Biologie: Blumenstreifen am Ackerrand

Biodiversität: Bedeutung von Saumbiotopen erkennen

Durch moderne landwirtschaftliche Methoden sind unerwünschte Wildkräuter und andere Blütenpflanzen auf Ackerflächen und an Feldrändern weitgehend verschwunden. Doch gerade hier bieten Blumenstreifen große Vorteile – nicht nur für die Biodiversität, auch für die Landwirtschaft.

Blumenstreifen am Ackerrand leisten einen großen Beitrag zur Erhaltung von Biodiversität Foto: Sandra Mann/Hochschule Anhalt

Ackerränder für den Naturschutz nutzen! Diese Idee besteht schon lange. In den letzten Jahren sieht man allerdings dank zahlreicher Ackerrandstreifen- bzw. Blühstreifenprogramme immer mehr Ackerränder, die durch ihren Blütenreichtum ins Auge fallen. Ihre Förderung in intensiv genutzten Ackerbaugebieten wird begründet mit

  1. dem Schutz von Fauna und Flora,
  2. dem Schutz von Böden und Gewässern und
  3. der Verbesserung des Landschaftsbildes und des Erholungswertes der Landschaft.

Blühstreifen an Ackerrändern ernähren nicht nur blütenbesuchende Insekten, sondern auch samenfressende Vögel, z. B. Distelfinken oder Kohlmeisen. Viele Tiere wie Insekten, Vögel, verschiedene Kleinsäuger, Feldhasen oder Rehe finden hier Rückzugsmöglichkeiten, Bodenbrüter wie Feldlerche, Kiebitz und Rebhuhn auch Nistplätze. Je größer die Artenvielfalt ist, desto länger hält das Blütenangebot für die Bestäuber an. Die Bedeutung der Biodiversität ist nicht zu unterschätzen. Werden die Ackerränder weniger abgemäht und auf den Einsatz von Herbiziden verzichtet, liefern mehr Fruchtstände auch noch im Herbst und Winter ein Nahrungsangebot für Vögel und Kleinsäuger sowie Überwinterungsplätze für Insekten. Der große Nutzen von Blumenstreifen für den Erhalt von Hummelpopulationen in Agrarlandschaften konnte Carvell nachweisen. In einer sehr gründlichen Arbeit, die auf Feldstudien, Habitatmanipulationen und genetischen Untersuchungen beruht, konnte gezeigt werden, dass von einem Hummelvolk umso mehr Königinnen bis zum nächsten Frühjahr überleben, je größer die Futterquellendichte innerhalb eines Umkreises von 1000m um das Mutternest ist.

Der Verzicht auf Pestizide in diesen Randstreifen schafft einen Schonraum und garantiert für alle Tiere des Nahrungsnetzes ein verträgliches Angebot. Durch die Vernetzung von Blühstreifen kommt es zu Biotopverbindungen und dem Abbau von Ausbreitungsschranken. So können seltene Pflanzenarten - vor allem Ackerwildkräuter - wieder angesiedelt, gefördert und verbreitet werden.

Ein großes Problem stellen Bodenerosionen durch Wind und Wasser dar, gerade für großflächige unstrukturierte Äcker, die mehrere Monate brach liegen. Dieses Problem kann durch die Anlage von Blühstreifen zumindest verringert werden. Besonders in Hanglagen kann auch der schnelle Abfluss von Oberflächenwasser verzögert werden, was nicht nur die Erosion, sondern auch die Überschwemmungsgefahr mindert. Randstreifenprogramm, die auch die Förderung von Feldhecken einbeziehen, sind besonders wirkungsvoll. Schließlich wird der ästhetische Wert einer Agrarlandschaft und damit ihr Wert als Erholungsraum durch Blühstreifen erheblich verbessert.

Die Bedeutung von Biodiversität: Erhalt und Verbesserung

Noch vorhandene artenreiche Ackerrandstreifen müssen besonders geschützt und gepflegt werden. Auf mageren Standorten reicht es, wenn die Säume alle zwei bis drei Jahre im Spätsommer einmal gemäht oder beweidet werden. Dies sollte alternierend auf relativ kurzen Abschnitten geschehen, um Überwinterungsquartiere für Insekten und Früchte bzw. Samen als Vogelnahrung und Vermehrungspotenzial zu erhalten.

