Ein fleischfreier Tag für den Klimaschutz?!

Methan-Produzent Kuh und die CO2-Äquivalente

Die Fleischproduktion stellt durch die Haltung und Zucht von Wiederkäuern eine lange unterschätzte Quelle von Methan-Emissionen dar. Vegetarismus dient also dem Klimaschutz. Sollte man deshalb einen fleischfreien „Veggiday“ an der Schule einführen? In einem Rollenspiel diskutieren Schülerinnen und Schüler diese Frage aus verschiedenen Perspektiven.

Foto: RyanMcGuire/pixabay.com

Steak, Schnitzel, Gyros und Salami – sind diese Lebensmittel Klimakiller? Wissenschaftler bejahen die Frage. Eine Reduzierung des Fleischkonsums und die damit einhergehende Verringerung des Nutzviehbestands könne die globale Erwärmung verlangsamen. 

Wiederkäuer rülpsen und setzen Methan frei

Die Landwirtschaft trägt zu etwa 13 % zur jährlichen Emission an Treibhausgasen bei. Die Quellen sind vielfältig (Abb. 2). Eine bedeutende Quelle von Treibhausgasen sind Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen, in deren Mägen durch bakterielle Symbionten große Mengen Methan (CH4) freigesetzt werden (Abb. 3, Material 3). Das im "Gärreaktor Rind" produzierte Methan gelangt durch "Rülpsen" und über den Kot in die Atmosphäre.

Abb. 2: Globale Emissionen aus der Landwirtschaft; angegeben sind CO 2-Äquivalente (nach Baumert u. a. 2005).
Abb. 2: Globale Emissionen aus der Landwirtschaft; angegeben sind CO 2-Äquivalente (nach Baumert u. a. 2005).
Abb. 3: Quellen von Methanemissionen
Abb. 3: Quellen von Methanemissionen

Was ist das CO2-Äquivalent und in welcher Relation steht es zu Methan?

Methan kann aufgrund seiner Molekülstruktur deutlich mehr Strahlungsenergie absorbieren als Kohlenstoffdioxid (CO2). Um die verschiedenen Treibhausgase untereinander vergleichen zu können, wurde eine einheitliche Bemessungsgrundlage festgelegt: das CO2-Äquivalent (CO2e; "e" steht für "equivalent"). Ein Kilo Methan (21 CO2e) trägt 21 Mal mehr zum Treibhauseffekt bei als ein Kilo CO2. 

So viel CO2e verursacht ein Rind

Wieviel Methan ein Rind freisetzt, hängt u. a. von seiner Ernährung ab. Im Mittel werden 300 g CH4/Tag/Rind angegeben. Dies sei, so der Bayerische Bauernverband wenig, stoße doch ein Elefant sogar 2.400 g CH4/Tag aus. Das sieht die Umweltschutzorganisation WWF (World Wildlife Fund) ganz anders. Sie vergleicht die 300 g CH4/Tag/Rind mit den CO2-Emissionen eines PKWs (130 g CO2 /km), die in der Öffentlichkeit als besonders klimaschädigend wahrgenommen werden. Unter Berücksichtigung der 21-fach stärkeren Klimawirkung von Methan stellt der WWF die folgende Rechnung auf: 300 g CH4/Tag/Rind entsprechen 6.900 CO2/Tag/Rind. Teilt man diesen Wert durch den CO2-Ausstoß eines PKWs pro Kilometer, entspricht die Treibhausemission eines Rindes einer PKW-Fahrleistung von über 50 km/Tag oder knapp 20.000 km/Jahr. 

Belgien führt den Veggieday ein

Diese Zahlen sprechen dafür, den Fleischkonsum aus Gründen des Klimaschutzes zu reduzieren. Zu diesem Schluss kamen auch VertreterInnen der belgischen Stadt Gent, die 2009 einen wöchentlichen «Veggiedag» («Gemüsetag») in allen öffentlichen Kantinen und Schulmensen einführten. Inzwischen gibt es in deutschen Städten ähnliche Initiativen, seit 2010 z. B. in Bremen: In Schulen, Kantinen und Kitas soll jeden Donnerstag auf Fleisch verzichtet werden (www.veggiday.de).

Donderdag – Veggiedag

Seit 2009 gibt es in Gent, der drittgrößten Stadt Belgiens, einen vegetarischen Tag, den „Veggiedag“. Städtische Kantinen, Schulküchen und die Uni-Mensen kochen donnerstags nur vegetarisch. Viele Restaurants setzen ebenfalls fleischlose Gerichte auf ihre Speisekarte. Mit dieser Kampagne wollen die Genter einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die CO2-Emissionen verringern. 

