Englisch: Green Your Community Click by Click

Lokale Nachhaltigkeitsprojekte auf einer blended learning-Plattform präsentieren

Was passiert mit der Tüte, nachdem sie die Einkäufe nach Hause transportiert hat? Allzu häufig landet sie als Plastikmüll im Meer. Welche Folgen das hat, recherchieren die Lernenden hier und präsentieren die Ergebnisse sowie andere Umweltprojekte in den USA und aus ihrem Lebensumfeld auf einer blended learning-Plattform.

Nachhaltigkeitsprojekte in der Schule stärken das Umweltbewusstsein Foto: NOAA/Marine Debris Program

Als Mitarbeiter der NGO Surfrider Foundationvor einiger Zeit ihren Stand „Catch of the Day“ auf kalifornischen Wochenmärkten präsentierten, sorgte das für Aufsehen, denn die dort zum Verkauf dargebotenen Spezialitäten von Kaliforniens Küsten hatten es in sich: ‚fangfrischer‘ Plastikmüll aus der Umgebung. Die Aktion entwickelte sich rasch zu einem viralen Marketingerfolg: Von hunderten Nutzern sozialer Netzwerke gelikt und geteilt, machte die NGO auf die Plastikverschmutzung amerikanischer Gewässer aufmerksam und unterstützte so Initiativen für ein allgemeines Verbot von Plastiktüten im kalifornischen Einzelhandel. Für den Englischunterricht ist diese Geschichte aus mehreren Gründen aufschlussreich: Sie gewährt einen ungewohnten Einblick in bürgerliches Engagement und politische Prozesse auf lokaler Ebene in den USA, sie verrät viel über die Wirkmechanismen von sozialen Medien und sie stellt für die Lernenden ein interessantes Modell dar, das sie mit einfachsten Mitteln für ihren eigenen lokalen Kontext adaptieren können. Ganz unten finden Sie ein Worksheet zum Download.

Globales Lernen

Als inhaltliche Klammer bietet sich hier das globale Lernen für eine transkulturelle Betrachtung an, denn Umweltschutz betrifft die Lerner ganz real und persönlich, losgelöst von nationalen Grenzen, politischen Systemen, sprachlichen und soziokulturellen Gegensätzen. Gleichzeitig fragt globales Lernen nach der persönlichen Verstrickung der Lernenden in diesen Inhalten, individuellen Lebensstilen und Gewohnheiten. Das Lokale ist mit dem Globalen untrennbar verknüpft und beinhaltet mitunter einen normativen Impetus, indem entsprechend dem Motto „think globally, act locally“ transnationale und transkulturelle Verflechtungen globaler Herausforderungen herausgearbeitet werden und die Notwendigkeit einer gemeinsamen Verantwortlichkeit in den Fokus gerückt wird. Die Ziele globalen Lernens umfassen vier Dimensionen:

  • Wissen (über Länder und Kulturen, globale Probleme, ihre Ursachen und Lösungen)
  • Fähigkeiten (zur kritischen und multiperspektivischen Auseinandersetzung und gemeinsamen Problemlösung)
  • Einstellungen (Empathiefähigkeit und das Bewusstsein für globale Herausforderungen)
  • Handlungskompetenzen (lokale Auswirkungen globaler Probleme identifizieren und adressieren).

Dieser globale Ansatz wird in dieser Unterrichtsreihe in einem Vergleich zwischen den USA und Europa umgesetzt. Gerade der Vergleich von Nachhaltigkeitsansätzen auf beiden Seiten des Atlantiks in einem offenen und explorativen, lebensweltlich orientierten Unterrichtsprojekt fördert das Bewusstmachen und Überwinden von Stereotypen im Sinne einer Didaktik des Fremdverstehens. Gerade eine möglicherweise eingangs entstehende Polarisierung zwischen „uns in Deutschland, den grünen Musterschülern“ und „euch Umweltsündern in den USA“ kann für Überwinden von Stereotypen dienlich sein.

Das Projekt „Going Green - Education for Sustainability“

Die Unterrichtseinheit „Catch of the Day“ ist Teil einer Fallstudie über innovative Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Plastiktütenverbot in Kalifornien im Schulprojekt „Going Green – Education for Sustainability“ der U.S.-Botschaft in Deutschland, LIFE e.V. und der Leuphana Universität. Es handelt sich um ein blended learning-Projekt für den Englisch- und CLIL-Unterricht für die Sekundarstufe II. Teilnehmende Kurse erforschten dabei auf einer gemeinsamen Moodle-Lernplattform U.S.-basierte Fallstudienzu Umweltthemen wie Recycling, Mobilität, Ernährung und Mode. Sie hinterfragten dabei ihre eigenen Annahmen zu nachhaltiger Entwicklung in Deutschland und den USA. Die Lernplattform bot die Möglichkeit, sich mit einem U.S.-Partnerkurs gemeinsam als Tandem zu beteiligen oder sich mit anderen Projektteilnehmern online zu vernetzen. Dies geschah in einer Partnerbörse in der Virtual Town Hall. Ebenso wurden deutsch-amerikanische Partnerschaften in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut in Washington D.C. vermittelt. Das Transatlantic Outreach Program des Goethe-Instituts ist der offizielle U.S.-Partner von Teach About US.

