Ein Unterrichtsbeispiel ab Jahrgang 7

Konsum-Hit bei Jugendlichen: Fastfood

Dass Schüler Fastfood mögen, ist kein Geheimnis. Wie Sie den Konsumhit Fastfood in ein Unterrichtskonzept zur gesunden Ernährung verwandeln, erfahren Sie im Artikel.

Frau hält einen Hot-Dog in der Hand
Dass die Produkte der Fastfood-Gastronomie von Konsumenten zunehmend bevorzugt werden, ist am stürmisch anwachsenden Fastfood-Markt abzulesen. Foto: The Lazy Artist Gallery / pexels.com

Fast Food, auf Deutsch „schnelles Essen“ ist bei Jugendlichen sehr beliebt. Das lockere, gesellige Essen ohne viel Zeitaufwand und Tischmanieren gehört zu ihrem Freizeitvergnügen. Ob Burger, Currywurst, Pommes frites, Pizza oder Döner und Co. – Kennzeichen der Fast-Food-Speisen sind:

  • einfach
  • nicht teuer
  • an Imbissständen oder Burger-Restaurants schnell zubereitet
  • zum Mitnehmen verpackt
  • aus der Hand zu essen.

Auch Softdrinks, gesüßte Erfischungsgetränke wie Cola, Limonade oder Milchshakes, gehören dazu.

Auswahl der Thematik

Das Unterrichtsbeispiel „Konsum-Hit bei Jugendlichen: Fast Food“ ist im Fach Wirtschaft in der Klasse 8/HS und 9/RS dem Themenfeld „Verbraucher und Erwerbstätige im Wirtschaftsgeschehen“ mit dem Schwerpunkt „Einflüsse auf das Verbraucher-Verhalten“ zuzuordnen.

Laut Kerncurriculum Wirtschaft Niedersachsen sollen die Schüler im Kompetenzbereich Erkenntnisgewinnung die Beeinflussung des Konsumenten-Verhaltens z. B. durch Werbung oder Peergroups analysieren. Dazu sollen sie einfache Befragungen/Erkundungen durchführen und auswerten. Im Kompetenzbereich Beurteilen und Bewerten sollen sie sich mit ihrem Verbraucher-Verhalten kritisch auseinandersetzen und Handlungsalternativen entwickeln.

Das Thema „Fast Food“ ist gut geeignet, um die Einflussfaktoren auf das Konsum-Verhalten Jugendlicher zu erarbeiten. Laut Statistik konsumieren 47 % der Jugendlichen im Alter von 10 –17 Jahren regelmäßig Fast Food, sodass die Schüler auf der Grundlage eigener Erfahrungen über ihr Konsum-Verhalten reflektieren und zu einem bewussten Verbraucher-Verhalten unter ernährungsphysiologischen, ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten gelangen können.

Begründung der Thematik

Konsum-Vorlieben von Jugendlichen haben einen großen Einfluss auf ihr Ernährungs- und Verbraucher-Verhalten. Dass die Produkte der Fast-Food-Gastronomie von Konsumenten zunehmend bevorzugt werden, ist am stürmisch anwachsenden Fast-Food-Markt abzulesen. Die Nachfrage von jungen Kunden unter 18 Jahren richtet sich dabei schwerpunktmäßig auf die Hamburger Restaurants. Der Besuch wird von ihnen als willkommene Abwechslung zum Heimverzehr geschätzt, als beliebter Treff mit Freunden und Höhepunkt nach dem nachmittäglichen Einkaufsbummel oder Kinobesuch. Preisgünstigkeit und Qualität rangieren für junge Verbraucher erst nach der Schnelligkeit, mit der man das Essen bekommt und nach den kommunikativen Qualitäten des Hamburger Restaurants als Sozialraum. Nicht zuletzt diese Präferenzen von Jugendlichen machten McDonalds zum Marktführer der Fast-Food-Branche.

Dagegen erklärt sich die Attraktivität des Imbissstandes für Jugendliche gerade durch das Fehlen eines geschlossenen Konsumraumes, wodurch eine unkonventionelle Mobilität gefördert wird, weiterhin durch die Freiheit vom Konsumzwang und durch den Verzicht auf lästige Essensrituale (Einhand-Essen).

Während der gelegentliche Verzehr von Fast-Food-Produkten den Gesundheitszustand der Konsumenten kaum beeinflussen dürfte, entstehen bei einer vorwiegenden Ernährung von Hamburgern, Pommes Frites, Cola-Getränken und Süßigkeiten nachgewiesenermaßen Gesundheitsschäden. Die genannten Produkte können einerseits den Bedarf von Jugendlichen an:

  • Mineralstoffen,
  • Vitaminen
  • und Ballaststoffen nicht decken, die zu einer ausgewogenen Ernährung gehören.

