 hat am Beispiel von Twitter nachgewiesen, dass Fake News mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit eher als andere Nachrichten verbreitet werden. Woran liegt dieses Interesse an der Verbreitung falscher Informationen?

Scrabblespiel mit dem Wort Corona
Über Corona kursieren im Netz diverse Fake News, ein Ansatzpunkt, um Medienkompetenz zu schulen. Foto: © distelAPPArath / Pixabay

Das Phänomen, dass Menschen lieber schlechte als positive Neuigkeiten teilen, sei neben der Tatsache, dass Soziale Netzwerke mit Belohnungen locken (Likes, Klicks, Follower) eine mögliche Erklärung dafür, erläutern die „Digitalen Helden“ in Bezugnahme auf diese Studie. Die „Digitalen Helden“ sind ein junges Team aus Frankfurt, das Jugendliche mit einem MentorInnenprogramm für einen bewussten Umgang mit dem Internet sensibilisieren und Medienkompetenz fördern möchte.

Am 26. März 2020 fand unter der Leitung der Medienpädagoginnen Vera Borngässer und Marie Leißner ein Webinar zum Thema „Fake News und Corona“ statt, an dem sowohl Pädagogen und Pädagoginnen als auch Eltern und Schüler und Schülerinnen teilnahmen. Die Aufzeichnung dieses Webinars ist hier abrufbar: https://digitale-helden.de/angebote/webinare/corona-und-fake-news/. Zusätzlich gibt es ein Handout (https://bit.ly/3byqkdN).

Verbreitungswege von Fake News

Die aktuelle Medienberichterstattung über die Pandemie sorgt bei vielen Menschen für Verunsicherung. Und Fake News in Bezug auf Corona sind aktuell besonders im Umlauf. Verbreitet werden Falschnachrichten vornehmlich über Messenger (z.B. WhatsApp, Telegram etc.), Videodienste (z.B. YouTube), Soziale Netzwerke (z.B. Facebook, Twitter, Instagram, Reddit etc.) und einschlägige Webseiten (besonders im Bereich Verschwörungstheorien).

Whatsapp sei nach Aussage von Alice Echtermann, Redakteurin bei Correctiv, der „Hauptverbreitungskanal“. Und das habe eine gewichtige Folge: „Der Austausch findet damit hauptsächlich zwischen Verwandten oder Bekannten und Freunden statt, also Menschen, denen man tendenziell besonders vertraut.“ Bei den verbreiteten Inhalten handele es sich meist um virale Sprachnachrichten, Kettenbriefe oder Links, häufig zu YouTube-Videos (https://bit.ly/2wKYX1e).

Recherchearbeit zu Fake News

Wie können Lehrkräfte das Thema Fake News am Beispiel von Corona thematisieren? Beispielsweise könnten sie einige bekannte Beispiele aufgreifen und diese von den Schülerinnen und Schülern analysieren lassen. Die drei folgenden Beispiele werden die Jugendlichen mit großer Wahrscheinlichkeit schon selbst erhalten, vielleicht sogar weitergeleitet haben.

Beispiel 1:

Die Experten aus Taiwan bieten eine einfache Selbstkontrolle an, die wir jeden Morgen durchführen können: Atmen Sie tief ein und halten Sie den Atem für mehr als 10 Sekunden an. Wenn Sie die Untersuchung ohne Husten, ohne Beschwerden, ohne Prallheit oder Engegefühl usw. erfolgreich durchführen, beweist dies, dass keine Fibrose in den Lungen vorliegt, was im Grunde genommen auf keine Infektion hinweist. […]

Hier handele es sich nach Recherchen von Mimikama um einen Kettenbrief, der „mehr oder weniger mit Binsenweisheiten und unbewiesenen Behauptungen arbeitet“, da es keine offiziellen Quellen gebe, die bestätigen, dass Ärzte den Selbsttest und das Trinken von Wasser im 15-Minuten-Takt tatsächlich empfehlen (https://bit.ly/2vXdvKP). Vielleicht liegt dieser Nachricht der Wunsch nach wiedergewonnener Kontrolle zugrunde. Dieses Beispiel ist noch harmlos im Vergleich zum nächsten.

Beispiel 2:

Chlordioxid zu trinken hilft gegen Covid-19.

Diese Nachricht ist nicht nur falsch, sondern nach Faktencheck der Seite Correctiv sogar lebensgefährlich, weil es sich bei Chlordioxid um ein Desinfektions- und Bleichmittel handelt (https://bit.ly/2Ur9jfK).

Gründe für die Verbreitung von Falschnachrichten

Neben den oben bereits erwähnten Motivationen gibt es noch weitere Gründe zur Verbreitung von Fake News. Menschen haben in der Regel gute Absichten: Sie suchen nach Antworten und Lösungen in dieser unwägbaren Zeit und haben dann vielleicht den Wunsch, ihre Informationen zu teilen, um anderen zu helfen. Gerade bei Covid-19 ist vieles noch verworren. Wir möchten unser Bedürfnis nach Information und Klarheit erfüllen.

