Immer mehr Brutplätze gehen verloren

Nistkästen für Mauersegler entwickeln und bauen

Mauersegler brüten natürlicherweise in Gebäudenischen. Diese finden sie in hohen, alten Gebäuden oder Industrieanlagen. Der Abriss oder die Sanierung dieser Gebäude macht es dem Mauersegler quasi unmöglich einen Nistplatz zu finden. Mit diesem Nistkasten-Projekt wirken Sie dem Trend entgegen und erhalten einen wichtigen Brutplatz!

Foto: Jürgen Howaldt

Wenn in der Schule die Lebensweise von Vögeln besprochen wird, arbeitet man in der Regel heraus, dass diese überwiegend in Nestern brüten. Nur selten wird die Gelegenheit genutzt, darauf einzugehen, dass die Nester der verschiedenen Vogelarten sowohl in Bau als auch in Lage und Anordnung unterschiedlich sind. Die Lage der Nester sowie deren Aufbau stellt eine Anpassung an die jeweilige Lebensweise der Vögel dar. 

Mauersegler in Städten 

Mauersegler sind Vögel, die auch im Ökosystem „Stadt“ eine Rolle spielen. In freier Wildbahn sind sie Felsen- und zu geringem Prozentsatz auch Baumbrüter, die in Kolonien leben. Durch den Rückgang natürlicher Brutmöglichkeiten brüten Mauersegler auch in höheren Gebäuden der
Städte und Siedlungen. Die Schülerinnen und Schülern können den Vögeln also auch im Alltag begegnen. Daher bieten sich die Mauersegler für eine intensive Betrachtung an. Durch moderne Bauweisen, die durch Dämmung auf maximale Energieeffizienz setzen, gehen die Brutmöglichkeiten für Mauersegler in Gebäuden immer weiter zurück, da es zunehmend weniger Spalten und Hohlräume gibt, die als Ort für den Nestbau dienen könnten. Um diesem Trend entgegenzuwirken und den Bestand an Mauerseglern stabil zu halten, bietet es sich an, spezielle Nistkästen für Mauersegler an Gebäuden anzubringen oder diese bei einer Sanierung direkt zu integrieren. Damit die Nistkästen auch von Mauerseglern angenommen werden, müssen sie bestimmte Kriterien erfüllen:

  1. Sie müssen in höheren Regionen, möglichst unter einem Überstand, angebracht werden.
  2. Sie müssen längliche, waagerechte Einfluglöcher aufweisen.
  3. Es müssen mehrere Nistmöglichkeiten nebeneinander angebracht werden.

Alle drei Kriterien ergeben sich direkt aus der Lebensweise der Mauersegler und lassen sich in der Klasse gut erarbeiten.

Mauersegler fliegen nur da an, wo es Einflugmöglichkeiten von unten oder von vorn gibt.
Mauersegler fliegen nur da an, wo es Einflugmöglichkeiten von unten oder von vorn gibt. Fotos: P. Hoppe
Die Klasse hat Nistkästen mit je drei Nisthöhlen für Mauersegler gebaut.
Die Klasse hat Nistkästen mit je drei Nisthöhlen für Mauersegler gebaut. Fotos: P. Hoppe

Den Mauersegler kennen lernen 

Als Einstieg in die Unterrichtseinheit dient ein Artikel des NABU, in dem auf die Problematik fehlender Brutmöglichkeiten für Mauersegler hingewiesen wird (s. Material)

Die Schülerinnen und Schüler sind sofort betroffen:

„Warum brütet der Mauersegler überhaupt in Gebäuden und nicht in der Natur?“
„Was ist ein Kulturfolger?“
„Warum gab es früher Nistmöglichkeiten in Gebäuden und heute nicht mehr?“

Außerdem besteht der Wunsch, dass wir dem Aufruf folgen und ebenfalls Nistmöglichkeiten für Mauersegler in unserer Umgebung – möglichst sogar in der Schule – schaffen. Um dieses Vorhaben umzusetzen, muss eine Vielzahl von Fragen geklärt und Informationen gesammelt werden. Denn die Nistmöglichkeiten sollen ja am Ende auch speziell von Mauerseglern genutzt werden. Gemeinsam wird ein Projektplan erarbeitet, der sich in zwei Phasen gliedert. In der ersten Phase sammeln wir Informationen, in der zweiten Phase bauen wir die Nistkästen und bringen sie an. Während der ersten Phase teile ich die Klasse in verschiedene Kleingruppen auf, die zu folgenden Themen informationen zusammentragen:

  • Beschreibung, Erkennungsmerkmale, Abgrenzung zu ähnlichen Vögeln
  • Nahrung und Nahrungserwerb
  • Lebensraum, Verbreitung
  • Fortpflanzung: Balz und Paarung, Gelege und Brut
  • Feinde und Parasiten
  • Verhalten: Besonderheiten
  • Mauersegler und Mensch
  • Mauersegler-Projekte in örtlichen Naturschutzorganisationen
  • Recherche möglicher Standorte von Nistkästen in der Umgebung, Kontaktaufnahme mit der NABU-Ortsgruppe 

Die Ergebnisse der Recherche werden entweder als Poster oder als Folienvortrag zusammengefasst und im Museumsvortrag präsentiert. 