Andererseits enthalten sie ein Überangebot an:

  • Fett,
  • Zucker
  • und Kochsalz.

Das vorliegende Unterrichtsbeispiel soll den Schülern diese Problematik bewusst machen. Fast Food gänzlich abzulehnen würde es wahrscheinlich für Kinder und Jugendliche nur noch verlockender machen. Fast Food aber sinnvoll und schmackhaft mit wertvollen Komponenten wie Vollkorn, frischem Obst und Gemüse und fettarmen Milchprodukten zu kombinieren und zu ergänzen, das soll mit den Schülern anhand der Unterrichtsmaterialien handlungsorientiert erarbeitet werden.

Fachliche Hinweise

Anbieter

Anbieter von Fast Food sind sowohl multinationale Konzerne als auch kleinere Ketten und Familienbetriebe bzw. selbstständige Einzelpersonen. Auch beteiligen sich weitere Branchen wie Bäckereien, Fleischereien sowie Fischgeschäfte am Markt. Fast Food wird an Theken- oder im Straßenverkauf, Schnellrestaurants oder teilweise per Lieferservice angeboten. Bei vielen Schnellrestaurantketten und regionalen Anbietern findet die Nahrungszubereitung unter hohem Rationalisierungsgrad meist in Friteusen, Mikrowellen oder durch Grillen statt. Ausgangsprodukte sind oft Fertignahrung oder Zubereitung aus Halbfertigprodukten sowie Kühl- oder Tiefkühlware, wobei häufig Zutaten wie Weizenmehl, Zucker oder gehärtete Pflanzenfette zum Einsatz kommen. Als Verpackung wird meist Wegwerfgeschirr verwendet, um den Verkauf außer Haus zu ermöglichen und bei Verzehr im Haus den Abwasch einzusparen.

Die Zubereitung von Fast Food erfordert keine hohe Qualifikation, dementsprechend ist das Lohnniveau niedrig („Mc-Jobs“). In der Systemgastronomie wird zudem sehr arbeitsteilig gearbeitet. Die Auswahl ist sowohl bei großen Ketten als auch bei kleinen unabhängigen Anbietern in der Regel auf wenige Produkte reduziert und standardisiert. Der Kunde kann oft nur anhand von Abbildungen nach Portionsgröße wählen und variieren.

Der Markt für „schnelles Essen“ ist umkämpft. Besonders große Ketten versuchen mit Marketingkampagnen Umsätze zu steigern und vor allem junge Menschen zu umwerben. Häufig findet bei Pizzerien und regionalen Fast-Food-Anbietern Postwurfsendungen für Lieferservices statt.

Geschichte

Der Begriff „fast food“ entstand in den 1950er-Jahren in den USA. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam Fast Food auch nach Europa und ist heute in der ganzen Welt verbreitet. Vor allem in den Anfangszeiten galt Fast Food in Deutschland als Verkörperung des American Way oft Life. Ursprünglich waren es in Amerika die „Hamburger“, die als typisches Fast-Food-Menü angesehen wurden, weil man sie auch im Gehen verzehren kann.

Schon seit langer Zeit gibt es auf Bahnhöfen und Märkten, in Häfen und am Wege Garküchen und Wurststände, die den Hungrigen und Durstigen Speis und Trank zum Mitnehmen verkaufen. Zur Verbreitung von Fastfood haben auch geänderte Einkaufsgewohnheiten beigetragen. In modernen Einkaufszentren gibt es fast immer neben den Kaufhäusern und Fachgeschäften auch einige Fast-Food- Anbieter, sodass nebenbei ein Snack eingenommen werden kann.


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Gesunde Ernährung

Unsere Jugendlichen ernähren sich zu fett, zu süß und essen zu wenig Obst und Gemüse – das hat eine Studie ergeben. Hamburger und Energydrinks zu konsumieren, ist einfach "in". Es ist ausgesprochen schwierig, hier eine Verhaltensänderung herbeizuführen und eine nachhaltige, gesunde Ernährungsweise zu bewirken. Im Heft werden daher motivierende methodische Varianten des "alten" Themas vorgestellt und Inhalte aus dem (Ernährungs-)Alltag der Jugendlichen aufgegriffen.

Zur Ausgabe

Umweltbelastung

Umweltschutzorganisationen kritisieren, dass die fertigen Produkte lange Transportwege zurücklegen und somit viel Energie verbraucht wird. Einwegverpackungen verursachen viel Müll (Ess und hopp) und die Tiefkühlwaren einen hohen Energieverbrauch. Der hohe Anteil tierischer Produkte benötigt aufgrund der extensiven Weidehaltung große Flächen. Der in diesem Zusammenhang erhobene Vorwurf, für Rinderweiden großer Fast-Food-Ketten werde in Brasilien Regenwald abgeholzt, machte besonders McDonalds in den 1980er-Jahren zum Angriffspunkt von Umweltschützern.

