Klasse leiten präsentiert:

Aus der Krisensituation zurück in die Schule

Wie auch immer der „Neustart“ in den Schulen aussehen wird – wir müssen davon ausgehen, dass die Heimbeschulung für die meisten Schülerinnen und Schüler eine sehr belastende und oft auch verstörende Erfahrung war und ist. Wahrscheinlich sind auch einige Kinder traumatisiert durch mangelnde Unterstützung, Gewalt oder auch sexuelle Übergriffe in der Familie … Darum ist es nötig, die Rückkehr in die Schule bewusst zu planen.

Wieder zurück in der Schule, müssen sich alle an neue Regeln gewöhnen – z. B. mehr Abstand zu halten
Wieder zurück in der Schule, müssen sich alle an neue Regeln gewöhnen – z. B. mehr Abstand zu halten Foto: © Monkey Business/stock.adobe.com

Wenn Schülerinnen und Schüler wieder in der Schule sind (ob in kleineren Gruppen oder die ganze Klasse) ist es sehr wichtig, eine Willkommens- und Empfangssituation zu schaffen. Dies wird je nach Alter der Lernenden unterschiedlich aussehen. Ein Sitzkreis (mit genügend Abstand) ist wohl die beste Möglichkeit, mit allen wieder in „Kontakt“ zu treten. Schauen Sie jedes Kind/jeden Jugendlichen an, begrüßen Sie ggf. alle einzeln auch namentlich, geben Sie jedem Kind/jedem Jugendlichen das Gefühl, von Ihnen persönlich wahrgenommen und willkommen geheißen zu werden.

Gelegenheit zum Austausch bieten

Die Schülerinnen und Schüler brauchen zum einen Gelegenheit, von ihren Erfahrungen, Erlebnissen, aber auch Ängsten und Sorgen berichten zu können, aber es darf andererseits nicht zu einer beliebigen Plauderrunde ausarten, die den Lernenden das Gefühl gibt, dass in der Schule außer „Smalltalk“ auch nichts passiert …

Mögliche Impulse:

  • Welches Erlebnis während der „Corona-Ferien“ ist dir besonders wichtig, sodass du es mit deinen Mitschülerinnen und Mitschülern teilen möchtest?
  • Was war/ist positiv an der Heimbeschulung?
  • Was ist dir gut gelungen/worauf bist du stolz?
  • Was findest du schlecht/nachteilig an der Heimbeschulung?
  • Was möchtest du nicht noch einmal erleben?
  • Welche Erkenntnisse nimmst du für dein künftiges Lernen mit aus der Krise?

Natürlich sollten Sie hier je nach Lerngruppe eine Auswahl treffen, es reicht vielleicht auch der erste, sehr offene Impuls, um eine anregende Erzählsituation zu schaffen. Einige Impulse eignen sich auch als schriftliche Aufgabe/Reflexion, vor allem der letzte Gedankenstrich.

Wenn Sie vor dem „Neustart“ Kontakt zu ihren Schülerinnen und Schülern haben, bitten sie diese doch, einen Gegenstand, ein Foto, einen aufgeschriebenen Satz (oder das Tagebuch?) mitzubringen, der typisch ist für das, was man in dieser Zeit erlebt, geliebt oder gehasst hat. Dann gibt es zum Gegenstand einen konkreten Gesprächsanlass und vor allem können jüngere Lernende so eher berichten, was sie denken, fühlen und mitteilen wollen…

In diesem „Erzählkreis“ (Abstand beachten!) bekommen Sie als Lehrkraft einen ganz guten Eindruck, wie es Ihren Schülerinnen und Schülern geht – und danach richtet sich auch Ihr weiteres Vorgehen, zum Beispiel, ob Sie Einzelgespräche führen oder Hilfe und Unterstützung (auch technischer Art, Laptop ausleihen etc.) anbieten.

Klasse leiten Nr. 6/2019 Gutes Miteinander

Wenn Kinder und Jugendliche sich sicher und angenommen fühlen, entwickeln sie Vertrauen, das unabdingbar ist für eine gute Beziehung: zwischen Schülerinnen und Schülern untereinander, aber auch zur Klassenlehrerin/zum Klassenlehrer. Respekt, Wertschätzung und gegenseitige Anerkennung sind die Komponenten, die für eine positive Klassenatmosphäre entscheidend sind.

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Besprechung der Arbeitsaufträge

Auf alle Fälle muss am ersten Tag zurück in der Schule auf die Arbeitsaufträge eingegangen werden. Sie werden nicht alles besprechen, auswerten und kommentieren können, aber die Lernenden müssen das Gefühl haben, dass es wichtig war, was sie bearbeitet haben und dass das im weiteren Lernprozess eine Rolle spielen wird. Wenn Sie nicht alles besprechen können, geben Sie einen Ausblick, dass und wenn möglich wann es besprochen wird. Lassen Sie sich eine Rückmeldung geben, wie die Lernenden mit den Aufgaben zurechtgekommen sind, was gut gelungen ist oder was noch gebraucht wird.

Da nicht abzusehen ist, ob phasenweise wieder Heimbeschulung organisiert werden muss, sollte am ersten Tag oder zeitnah mit den Schülerinnen und Schülern geklärt werden, wie die Kommunikation zwischen Lehrkräften und Lernenden künftig organisiert werden kann.