Auslöser war der indische Klimaexperten Pachauri, der 2008 in Gent über das Thema Fleischkonsum und Klima referierte, Motto: «Less meat, less heat» – weniger Fleisch, weniger Klima-Erwärmung. Denn nach Meinung vieler Wissenschaftler ist der Methanausstoß, den insbesondere Rinder, aber auch andere Wiederkäuer, bei der Verdauung produzieren, für fast ein Fünftel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Genter dachten nach und kamen zum Ergebnis: Dem Klima zuliebe ist zukünftig «Donderdag = Veggiedag», Donnerstag ist Gemüsetag. Der vegetarische Tag ruft ins Bewusstsein, dass jeder einen kleinen Beitrag leisten kann, um das Klima zu schützen. Außerdem tut der Fleischverzicht der Gesundheit gut. 

Gezwungen zum Fleischverzicht wird natürlich keiner. Gerade für an den Fleischkonsum gewöhnte Westeuropäer ist es gar nicht so einfach, einen vegetarischen Tag einzulegen. Doch die Kampagne hat Erfolg: Inzwischen essen die Genter doppelt so viele vegetarische Gerichte wie noch vor Einführung des Veggiedags. Dass der Verzicht auf Fleisch nicht zwangsweise zum Verzicht auf Geschmack führen muss, beweisen die teilnehmenden Gourmet-Restaurants. 

Inzwischen hat der Veggiedag Schule gemacht: in Belgien, Brasilien und Deutschland haben auch andere Städte einen wöchentlichen Veggiday eingeführt. 

Überlegungen zum Unterricht 

Das Thema "Klimawandel" ist heute in den Medien allgegenwärtig. Als eines der Schlüsselthemen der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (BNE) findet der "Klimawandel" zunehmend Eingang in den Unterricht, z. B. durch die Behandlung des Umgangs mit Energie im häuslichen Sektor. Erst in jüngerer Zeit wird die Nahrungsmittelproduktion in einen Zusammenhang mit dem Klimawandel gestellt. Hier gibt es bei den Schülerinnen und Schüler noch großen Informationsbedarf. 

Nachhaltige Unterrichtsthemen können neue Perspektiven ermöglichen

Laut Empfehlungen der KMK und der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) sollen Nachhaltigkeits-Themen im Unterricht den SchülerInnen u. a. einen "lebensweltlichen Bezug und eine globale Weltsicht ermöglichen», "ausreichend Handlungsmöglichkeiten für den Einzelnen und/oder die Gemeinschaft" sowie "günstige Voraussetzungen für selbstorganisiertes Lernen und Perspektivenwechsel" bieten. Diese Anforderungen werden von dem Bedürfnisfeld "Ernährung" erfüllt.


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Alltäglicher Zugang zur Klimaproblematik

Auch aus anderen Gründen stellt die Ernährung einen guten Zugang zur Klimawandelproblematik dar: Anders als beispielsweise beim Kauf eines Autos sind fast täglich Kaufentscheidungen für oder gegen bestimmte Nahrungsmittel zu treffen. Die SchülerInnen können selbst wählen oder zumindest Einfluss auf den Einkauf nehmen. Mit den Kaufalternativen – z. B. vegetarische Nahrung statt Fleisch, Geflügel statt Rindfleisch – eröffnen sich ihnen alternative Verhaltensmöglichkeiten. Zudem ist der Kauf von Nahrungsmitteln oft weit weniger dogmatisch besetzt als der Erwerb anderer Konsumgüter und kann deshalb offener diskutiert werden. Die Frage nach «klimafreundlichem Essen» kann somit ein Anlass sein, mit SchülerInnen über die Auswirkungen ihres eigenen Konsumverhaltens auf die Emissionen von Treibhausgasen ins Gespräch zu kommen. 

Nicht nur leere Floskeln

«Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg!» – diese scherzhaft formulierte Ablehnung des Vegetarismus wird von SchülerInnen oft als ernsthafter Einwand gegen eine pflanzliche Ernährung vorgebracht. In die gleiche Kategorie fällt das Argument einer «globalen Ernährungssicherheit durch Fleischproduktion». Tatsächlich verbrauchen Nutztiere weit mehr Futter, als sie Nahrung produzieren: Etwa ein Drittel der weltweiten Getreideernte wird an Nutzvieh verfüttert (Rifkin 2001) und 16 g Pflanzenproteine müssen aufgewendet werden, um 1 g Tierprotein zu produzieren. 

Rollenspiel: Veggieday auch an meiner Schule?

Ein Rollenspiel bietet den SchülerInnen im Anschluss an die Informationsphase die Möglichkeit, das Problem aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Sie können diverse Szenarien entwickeln, mögliche Folgen antizipieren und die hinter den Argumenten steckenden Werte diskutieren. Lesen Sie weiter auf Seite 2!