Auf nährmineralreicheren Standorten sollten wuchskräftigere Arten wie Knaulgras, Wiesen-Kerbel und Brennnessel durch einen Schnitt im Frühsommer zurückgedrängt werden, um im Sommer ein vielfältiges Blütenangebot zu sichern. Eine Mindestbreite von 3 bis 4m garantiert, dass nur wenig Düngemittel und Pestizide von den angrenzenden bewirtschafteten Flächen eingetragen werden. Das Mähgut von artenreichen Säumen kann direkt für die Neuanlage oder Aufwertung von anderen Ackerrandstreifen genutzt werden.


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Saumbiotope – Grenzen und Übergänge

Treffen zwei Lebensräume aufeinander, entsteht im Übergangsbereich ein schmaler Vegetationsgürtel mit einer hohen Artenvielfalt. Diese Saumbiotope übernehmen wichtige ökologische Funktionen. Beim Erkunden eines solchen Ökotons wird die Artenkenntnis der SchülerInnen gefördert. Sie wenden Methoden aus der Ökologie an und erschließen sich Nahrungsbeziehungen.

Zur Ausgabe

Neuanlage für Artenvielfalt

In einer ausgeräumten Agrarlandschaft ist eine spontane Regeneration sehr langwierig, selbst wenn man durch Pflügen offene Bodenflächen schafft. Die für artenreiche Säume charakteristischen Arten sind in der Samenbank des Bodens kaum noch vorhanden und auch in der weiteren Umgebung selten oder nicht mehr zu finden. Will man relativ schnell einen Blühstreifen etablieren, ist deshalb eine Einsaat notwendig.

Dabei kann man zwischen einjährigen Einsaaten, die jedes Jahr erneuert werden müssen, mehrjährigen Pflanzen und Strauchbepflanzung unterscheiden. Außerdem werden sehr unterschiedliche Saatgut- bzw. Pflanzenmischungen genutzt. Häufig kommen kurzlebige Kulturarten und Zuchtsorten (z. B. Buchweizen, Öl- Rettich, Bart-Nelke), z. T. sogar problematische Neophyten (Lupine, Orientalische Zackenschote, Drüsiges Springkraut) zum Einsatz. Sie bilden zwar im ersten Jahr viele Blüten, aber schon im zweiten und dritten Jahr fallen die meisten dieser Arten wieder aus, da sie von konkurrierenden Ruderalarten und Gräsern verdrängt werden. Manche Neophyten können auch dauerhaft dominieren und in die Umgebung einwandern. Am besten sind Saatmischungen mehrjähriger, an den speziellen Kulturraum angepasster, einheimischer Arten. Allerdings ist das entsprechende Saatgut auch am teuersten und die Pflege und Erhaltung relativ aufwendig. Das wird teilweise dadurch ausgeglichen, dass von diesem Saatgut mit 1–3 g/m2 nur etwa 1/3 der Menge des handelsüblichen, nicht regionalen Saatguts benötigt wird.

Für die Artenauswahl sind Bodeneigenschaften, Feuchtebedingungen und Lichtgenuss entscheidend. Bei nährmineralreichen Standorten muss darauf geachtet werden, dass die ausgewählten Arten relativ wuchskräftig sind, damit sie sich gegenüber Brennnesseln, Beifuß, Quecken, Knaulgras und anderen Ruderalarten durchsetzen können. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sind ab 2020 für Ansaaten im Außenbereich – also außerhalb landwirtschaftlich genutzter Flächen – nur noch Saaten aus gebietseigenen Herkünften zu verwenden. Eine möglichst artenreiche Samenmischung sichert den Erfolg, wenn äußere Bedingungen zum Ausfall einiger Arten führen oder inhomogene Standortbedingungen unterschiedliche Keimungserfolge bedingen. Schließlich sorgt die Artenvielfalt für ein lang anhaltendes Blütenangebot.