Ziel des Projekts ist es, für das eigene Lebensumfeld lokale und kreative Antworten auf globale Umweltfragen zu entwickeln und diese in einem Schülerwettbewerb online als „Action Plan“ zu präsentieren. Das Projekt wurde bereits 2014-15, 2015-16 und 2017 an deutschen und U.S.-Schulen mit über 1500 Teilnehmern umgesetzt.

Blended learning

Der digital classroom wird unter dem methodischen Prinzip des Blended Learning umgesetzt: Präsenzlernphasen werden funktional mit computerund webgestützten Phasen verknüpft, so dass Lernprozesse im traditionellen Klassenraum durch selbstgesteuerte bzw. virtuelle Lernphasen optimiert werden. Das digitale Klassenzimmer wird hier als ein Hybrid realisiert, der sich einerseits aus traditionellem Klassenraum mit Präsenzphasen und face-to-face-Interaktion, und andererseits dem virtuellen Raum der Moodle-Plattform mit Interaktion und Kollaboration über Kursgrenzen hinweg zusammensetzt. Ähnlich dem brick-and-mortar-Klassenraum muss aber auch diese hybride Variante – und das mag zunächst trivialerscheinen – von Lernenden, die in ihm lernen, kommunizieren und kollaborieren, belebt werden. Dies geschieht im Rahmen von sinnvollen, authentischen und herausfordernden Aufgabenformaten, für die dieselben Gütekriterien wie für Aufgaben aus analogen Lernkontexten gelten.

Lernplattformen wie Moodle bieten hier einen dreifachen Mehrwert für das schulische Lernen:

  • als Distributionsmedium ermöglichen sie das Verteilen und Bereitstellen von Lehrmaterialien (Arbeitsblätter und Erklärvideos, Links zu vertiefenden Inhalten, Austausch von lernergenerierten Texten, Bildern, Videos)
  • als Informations- und Organisationsmedium unterstützen sie die Klassenführung (Kalenderfunktion, Bewerten von Lernertexten, Gruppeneinteilung, öffentliche oder private Gruppenforen, kooperative Bearbeitung von Wikis)
  • als Kommunikationsmedium erleichtern sie die Informationsvergabe zwischen Lehrperson und Lernenden, zwischen Lernenden eines Kurses, vor allem aber auch die Kontaktaufnahme und Interaktion zwischen Projektteilnehmenden an verschiedenen Lernorten.

Die hier genutzte Moodle-Plattform (Kasten) zeigt modellhaft, wie man das kommunikative und kollaborative Potenzial digitaler Lernplattformen im Englischunterricht sinnvoll ausschöpfen kann. Die Auswahl und Zusammenstellung aktueller Materialien und interaktiver Quellen ist motivierend. Das Projektcurriculum bettet diese Materialien in schlüssige und interdependente Aufgaben ein, die den Gütekriterien kommunikativen Englischunterrichts genügen. Die Projektaufgaben fördern die zielgerichtete Recherche der Lernenden nach fachlich relevanten Texten und Inhalten ebenso wie die Zusammenarbeit über Kursgrenzen hinweg durch Forumsdiskussionen und das kollaborative Erstellen und Austauschen von Lernprodukten. Überdies bietet der Projektkontext einen konkreten Anlass zur Arbeit im virtuellen Raum sowie eine authentische Online-Community, die das Lernen in und mit der Plattform erfordert. Blended learning wird hier also nicht zum Selbstzweck oder zur isolierten Schulung von Medienkompetenzen betrieben. Die Lernplattform lässt sich individualisieren im Hinblick auf Sequenzierung von Online- und Offline-Phasen, Ausmaß und Intensität der PC-Nutzung, Distributionvon Lernmaterialien sowie schulischen und außerschulischen Lernphasen.

Das Unterrichtsprojekt

Diese Unterrichtsreihe bezieht sich direkt auf den Moodle-Kurs „Going Green“ der der Plattform Teach About US (Kasten). Eine Software-Installation ist nicht notwendig, sondern lediglich die Registrierung eines passwortgeschützten Kursbereichs (e-classroom) durch die Lehrkraft sowie eine Anmeldung durch die Lernenden und Beitritt zum Kursbereich.

