Tipps für die Videkonferenz

Sich selbst ins rechte Licht setzen

Unter der Herrschaft des Coronavirus ist Heimarbeit angesagt. Man ist froh, wenn man ein ruhiges Plätzchen in der Wohnung und ein genügend großes Zeitfenster ohne die Familie findet, um ungestört arbeiten zu konnen. Aber durch die Webcam kann einem auch mancher Mensch ins Zimmer schauen, den man nie über die Wohnungstür ließe. Deshalb lohnt es sich, einmal darüber nachzudenken, was man da so präsentiert.

Die Webcam liefert Anderen Einblicke in unser Privatleben. Wir sollten bestimmen, welche. © aksa2011/pixabay

In so viele Wohnungen wie in den letzten Wochen haben wir noch nie geschaut. Nicht nur in der privaten Kommunikation oder der mit Kolleginnen und Kollegen erhält man neue Einblicke. Selbst in den Fernsehnachrichten sieht man unaufgeräumte Zimmerecken und Haustiere im Hintergrund oder erhält Aussichten auf Innenhöfe, wenn Menschen via Webcam kommunizieren. Corona erfordert „social distancing“, doch virtuell rücken wir einander so dicht auf die Pelle wie niemals sonst. Da sollte man mal überlegen, was man von sich und seinem Zuhause preisgeben will und wie man sich in Szene setzen will, wenn durch Homeschooling das private Umfeld quasi zum Klassenzimmer wird. Oder wenn das ganze Kollegium in einer virtuellen Konferenz Einblick in die Einrichtung und die Inhalte im Bücherregal nimmt.

Vor etwa drei Jahren ging ein Interview mit dem Politikwissenschaftler Robert Kelly um die Welt, das von seinen kleinen Kindern unterbrochen wurde, die sein Arbeitszimmer stürmten, gefolgt von seiner Frau, die Entschuldigen murmelnd in die Webcam lächelte und die Kinder wieder herauszog. Damals lachten viele über den kleinen Zwischenfall. Heute finden wir so etwas eher normal. Und haben gelernt, die Tür zu schließen und/oder eine Mitteilung an die Familie draußen anzubringen.

Ton und Licht beachten

Wie gut Sie zu verstehen sind bei einer „Telko“ oder einem Chat, ist stark von Ihrer Technik abhängig. Aber wie die auch immer aussieht, man kann beim Gegenüber fragen, ob alles verständlich ist und seine Distanz zum Mikrofon ggf. anpassen. Um sicherzustellen, dass man Sie gut hören kann, ist die Raumakustik wichtig. Vielleicht haben Sie ein ganz nüchternes, fast leeres Heimbüro. Wo Sie normalerweise gut arbeiten, könnte ein Hall entstehen. Vorhänge oder andere Textilien könnten helfen. Wenn Sie einen Laptop haben, lohnt es sich unter Umständen, in ein Zimmer mit Teppich und Vorhängen umzuziehen, um zu chatten. Empfehlenswert ist zudem, ein Headset zu nutzen. Meist reicht ein einfaches, wie sie bei Smartphones mitgeliefert werden.

Vielleicht erschrecken Sie, wenn Sie sich selbst das erste Mal auf dem Bildschirm in einer Videkonferenz sehen: zu weit entfernt von der Kamera, zu ungekämmt, zu schief usw. Probieren Sie also Kamerawinkel, Licht und Körperhaltung ruhig vorher einmal aus. Falls die Webcam Ihres Rechners schlecht ist, können Sie auch eine externe anschließen. (Aus Sicherheitsgründen empfiehlt es sich, die Webcam abzukleben, wenn sie nicht genutzt wird.)

Unangenehm ist es für die Menschen, die Ihnen zuschauen, wenn sie geblendet werden, weil Sie vor einem hellen Fenster sitzen. Auch andersherum ist es nicht schön, wenn Sie ständig wegen einfallenden Sonnenscheins blinzeln müssen und so überbeleuchtet sind, dass die anderen Ihr Gesicht nur als weiß leuchtende Fläche wahrnehmen. Sitzen Sie direkt unter eine Lichtquelle, entstehen starke Schatten unter Augen und Nase und lassen Sie tendenziell gespenstisch aussehen. Eine Lampe oder ein Fenster, das ca. 60 bis 70 cm gegenüber oder seitlich positioniert von Ihnen ist und Sie gleichmäßig beleuchtet, schmeichelt hingegen und erzeugt keine Reflexe auf dem Bildschirm.

Inszenierung oder nicht?

Viele Menschen im Homeoffice präsentieren ihren Kommunikationspartnern eine weiße Raufaserwand. Solch ein neutraler Hintergrund lenkt von den Inhalten nicht ab, gibt dem Auge aber auch nichts zum Festhalten – und Neutralität macht ja auch nicht unbedingt Spaß. Der eine Kollege hat ein Bild seiner Kinder hinter sich oder eine Fotocollage, die andere Kollegin eine bunte Wanddeko. Man muss das nicht verändern, sollte sich aber bewusst sein, wie die Dinge im Hintergrund wirken könnten.

Fachleute raten, Unruhe im Hintergrund zu vermeiden, also keine Aussicht auf Treppe und Eingang, wo jemand entlanglaufen könnte. Auch starke Muster und knallige Gelb- und Rottöne kommen nicht gut an, weil sie leicht aggressiv wirken. Und trotzdem können Sie mit dem Einblick in Ihr Heim auch gezielt etwas zum Anschauen bieten.

Wenn Sie einen Blick ins Bücherregal geben (suggeriert Belesenheit), überlegen Sie, ob Sie etwas umstellen oder aufräumen wollen (könnte ja Chaos signalisieren). Da können wichtige Bücher aus Ihren Fächern stehen – oder Sie zeigen Ihre Lieblingscomics oder etwas von Ihrem Hobby.

Lieben Sie Dekorieren, könnten Sie ein kleines Arrangement hinter sich aufbauen, z.B. eine Lampe und ein paar Bücher oder eine Vase mit Blumen. Auch hierbei gibt es natürlich viele Möglichkeiten, auf Ihre Fächer zu verweisen – mit einer Weltkarte, einem Plakat von London, Paris oder Madrid usw.

Man kann über Videokonferenzen auch die eigene positive Einstellung oder eine hoffnungsvolle Botschaft vermitteln. Mit Blumen, Kunstwerken oder Durchhalteparolen könnte man beim Gegenüber vielleicht die Corona-bedingte niedergedrückte Stimmung heben. Übrigens gibt es Online-Meeting-Software, bei der der Hintergrund digital bespielt werden kann – beispielsweise mit eigenen Fotos. Dann können Aufräumen und Dekorieren mit ein paar Klicks überflüssig werden.

Aber Sie müssen sich nicht darauf konzentrieren, was Ihre Schülerinnen und Schüler oder andere Leute im Hintergund sehen oder nicht sehen und was sie von Ihnen denken. Vielen Menschen ist es wichtiger, ihr Homeoffice so zu gestalten, dass sie in diesen stressigen Zeiten gut darin arbeiten können. Und der Ernst der Pandemie überschattet für viele jegliche Sorge um Aussehen und Wirkung. Völlig legitim. Immerhin sind nicht die Konferenzumgebung und der Hintergrund entscheidend, sondern das, was Sie digital rüberbringen.