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Architekturwettbewerb für den Nistkastenbau 

Die Ideen zum Bau und der Anbringung der Nistkästen entwickeln die Jugendlichen in einem Wettbewerb. Analog zu Wettbewerben von Architekten sollen die Schülerinnen und Schüler in sechs Kleingruppen ein Poster entwerfen, auf dem sowohl eine grobe Skizze zum Aufbau als auch Hinweise zur Lage, Anordnung und Anbringung der Nistkästen dargestellt werden. Die Schülergruppen arbeiten engagiert mit dem Ziel vor Augen, ein möglichst guten Nistkasten zu entwickeln. So entstehen viele verschiedene Varianten. Zur Präsentation der Ergebnisse laden wir externe Gäste ein: Die Mitglieder des Mauerseglerprojekts der NABU-Ortsgruppe Hannover küren als Fachleute den besten Vorschlag und ergänzen noch wichtige Hinweise. 

Nun steht dem Bau und der Anbringung der Nistkästen nichts mehr im Wege. Insgesamt werden fünf große Nistkästen gebaut (Info-Kasten). Jeder hat je drei Einfluglöcher für drei Nisthöhlen, die durch Holzbrettchen abgetrennt sind. Zwei davon sind inzwischen im Kirchturm in Langenhagen (in der Nähe von Hannover) angebracht. Außerdem werden drei Beton-Nistkästen gekauft, die bei der Sanierung des Schulgebäudes unter dem Dachfirst an der Ostseite angebracht wurden. 

Die Ergebnisse unseres Projekts stellen wir zusammen mit dem Hinweis auf die Lage der Nistkästen am Schulgebäude in einem Schaukasten aus.

Organisation des Unterrichts

Plant man ein konkretes Vorhaben mit Verbänden und Organisationen, wie z. B. die Installation von Nistkästen, so ist es wichtig, deutlich vor der Durchführung der Unterrichtseinheit mit den ansässigen Umweltverbänden bzw. mit den Besitzern der Gebäude, an denen die Nistkästen angebracht werden sollen, Kontakt aufzunehmen, damit die Umsetzung des Unterrichtsvorhabens dann auch in einem angemessenen zeitlichen Abstand erfolgen kann. Bei der Suche nach Gebäuden, an denen eine Anbringung von Nistkästen möglich und sinnvoll ist, helfen die regionalen Umweltverbände. 

Mögliche Argumente gegen die Anbringung von Nistkästen

  • Durch die Anbringung von Nistkästen werden die Mauern der Gebäude mit Kot verschmutzt:
    Eine Verschmutzung der Wände kann durchaus vorkommen. in der Regel hält sich diese in Grenzen und bei Regen werden die Kotreste wieder weggewaschen. Möchte man Vorsorge treffen, kann man unter dem Einflugloch ein Brett anbringen, das den Kot von der Wand fernhält.
  • Durch das Nisten der Vögel gelangen Parasiten in die Häuser:
    Mögliche Parasiten, wie z. B. Lausfliegen und Vögelläuse, können sich tatsächlich in den, sich in den Nistkästen befindlichen, Nestern ansammeln. Diese sind z. T. sehr wirtspezifisch und stellen dadurch keine Gefahr für den Menschen dar. Außerdem kann die Gefahr einer Ausbreitung noch dadurch verringert werden, dass man im Herbst die Nestreste aus dem Nistkasten vollständig entfernt und diesen gründlich reinigt. 

Einbindung 

Die Untereinheit „Mauersegler“ war ein Projekt und Teil der Unterrichtseinheit „ein Ökosystem der Region“. Im Vorfeld wurden am Beispiel „Stadtwald Eilenriede“ die Grundbegriffe zur Beschreibung eines Ökosystems und dessen Zusammenhänge erarbeitet. Diese werden mit dem Mauersegler- Projekt noch einmal gefestigt. Parallel werden dann im Projekt noch einmal konkret Kriterien für Nistmöglichkeiten erarbeitet, die sich aus der Lebensweise der Vögel ableiten lassen. 

Arbeitsblätter & Material zum Download

Alle Arbeitsblätter zu den Mauersegler-Nistkästen finden Sie hier zum Download im PDF-Format:

Download: Material zu den Mauersegler-Nistkästen