Ziele
  • begründen, warum Blumenstreifen an Ackerrändern und zwischen Feldern dem Naturschutz und Bodenschutz dienen
  • verschiedene Blühstreifen unterscheiden und ihre ökologische Bedeutung bewerten
  • ökologische und ökonomische Interessen erkennen und in Beziehung setzen

Biologiedidaktische Bezüge

Dank Förderprogrammen und wissenschaftlich untermauerten Modellprojekten sieht man in den letzten Jahren immer mehr blühende Ackersäume und blumenreiche Straßenränder. Der Unterricht soll hierzu Hintergrundinformationen liefern und das Verständnis für ökologische Zusammenhänge fördern. So werden die Lernenden in die Lage versetzt, die Qualität von Saumbiotopen zu bewerten und den Wert von Pflegemaßnahmen zu beurteilen.

Massenkarambolage auf der A 19

1. Unterrichtsabschnitt Der Bericht einer spektakulären Massenkarambolage auf der A 19 erschütterte die Menschen. Ein Sandsturm behinderte die Sicht und so rasten etwa 60 Autos ineinander.

Mithilfe eines Berichts über den Unfall wird ein Zusammenhang zwischen der Unfallursache „Sandsturm“ und den riesigen Ackerflächen hergestellt, die im April noch frei von Bewuchs sind und deren Böden deshalb vor Winderosion ungeschützt sind. Dabei kann ein Blick mit Google Earth auf die Umgebung der Unfallstelle helfen. Die SchülerInnen überlegen, wie sich die Gefahr für solche Sandstürme verringern ließe (eventuell mit Mind Map oder Concept Map).
Dies sind mögliche Aufgabenstellungen:

  1. Suche mithilfe von Google-Earth die A 19 bei Kavelstorf südl. von Rostock. Erläutere die Zusammenhänge zwischen Landbewirtschaftung und der Unfallursache „Sandsturm“.
  2. Erkläre, welche nachteiligen Folgen Sandstürme dieser Art für die landwirtschaftlichen Flächen selbst haben.
  3. Mache Vorschläge für Maßnahmen, die die Sandsturmgefahr in der Umgebung von Kavelsdorf verringern könnten.

Blühende Ackerränder

2. Unterrichtsabschnitt Eine Exkursion oder Fotos von verschiedenen Ackerrandstreifen dienen dazu, den SchülerInnen das Schutzprogramm vorzustellen.

Es können günstige Wirkungen auf  verschiedene Tiere erarbeitet werden (zum Beispiel Erdhummeln, Blattwanzen, Distelfinken oder Erdkröten). Hierzu muss zunächst die Lebensweise der Tiere mithilfe von Bestimmungsbüchern oder im Internet recherchiert werden. Die SchülerInnen diskutieren, inwieweit sich die größere Artenvielfalt auch günstig auf die landwirtschaftlichen Kulturen auswirken könnte (die Blühstreifen bieten Rückzugsräume für Nützlinge, wodurch Schädlingsepidemien eingedämmt und Pflanzenschutzmittel eingespart werden können).

In einem zweiten Schritt erarbeiten die SchülerInnen weitere Vorteile der Blühstreifen (Förderung von seltenen oder besonders wertvollen Pflanzenarten, Erosionsschutz, Gewässerschutz) und stellen sie eventuellen Nachteilen für die Landbewirtschaftung (erschwerter Maschineneinsatz, zusätzliche Pflegemaßnahmen, Kosten für Saatgut) gegenüber.

Anlage eines Blühstreifens

3. Unterrichtsabschnitt Zum Abschluss der Unterrichtseinheit entwerfen die SchülerInnen einen konkreten Vorschlag zur Anlage eines Blühstreifens für einen Acker, der in der Umgebung der Schule liegt, oder für andere mögliche Saumbiotope im Schulumfeld.. Die Lehrperson weist darauf hin, dass für eine gute Auswahl neben ästhetischen Gesichtspunkten auch eine lang anhaltende Blühperiode des gesamten Blumenstreifens beachtet werden muss.