Best practice: Digitaler Unterricht

Unterrichtsstruktur mit der 4+1-Regel

Die letzten Wochen haben schmerzlich gezeigt, dass es in Sachen Digitalisierung eine Menge aufzuholen gibt. Dennoch wird auch sichtbar, wie viele Lehrkräfte sich der neuen Situation stellen. Die Erfahrungen zeigen jedoch: Mit einer digitalen Verteilung der Aufgaben ist es nicht getan. Eine Neustrukturierung des Unterrichts ist notwendig.

Digitaler Unterricht erfordert andere Strukturen
Digitaler Unterricht erfordert andere Strukturen Foto: StartupStockPhotos/pixabay.com

Wenn man versucht, digitalen Fernunterricht zu strukturieren, muss klar sein, inwiefern dieser vom Präsenzunterricht abweicht. Im „normalen“ Unterricht wird ein Gegenstand zunächst eingeführt, erläutert und dann begleitend besprochen. Eine Hausaufgabe wird von den Schülern und Schülerinnen so gefertigt, dass sie in der nächsten Präsenzphase präsentiert und besprochen werden kann. Das kann nicht 1:1 übernommen werden, weil selbst Videokonferenzen kein Präsenzunterrichtsgeschehen abbilden.

Digitaler Fernunterricht ist kein Präsenzunterricht

Während Präsenzunterricht an Ort und Zeit gebunden ist, ist die momentane Situation eine andere: Lehrkräfte können nicht davon ausgehen, dass jeder zur selben Zeit arbeiten oder gar am Rechner sein kann. Das bedeutet, dass man die Zeitspanne, in der Schülerinnen und Schüler etwas erledigen sollen, verlängern muss.

Das hat nichts mit der Zeit zu tun, die die Schülerinnen und Schüler brauchen, um die Aufgaben zu erledigen. In einem vierstündigen Fach können durchaus Aufgaben gegeben werden, die drei Schulstunden umfassen. Aber nicht vier! Denn auch im normalen Unterricht geht Zeit verloren, die man auch im „Homeoffice“ den zugestehen sollte.

4+1 Tage: Das gibt Struktur und Flexibilität

Die Aufgaben werden aber nicht nach Stundenplan, sondern nach einer gewissen Zeit eingesammelt. Der Vorschlag: Vier Tage. So können Schülerinnen und Schüler die Aufgaben zunächst strukturieren und dann schrittweise in eigenem Tempo bearbeiten. Die Abgabe erfolgt am vierten Tag. Dann kann die Lehrperson überprüfen, ob alles verstanden worden ist.

Danach stellt die Lehrperson allen ein positives Arbeitsergebnis zur Verfügung (entweder von einem Schüler oder vom Lehrer selbst). Am nächsten Tag können dann verschiedene Nachbesprechungen erfolgen, z. B.

  • In einer Videokonferenz kann das Positivbespiel besprochen und Nachfragen gestellt werden.
  • Mit einer Audiodatei, die über einen Messenger oder eine Cloud zur Verfügung gestellt wird, können Fehler mitgeteilt und Anweisungen zur Überarbeitung gegeben werden.
  • Alternativ ist auch eine schriftliche Rückmeldung per E-Mail ist möglich.

Weitere Möglichkeiten

Dieses System kann freilich noch erweitert werden, beispielsweise, wenn Lehrkräfte die Arbeiten über ein Padlet strukturieren oder mit einem Etherpad (einem Dokument, das von überall bearbeitet werden kann) die Rückmeldungen direkt mit den Schülerinnen und Schüler austauschen.

Die 4+1-Regel in der Praxis

Erleben Sie, wie Sie die 4+1-Regel praktisch anwenden können: In 4 x 45 Min erfahren Sie komprimiert, wie Sie digitale Tools didaktisch sinnvoll einsetzen können. Referent Bob Blume, Pionier des digitalen Unterrichtens, erläutert wie Sie digitale Unterrichtsszenarien planen, strukturieren und didaktisch sinnvoll gestalten. Eine Vielzahl von Tools werden exemplarisch vorgestellt, und die Bedienung wird in Grundzügen erklärt.

Ihre Vorteile:

  • Sie können mithilfe von digitalen Tools guten Unterricht gestalten.
  • Sie wissen, wie Sie mit Schülerinnen und Schüler effizient kommunizieren können.
  • Sie lernen neue, kostenlose und vielfältig einsetzbare Tools kennen.
  • Sie können live teilnehmen und Aufzeichnungen der Sessions streamen.

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Fazit

Die Überlegungen, welche Aufgaben, welcher Umfang und welche Struktur für den digitalen Unterricht verwendet werden sollen, sind absolut zentral und sollten vorab geklärt werden. Sehr effizient ist dabei, wenn diese Strukturen für ganze Fachschaften oder gar Schulen einheitlich festgelegt werden. Denn diese Form der Standardisierung bedeutet eine verbindliche, aber flexible Rahmengebung, an der sich alle orientieren können. Möglich wäre beispielsweise ein bestimmter Wochentag, an denen bestimmte Fächer ihre Aufgaben herausgeben. Das wäre ein völlig neues System.

Auch andere Formen der Strukturierung sind denkbar. Die wichtigste Erkenntnis ist jedoch, dass wir in dieser neuen Situation nach anderen als den bekannten Lösungen suchen müssen.