Fake News können aber auch manipulativ in Umlauf gebracht werden, um z.B. über Werbung oder Klicks Einnahmen zu generieren oder Schadstoffsoftware wie Viren zu versenden. Hinter gezielter Desinformation stehen oft politische und finanzielle Interessen. Manchmal fehlt auch schlicht das Wissen für das Erkennen von Falschmeldungen.

Fake News erkennen

Doch wie können wir Fake News identifizieren? Vorsicht ist immer dann angebracht, wenn die Formulierungen reißerisch wirken oder stark emotionalisieren, z.B. durch schockierende Bilder oder beängstigende Informationen. Auch bei fett gedruckten Worten oder Worten in Großbuchstaben ist Misstrauen angebracht, auch dann, wenn man über fragwürdige Zahlen, Quellen oder Statistiken stolpert oder Quellen gar nicht benannt werden. In Deutschland sollten Nutzerinnen und Nutzer ein Impressum mit maximal zwei Klicks erreichen. Wer auf einer Seite erst lange nach dem Impressum suchen muss oder es gar nicht findet, könnte sich auf einer unseriösen Webseite befinden.

Unterricht Englisch Nr. 163/2020 Medienkompetenz: Fake realities

Informationen im Netz und in anderen Medien kritisch hinterfragen zu können, ist eine der Schlüsselkompetenzen des 21. Jahrhunderts. Ein Bewusstsein für den Unterschied zwischen Fakt und fake sowie Strategien zur Bewertung von Informationen erwerben die Lernenden in den Unterrichtsideen in dieser Ausgabe.

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Quellen einschätzen lernen

Wer den Herausgeber im Impressum oder in der Kanalbeschreibung (z.B. bei YouTube oder Facebook) gefunden hat, kann sich über diesen informieren. Gleiches gilt beim Inhalt der Seite. Welche Studien und Statistiken werden erwähnt? Wer hat sie durchgeführt? Von wem wurden sie sonst zitiert? Und welche Informationen lassen sich über die zitierten Fachleute einholen? Auch die Glaubwürdigkeit von Bildquellen ist durch eine umgekehrte Bildersuche überprüfbar, z.B. über den Browser oder mit der Browsererweiterung „RevEye Reverse Image Search“. Auf diese Weise erklärt sich, dass z.B. ein häufig in Zusammenhang mit Berichten über Corona in Italien geteiltes Foto, welches eine Vielzahl an Särgen zeigt, keine aktuelle Aufnahme verstorbener COVID-19-Infizierter darstellt. Es handelt sich in Echt um die Särge der über 350 aus Afrika geflüchteten Menschen, die am 3. Oktober 2013 bei einem Schiffsbrand vor der Insel Lampedusa ums Leben kamen (https://bit.ly/2JlMYKt).

Seiten zur Entlarvung von Fake News

Um Falschmeldungen (allgemein und/oder zu Covid-19) aufzuspüren, gibt es spezielle Informationsseiten, z.B.:

Glaubwürdige Quellen zu Covid-19

Weiterhin ist es für Schülerinnen und Schüler hilfreich zu wissen, auf welchen Seiten sie valide Informationen finden. Offizielle Informationen zum Coronavirus liefern das Bundesministerium für Gesundheit (http://t1p.de/bfg-corona), das Robert-Koch-Institut (http://t1p.de/rki-corona), die Weltgesundheitsorganisation (WHO) (http://t1p.de/who-corona) oder die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (http://t1p.de/bzga-corona), Online- oder Printangebote renommierter Zeitungen sowie die Instagram-Kanäle „zdfheute“ und „tagesschau“. Zudem finden sich kindgerechte Nachrichten über Klick-Tipps.net (http://klick-tipps.net/coronavirus) oder die Kinderseite Seitenstark (http://t1p.de/seitenstark-corona). Jugendliche können sich bei Mr. Wissen2Go (https://www.youtube.com/user/MrWissen2go) oder Quarks (http://quarks.de) zu dem Thema informieren.

Fake News als Thema im Unterricht

Informationen zu Corona vor der Weitergabe prüfen

„Gefahren einzuschätzen ist ein menschliches Grundbedürfnis“, stellt Katarina Bader fest. „Und gerade stellt uns dies vor riesige Herausforderungen: Ein Virus, das wir nicht sehen können, verändert unseren Alltag massiv. Alle hängen am Handy, versuchen immer das Neueste zu erfahren und Infos weiterzugeben.“ Das sei nach Bader normal. Aber da teile man dann eben auch schnell ein Gerücht. „Infos vor der Weitergabe zu prüfen ist leider kein menschliches Grundbedürfnis, aber eine Kulturtechnik, die wir gerade in solchen Situationen ganz dringend nutzen sollten“(https://bit.ly/3auJrW2). Und Lehrkräfte können genau diese Kulturtechnik – unter Bezugnahme absoluter Aktualität – mit den Schülerinnen und Schüler erarbeiten.