VOM PRÄSENZ- ZUM DISTANZUNTERRICHT MIT I-SERV UND DIGITALEN MEDIEN

Vom Haustier-Comic bis zum Haustier-Ratgeber

Freitag, der 13. März 2020. Die Landesregierungen beschließen Kita- und Schulschließungen angesichts des sich ausbreitenden Coronavirus. Wie können Sie als Lehrkraft dem Bildungsauftrag jetzt noch gerecht werden? In diesem Artikel finden Sie ein Unterrichtsbeispiel für den NaWi-Unterricht mit zahlreichen Arbeitsmaterialien und Tipps, wie der Unterricht auch digital gelingen kann.

Ein Mädchen kuschelt mit ihrem Kaninchen
Das Thema „Haustiere“ ist vor allem den jüngeren Schülerinnen und Schülern nah. So eignet es sich auch gut während des Distanzunterrichts als Heimarbeit. Foto: Anastasia Gepp/pixabay.com

In einer der letzten Unterrichtsstunden in der Schule sitzen die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5a der Ida-Ehre-Schule Bad Oldesloe im Stuhlkreis beisammen. Wir sprechen über die Situation und die zu erwartenden Schulschließungen. Von den 20 Kindern der Inklusionsklasse sind nur 14 anwesend. Die anderen sind mit Erkältungssymptomen vorsorglich zu Hause geblieben.

Manche Kinder freuen sich schon auf fünf Wochen Osterferien. Aber im Gespräch wird auch ihnen rasch klar, dass das eine lange Zeit sein kann, in der es nicht viele Möglichkeiten für spannende Aktivitäten mit Freunden geben wird. Sport- und Jugendveranstaltungen sind abgesagt, Kinos geschlossen. Es wird geraten, sich möglichst wenig mit anderen Menschen zu treffen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

„Toll, dann kann ich endlos fernsehen“, meint Adrian. „Ich daddle lieber am Computer“, ergänzt Thilo. „Ich werde mich wahrscheinlich ziemlich langweilen, wenn ich meine Freundinnen nicht treffen darf“, meint Lisa.

Inzwischen sind wir mitten im Distanzunterricht angelangt. Wir Lehrkräfte in der Klasse waren uns einig, dass die Schulschließung nicht als Verlängerung der Ferien zu verstehen ist. Wir haben schließlich einen Bildungsauftrag und dem wollen wir auch gerne gerecht werden. Daher besprachen wir mit den Kindern, wie wir ihnen Aufgaben über unseren Internet-Server „I-Serv“ zukommen lassen wollen.

Wie nutze ich mit meiner Klasse I-Serv?

Auf I-Serv hat jede Klasse einen Ordner mit weiteren Subordern für die einzelnen Fächer. So können alle den Überblick behalten. Außerdem können wir über diesen Server auch per E-Mail mit den Lernenden kommunizieren. In der Klasse sind auch Kinder aus Flüchtlingsfamilien. Es ist nicht sicher, ob alle einen Zugang zu I-Serv haben. Deshalb informiert der Elternvertreter in unserem Auftrag auch alle Eltern über die Aufgaben. Bei Bedarf können wir diese dann auch per E-Mail direkt zuschicken.  

Die Schülerarbeiten sollen die Kinder – soweit digital angefertigt oder als Foto vorhanden – ebenfalls in einem Ordner auf I-Serv abgeben. Diese werde ich mir dann am Ende gesammelt ansehen. Alle analogen Arbeiten sammle ich ein, sobald der Schulbetrieb wieder aufgenommen wird. Dann können die Kinder sich auch die Aufgaben gegenseitig vorstellen. Darauf freue ich mich schon!

Flexibel bleiben

Im NaWi-Unterricht befassen wir uns gerade mit dem Thema „Haustiere“. Die Kinder haben bereits Haustiere von Wildtieren unterscheiden gelernt. Und auch die weitere Differenzierung der Haustiere in Heim- und Nutztiere haben wir an vielen Beispielen in den letzten Stunden des Präsenzunterrichts geklärt. Mein Plan war, den Kindern der Klasse bis zu den Osterferien offene Aufgaben in unterschiedlichen Niveaustufen anzubieten. Die sollten im Unterricht in Einzel- oder Partnerarbeit bearbeitet werden. Wegen der Schulschließung ging das nun nicht mehr. Die Aufgaben habe ich daraufhin angepasst und ihnen über I-Serv angeboten. So konnte ich sie trotzdem als Heimarbeit stellen. Diese Vorgehensweise lässt sich auch auf viele andere Themen übertragen.

Vom Präsenz- zum Distanzunterricht: Beispiel „Haustiere“

Nachdem ich die Arbeitsblätter mit den verschiedenen Aufgaben fertig gestaltet habe, ergänze ich noch eine erste Seite mit einer Aufgabenübersicht. Die Niveaustufen für die „Haustier“-Aufgaben mache ich mit Sternchen erkennbar. Dabei fällt mir auf, dass man jede offene Aufgabe auch sehr einfach – knapp und mit wenigen Details und Zusammenhängen – auch auf höherem Niveau lösen kann. Das möchte ich vermeiden. Im Unterricht hätte ich die Bedeutung der Sternchen erklärt. Sie zeigen meine Einschätzung des Schwierigkeitsgrads. Das kann ich aber kaum im Text verständlich erklären. Deshalb entscheide ich mich, eine Spalte einzufügen, in der ich angebe, welche Fähigkeiten für die jeweilige Aufgabe mindestens notwendig sind und nennen sie: „Das musst du dafür können.“ Alle Arbeitsblätter und Hinweise stelle ich meinen Schülerinnen und Schülern anschließend, wie abgesprochen, über I-Serv zur Verfügung.

