Gespräche über Corona

Was jüngere Schülerinnen und Schüler jetzt brauchen

Covid-19: Jeder ist verunsichert und versucht, die immer neuen Informationen einzuordnen und einen vernünftigen Umgang mit der schwierigen Situation zu finden. Kindern – vor allem im Grundschulalter – fällt dies noch weit schwerer. Sie erfahren von immer mehr Erkrankten und sogar Todesfällen. Sie dürfen nicht mehr in die Schule gehen und nicht einmal mehr auf den Spielplatz. Das macht Angst, und das macht Stress. Sie können Kinder in dieser schwierigen Situation stärken, indem Sie ihnen Gesprächs- und Beratungsangebote machen.

Der neue Corona-Virus beeinträchtigt Alltag und Freizügigkeit von Kindern stark. Lehrkräfte können mithelfen, dass die Kinder mit der Situation besser umgehen können.
Der neue Corona-Virus beeinträchtigt Alltag und Freizügigkeit von Kindern stark. Lehrkräfte können mithelfen, dass die Kinder mit der Situation besser umgehen können.

Vielleicht haben Sie angesichts der Schulschließungen keinen direkten Kontakt mehr zu Ihren Schülerinnen und Schülern. Wenn dem so ist, versuchen Sie, den Zugang über die Eltern herzustellen. Überlegen Sie gemeinsam mit den Eltern, in welcher Form und über welchen Kanal Sie mit den Kindern in Verbindung treten können und wählen Sie einen geeigneten aus. Sie könnten im simpelsten Fall anbieten, individuelle Fragen über die Gruppenfunktion eines Messengerdienstes zu beantworten, aber Achtung: Überfordern Sie sich dabei nicht, das kann leicht zur Ganztagsbeschäftigung werden. Ein regelmäßiger, zeitlich festgelegter Videochat, ein Austausch über den Schulserver oder eine andere Plattform mit einer Gruppe von Kindern erlaubt dagegen einen umfassenderen Austausch.

Kinder brauchen andere Kinder

Auch wenn Eltern den Medienkonsum und die Nutzung von Mobiltelefonen bei ihren Kindern normalerweise einschränken möchten: Die jetzige Situation ist keine normale, und in Zeiten der räumlichen Isolation können die verschiedenen Kommunikationswege ausgesprochen nützlich sein. Kinder brauchen andere Kinder. Nicht gemeinsam toben zu können, ist schwer genug. Aber vielleicht hilft es ein wenig, jeden Tag ungestört (!) eine Zeitlang mit der besten Freundin/dem besten Freund skypen zu dürfen …

Nehmen Sie die Kinder ernst

Wenn Sie sich mit den Kindern austauschen: Bringen Sie in Erfahrung, was sie bereits wissen und welche Fragen sie haben. Nehmen Sie die formulierten Sorgen und Ängste unbedingt ernst. Verharmlosen Sie nichts und zeigen Sie, dass es ganz normal ist, sich zu fürchten. Schenken Sie den Schülerinnen und Schülern ihre volle Aufmerksamkeit, hören Sie aktiv zu und gehen Sie sachlich und empathisch auf die Beiträge der Kinder ein.

Teilen Sie Ihr Wissen über das Corona-Virus

Dass es kaum möglich ist, Unsicherheiten abzubauen, ohne sachliche Informationen zu vermitteln, ist selbstverständlich. Kinder wollen verstehen, was vor sich geht. Vieles werden Sie ihnen erklären können. Aber nutzen Sie auch die medialen Angebote. Warum nicht gemeinsam verabreden, bei einem virtuellen Treffen über eine Logo-Nachrichtensendung zu sprechen? Sicher werden auch die Kinder Fakten und spannende Informationsquellen weitergeben und besprechen wollen. By the way: Seien Sie achtsam, welcher Quellen sich die Schülerinnen und Schülern bedienen ­– eventuell wird es erforderlich sein, auch über Falschmeldungen, Panikmache oder Vorurteile zu sprechen.

Stellen Sie die wesentlichen Fakten zum Virus klar

Kinder müssen wissen und verstehen: Ihre Schule wurde geschlossen und sie dürfen sich nicht mehr wie gewohnt bewegen, damit das neue Corona-Virus sich nicht zu schnell ausbreitet. Das heißt nicht, dass jeder krank wird. Das heißt auch nicht, dass jede Erkrankung so schwer ist, dass man ins Krankenhaus muss oder in Lebensgefahr ist. Aber im Moment ist es für alle sicherer, so wenig Kontakt zu anderen Menschen zu haben, wie möglich. Man muss sich daher im Moment an bestimmte Regeln halten, damit alle so gut wie möglich geschützt sind.

Man kann und muss auch selbst etwas tun:

  • Beim Husten oder Niesen den Ellenbogen vorhalten.
  • Häufig mindestens 20 Sekunden lang die Hände mit Seife waschen.
  • Vermeiden, sich ins Gesicht zu fassen.
  • Draußen beim Einkaufen o. Ä. zwei Meter Abstand zu anderen Personen halten.
  • Die Eltern informieren, sobald man sich nicht wohlfühlt.

Seien Sie ehrlich

Wir wissen noch sehr wenig über den neuen Corona-Virus. Das können Sie ruhig zugeben. Spekulieren Sie nicht oder schwindeln Sie die Kinder nicht an. Es ist kontraproduktiv, den Eindruck erwecken zu wollen, man könne auf jede Frage antworten.  Aussagen wie „Das ist eine gute Frage, lasst uns gemeinsam die Antwort finden“, „Das weiß ich nicht, ich kann es aber recherchieren und die Frage morgen wieder aufgreifen“ oder „Das weiß man leider überhaupt noch nicht, aber die Wissenschaftler arbeiten hart daran, es rauszufinden“ gehen doch ganz leicht über die Lippen, oder?

Beruhigen Sie

Kinder unterscheiden nicht immer zwischen medialen Bildern und ihrer eigenen Realität. Sie sind darüber hinaus nicht in der Lage, die Fakten und Statistiken realistisch einzuschätzen. Sie  können glauben, sie oder ihre Familie seien aktuell selbst in unmittelbarer Lebensgefahr. Nehmen Sie das ernst – aber versuchen Sie auch, die Kinder ein wenig zu entspannen. Ein kleines Ritual wie eine Fantasiereise zum Ende eines Gesprächs kann hilfreich sein. Das kann etwa eine Heldengeschichte sein, über Menschen, die sich gegenseitig helfen, über Wissenschaftlerinnen, die einen Impfstoff entwickeln und die helfen, den Ausbruch zu stoppen. Das kann Kindern Hoffnung geben.

Und: Sollten Sie feststellen, dass ein bestimmtes Kind über längere Zeit besonders unter Ängsten leidet, sollten Sie überlegen, das Gespräch mit den Eltern zu suchen.

Bewahren Sie Gelassenheit und Humor

Covid-19 und seine Auswirkungen sind nicht lustig. Dennoch: Alles, was entlastet, ist erlaubt – auch Humor! Wenn es jemandem hilft, kleine Bilder und Filme durch die Welt zu schicken, die sich über die Situation lustig machen: Bravo! Kinder werden auf noch weit kreativere Ideen kommen – Lea, mein kleines Patenkind singt derzeit bei jedem Händewaschen „Häppie Börßdey tuu miieeee – in einer unglaublichen Vielfalt an Tonlagen und Lautstärken. Nicht unbedingt ein Genuss, aber allemal ein guter Wunsch!

Medientipp

Die logo!-Moderation hat sich Experten ins Studio geholt, um mit ihnen über gängige Fragen zum Corona-Virus zu sprechen.

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