Einstieg

Die Lebenswelt, Vorannahmen und Gewohnheiten der Lernenden bilden den Ausgangspunkt: Ein Reflexionsfragebogen stellt u. a. Fragen zu Einstellungen gegenüber der Umwelt in beiden Ländern: Think of the U.S. / Germany and their attitudes towards the environment. Do you think there is a typical attitude? What words, ideas, or images come to your mind? Give at least 3 examples.

Ermittelt dann Assoziationen zu Fotos zu diesem Thema aus beiden Ländern, aber auch persönliche Haltungen zu umweltrelevanten Alltagsfragen, wie To what extent do you agree or disagree with the statements below? Indicateyour answers on the scale.

  • When I buy clothes, I mainly care about appearance, quality and price. The conditions under which the clothes were produced are not my responsibility.
  • In the name of securing a sustainable future we have to break the law.
  • It’s up to the individual to decide whether or not to buy and drive a SUV.

Nach dem Ausfüllen sehen die Kursteilnehmenden die Antworten ihrer Mitschüler, die so unmittelbar zur Grundlage für eine vergleichende Betrachtung und kritische Analyse werden. Aspekte wie überraschende oder gegensätzliche Antworten von Mitschülern, Trends innerhalb des Kurses oder Stereotype bezüglich ihrer Wahrnehmung zum Umgang mit Nachhaltigkeit in Deutschland und den USA werden so offengelegt und sollten im Plenum kritisch reflektiert werden.

Ökologischen Fußabdruck analysieren

Dieser erste Schritt wird vertieft, indem das Konzept des ökologischen Fußabdrucks analysiert und auf den eigenen Lebensstil angewandt wird. Den eigenen ökologischen Fußabdruck berechnen die Lernenden mit dem footprint calculator. Ihre Ergebnisse teilen die Lernenden in einem Forum und reflektieren sie in der Klasse im think – pair – share-Verfahren ausgehend von unerwarteten Ergebnissen, Parallelen oder Unterschieden zwischen einzelnen Lernenden, um dann über Möglichkeiten zur Reduzierung des eigenen Werts zu diskutieren:

First answer these questions aloneand make detailed notes. Then discuss the questions in class. Comment on other people‘s results.

  • What are the most surprising outcomes and statistics?
  • Which of your expectations were / were not fulfilled?
  • Are there any similarities between your individual results?
  • Where do we begin if we want to reduce our footprints?

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Global Goals

Die Ziele für eine Nachhaltige Entwicklung – kurz Global Goals – wurden 2015 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um die Welt bis 2030 grundlegend zu verbessern. Diese 17 Ziele reagieren auf Themen wie Umweltverschmutzung, Klima oder Krieg. Dieses Heft zeigt, wie Sie mit Schülerinnen und Schüler global relevante Themen besprechen. 

Zur Ausgabe

Module bearbeiten: Plastik und Recycling

Neben der inhaltlichen Recherche analysieren die Lernenden eine lokale Fallstudie aus den USA und erforschen davon ausgehend die konkreten Auswirkungen dieses Themas auf die eigene Lebenswelt. Hier sei das Modul zu Plastik und Recycling exemplarisch beschrieben.

NGO porträtieren

In ihrer Arbeitsgruppe diskutieren die Lernenden den Hintergrund und Entstehungszusammenhang zu der Aktion „Catch of the Day“. Davon ausgehend erkunden sie die Website der Surfrider Foundation und erstellen mithilfe der dortigen Informationen ein Profil der NGO, in dem sie deren Ziele, exemplarische Kampagnen und Arbeitsschwerpunkte sowie Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger aufführen.

Meeresverschmutzung recherchieren

Um die Arbeit dieser Umweltorganisationen inhaltlich einzuordnen, recherchieren die Lernenden anschließend die marine Plastikverschmutzung in den USA mittels Erklärvideos wie der Mockumentary The Majestic PlasticBag, Webseiten und Infografiken. Erneut gehen sie arbeitsteilig vor, um verschiedene Aspekte der Plastikverschmutzung online zu recherchieren und mit ihren Mitschülern in Form eines Plakats im Plenum zu teilen. Das kann entweder analog im Klassenraum mit Fotos und gedruckten Texten geschehen oder digital als Popplet mit gesammelten Fotos, Videos und weiterführenden Links.