Hier können auch Sie die Arbeitsblätter für Ihre Schülerinnen und Schüler im PDF-Format wie auch als bearbeitbare Word-Datei herunterladen.

Alle Arbeitsblätter zum Download

Word:

Thema „Haustiere“: Die Aufgaben im Überblick (.docx)
Haustier-Comic (.docx)
Der Steckbrief eines Haustieres (.docx)
Ein Lapbook zu einem Haustier (.docx)
Ein Haustier-Ratgeber (.docx)
Die Geschichte der Hausschweine (.docx)

PDF:

Thema „Haustiere“: Die Aufgaben im Überblick (.pdf)
Haustier-Comic (.pdf)
Der Steckbrief eines Haustieres (.pdf)
Ein Lapbook zu einem Haustier (.pdf)
Ein Haustier-Ratgeber (.pdf)
Die Geschichte der Hausschweine (.pdf)

ZIP-Archiv:

Arbeitsblätter gesammelt herunterladen

Die Recherche verlagert sich auf das Internet

Gespannt bin ich auf den Erfolg der Informationssuche. Für einige Aufgaben benötigen die Kinder Tierbücher oder passende Internetseiten. Wenn die Stadtbücherei noch geöffnet hätte, könnten sie sich dort Bücher ausleihen. So sind sie auf die Bücher im eigenen Haushalt beschränkt. So muss ich vor allem auf Internetrecherche setzen. Die Internetrecherche gelingt manchen Schülerinnen und Schülern schon sehr gut. Das weiß ich aus den vergangenen Unterrichtsstunden. Andere werden dafür Hilfe von den Eltern und Geschwistern benötigen. Ich hoffe, dass sie meine Lernenden dafür unterstützen werden.

Die Chance für digitale Medien nutzen

In der Klasse gibt es recht viele Jungen und Mädchen, die sich sehr für Tiere interessieren. Kreative Aufgaben bearbeiten viele sehr gerne und auch digitale Übungsaufgaben mit LearningApps kommen gut an. Das habe ich in den Präsenzstunden schon bemerkt, als die Kinder die systematische Zuordnung von Tierarten zu den Klassen der Wirbeltiere und zu den Wirbellosen mit diesem Internetprogramm übten. Aus verschiedenen Gründen konnten das damals jedoch nicht alle ausprobieren. Deshalb füge ich den Aufgabenbereich „Wiederholen, üben und spielen“ auf meinen Arbeitsblättern hinzu.

Biologie 5–10 Nr. 19/2017 Auf digitalen Wegen

Smartphone, Youtube und Co. nutzen Jugendliche täglich. Als digital natives sind sie mit Medien und dem Internet aufgewachsen. Dieses Interesse an den modernen Medien gewinnbringend in den Unterricht zu integrieren, ist für Lehrkräfte eine Herausforderung. Die Beiträge in diesem Heft zeigen, wie durch kreatives Gestalten mit Medien Fachinhalte erarbeitet und Ergebnisse dokumentiert werden können.

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Distanzunterricht über I-Serv: Mein Fazit

Freitag, der 3. April 2020. Ich habe während der Bearbeitungszeit zweimal mit allen Eltern oder Kindern telefoniert. Dadurch habe ich erfahren, dass die Aufgaben bei den meisten Kindern angekommen sind und auch bearbeitet wurden. Dennoch funktionierte die Kommunikation über I-Serv nur mit wenigen Kindern gut. Das hat mehrere Gründe:

Für Schülerinnen und Schüler ist das Arbeiten mit I-Serv ungewohnt. Auch das Einprägen des notwendigen Passworts ist für viele Fünftklässler schwierig. Hinzu kommt, dass nicht in allen Haushalten ausreichend Computer, Tablets oder Smartphones zur Verfügung stehen, da viele Eltern diese Geräte jetzt fürs Home Office brauchen. In meiner Klasse gibt es auch Kinder aus Flüchtlingsfamilien bzw. mit Migrationshintergrund. Deren Eltern sprechen oft kaum Deutsch und können den Kindern so nicht bei der Bearbeitung der Aufgaben helfen. Auch die häusliche Enge, die sicherlich bei manchen Familien herrscht, erschwert das ruhige Arbeiten an den Aufgaben.

Eine zukünftige Alternative?

Ich setze daher meine Hoffnung in ein datenschutzkonformes Programm für Video-Konferenzen, welches das Bildungsministerium für den Unterricht zur Verfügung stellen will. Ich stelle mir vor, dass ich mich über diese Videoplattform einmal pro Woche etwa 90 Minuten lang mit meinen Schülerinnen und Schülern über ihre Aufgaben austauschen kann. Wichtig wäre mir, dass sich alle Kinder darüber wieder sehen können und dass sie miteinander sprechen können. Es wäre zudem sehr hilfreich, wenn alle darüber gemeinsam auf von mir hochgeladene Dokumente schauen können. Sollte Unterricht bis zu den Sommerferien in der Schule aussetzen, wäre so ein Programm eine notwendige Alternative.

Die oben zum Download verfügbaren Aufgaben dürfen Sie gerne für Ihren (Fern-)Unterricht verwenden und natürlich auch anpassen. Über Rückmeldungen würde ich mich sehr freuen!

E-Mail: karl-martin.ricker(at)iqsh.de