Gesundheitsrisiken

Fast-Food-Produkte weisen oft einen hohen Fettanteil auf und sind stark salzig oder süß, was deren Geschmack verstärkt und die Speisen besonders attraktiv erscheinen lässt. In Imbissbuden werden die Speisen oft zum Aufwärmen frittiert, wodurch die Produkte zusätzlich kalorienreicher werden.

Ernährungsphysiologen bemängeln an der Fast-Food-Esskultur, dass Nahrung nicht in Ruhe und langsam aufgenommen wird. Besonders wichtig für die Verdauung ist die Anreicherung mit Speichel, was durch häufiges Kauen erreicht wird. Schnelles Essen ist zudem nicht gesundheitsförderlich, da man leicht zu viel isst und die Verdauung belastet, da die Produkte oft aufgrund des geringen Ballaststoff gehaltes nicht sofort sättigend wirken.

Aufgrund des meist hohen, quantitativen Nährwertes in Verbindung mit schneller Nahrungsaufnahme kann häufiger Fast-Food-Konsum die Ursache für gesundheitliche Defizite sein z. B.:

  • Übergewicht
  • Allergien durch Nahrungsmittelzusätze wie Konservierungsmittel
  • Diabetes Typ 2
  • akuter Vitamin B1 (Thiamin-)Mangel, dessen Symptome Müdigkeit, depressive Stimmung, Aggressivität und Konzentrationsschwäche sind.

Das im Hamburger verarbeitete Softbrötchen ist eines der typischen Getreideprodukte aus niedrig ausgemahlenem Weizenmehl (Type 405), deren Gehalt an B-Vitaminen und Ballaststoffen gering ist, weil die äußeren Schichten des Getreidekorns nicht mit ausgemahlen werden. Auf die Verwendung dieses Softbrötchens lässt sich die Kritik am Hamburger zuspitzen, der für sich genommen eine eiweißbetonte, keineswegs zu energiereiche Zwischenmahlzeit darstellt. Allerdings erhöht die Kombination mit anderen Imbissprodukten den Energiegehalt der Zwischenmahlzeit weit über den Energiebedarf hinaus, z. B. wenn eine Portion Pommes frites und eine Coca Cola dazukommen.

Ein hoher Anteil von Fastfood am gesamten Nahrungskonsum wird durch die Verkaufsstrategie der meisten großen Anbieter unterstützt: große Schnellrestaurantketten bieten stark rabattierte Riesenportionen an, die zu hoher Kalorienaufnahme durch eine einzige Mahlzeit führen. Viele Konsumenten lassen sich durch die günstigen Preise verleiten, mehr zu bestellen, als sie eigentlich wollen.

Erkenntnisleitende Interessen

Ausgehend von vier Situationsbeschreibungen von Imbissmahlzeiten im Hamburger-Restaurant, an der Imbissbude oder durch den Pizza-Service können von der Lerngruppe Ernährungspräferenzen und Konsummotive ermittelt werden (M 1). Die Diskussion, die in der Presseöff entlichkeit über Fastfood geführt wird, bringt Fragen nach der Qualität ins Blickfeld. Diese können nicht beantwortet werden ohne die Vermittlung elementarer Kenntnisse über den Energie- und Nährstoffgehalt verschiedener Fastfood-Produkte und Vergleich mit den Richtwerten für Zwischenmahlzeiten und Mittagessen.

Da es nicht überall Hamburger-Restaurants gibt, wird für die Ermittlung des Angebotes die Internetrecherche von als Methode vorgeschlagen. Demgegenüber wird bei den Imbissbuden die Methode der Erkundung empfohlen, weil diese meist in jedem Ort vorzufinden sind und die Schüler ihre Vorerfahrungen ergänzen und systematisieren können (M 2 u. M 3).

Wenn es die schulischen Gegebenheiten ermöglichen, sollte sich für die Entwicklung von Handlungsalternativen ein werkstattgebundener Unterricht anschließen, in dem die Schüler ein fast-cooking veranstalten, Ideen für ausgewogene Zwischenmahlzeiten entwickeln und belegte Brote nach dem Motto: „Brot + Belag + Frische“ selber herstellen bzw. an einer „Sandwichbar“ sich ihre Fastfood- Zwischenmahlzeit schnell und frisch individuell zubereiten (M 5 u. M6). So eine Sandwichbar nach dem Motto „gesund und lecker“ kann auch als Verkaufsprojekt an der Schule geplant und durchgeführt werden.