Bauchinhalt eines toten Albatroskükens. Foto: Christ Jordan/Wikimedia

Verschmutzung des eigenen Umfelds erheben

In der ersten Zielaufgabe, der „Eco- Challenge“, nehmen die Lernenden nun ihren eigenen lokalen und kulturellen Kontext unter die Lupe, indem sie analysieren, wie sich die Plastikverschmutzung auf ihre unmittelbare Umwelt auswirkt, d. h. sie identifizieren und recherchieren lokale Phänomene und Herausforderungen (Worksheet). Dazu können sie beispielsweise

  • im (Selbst-)Versuch für eine Woche auf ein bestimmtes Produkt verzichten und Alternativen nutzen
  • eine Umfrage unter Familienangehörigen, im Freundeskreis, in der Schule, im Sportverein oder im Supermarkt mit Kunden durchführen
  • Experteninterviews führen mit dem lokalen Recyclingunternehmen, lokal agierenden Umweltgruppen, Einzelhändlern oder Wissenschaftlern.

Diese lokalen Erhebungen dokumentieren die Lernenden sorgfältig, wobei die Form auch von der Art der Erhebung abhängt. Denkbar sind schriftliche Berichte, Blogeinträge, Video- oder Fototagebücher, Multimediapräsentationen oder Plakate. Die dokumentierten Ergebnisse werden zunächst auf Moodle in eine Datenbank hochgeladen und anderen Lernenden zur Verfügung gestellt. Anschließend stellen die Gruppen in Kurzvorträgen (im Plenum, als Gruppenpuzzle oder als gallery walk) den Mitschülern ihre Ergebnisse vor. Die Aufgabe kann so erweitert werden, dass Lernende neben der eigenen Eco-Challenge auch die einer anderenProjektgruppe präsentieren und so Vergleiche zwischen verschiedenen lokalen Kontexten ziehen.

Tandemaufgabe

Diese Eco-Challenge eignet sich besonders als Tandemaufgabe, um also von zwei Lerngruppen an verschiedenen Standorten parallel bearbeitet zu werden. Beide Gruppen müssten in dann ihr Vorgehen gemeinsam planen und abstimmen, Ergebnisse dokumentieren und austauschen. Konkret können Lernende transatlantische Teams bilden, z. B. indem je drei deutsche und drei U.S.-Schüler ihre Eco-Challenge unter derselben Fragestellung bearbeiten (z. B. How much and what types of trash can we find in our local town square? What does our school administration do to reduceplastic waste? What habits and attitudes regarding the use of plastic shopping bags do customers have at a local grocery store?).

Als Einstieg posten die Lernenden beider Kurse, zu welchem Thema sie forschen möchten, um so geeignete Partner finden. Diese Partnerfindung kann in eine gegenseitige Befragung der Lernenden in Deutschland und den USA zu ihrer Wahrnehmung der behandelten Thematik in ihrer unmittelbaren Umgebung münden. Aus dieser Befragung können sie erste Hypothesen über mögliche Forschungsergebnisse in ihrem lokalen Kontext formulieren. Nachdem die Lernenden ihre Fragestellung in der Gruppe bestimmt und ihr Vorgehen zur Erhebung geplant haben, führen sie diese Aufgabe jeweils vor Ort durch und dokumentieren ihre Ergebnisse. Diese vergleichen sie dann kritisch via Forumsdiskussion oder Skype, um am Ende ihre Ergebnisse gemeinsam zu präsentieren (ein gemeinsames Video, Poster, eine Collage oder Broschüre).

Das Prinzip des globalen Lernens wird deutlich, wenn z. B. Lernende auf beiden Seiten des Atlantiks die gleiche Problematik erkunden und feststellen, dass offensichtliche Parallelen zwischen beiden Ländern bestehen, gleichzeitig aber die Erscheinungsformen lokale Spezifika aufweisen. Solch ein interkultureller Online-Austausch fördert neben kommunikativen und interkulturellen Kompetenzen auch Medienkompetenzen und electronic literacies und kann dazu dienen, (künftige) Auslandsaufenthalte oder die Teilnahme an Austauschprogrammen zu fördern.

Reflexion

Zur abschließenden Reflexion sowie zur Bewusstmachung des Lernerfolgs können die eingangs im Fragebogen dokumentierten Annahmen und Stereotype kritisch diskutiert werden (Welche Annahmen haben sich bestätigt? Welche Stereotype können möglicherweise revidiert werden und warum? Welche Fragen bleiben offen?). Schließlich kann diese Unterrichtseinheit erweitert werden, indem der Kurs sich am GoingGreen- Schülerwettbewerb beteiligt. Teilnehmende Kurse nutzen dabei ihre Ergebnisse aus der oben skizzierten Unterrichtsreihe, um eigene Nachhaltigkeitsprojekte als Antwort auf die in der Eco-Challenge ausgemachten lokalen Problemfelder zu gestalten.

Worksheet Download: Eco-Challange