Interview mit einem Entwickler

Programmieren schon in der Grundschule?

Programmieren? Wie soll ich das als Normalverbraucher bloß verstehen? Grundlegende Kenntnisse am Computer lernen die Kids heute schon in der Grundschule. Mario Hjorth Volkmann, Entwickler bei Lego Education, berichtet über das passende Unterrichtsmaterial.

Mario Hjorth Volkmann, ausgebildeter Lehrer für Mathematik, NaWi-Fächer, Deutsch und Englisch, ist pädagogisch-didaktischer Konzeptentwickler bei Lego Education in Dänemark.
Mario Hjorth Volkmann, ausgebildeter Lehrer für Mathematik, NaWi-Fächer, Deutsch und Englisch, ist pädagogisch-didaktischer Konzeptentwickler bei Lego Education in Dänemark. Foto: Lego Education

Herr Volkmann, viele Schulen haben nicht mal eine richtige IT-Infrastruktur. Aber die Grundschul-Kids sollen schon das Programmieren lernen?

Mario Volkmann: Smartphones, Tablet-Computer und Computer sind ein natürlicher Teil im Alltag von Schülern. Viele der Kids beschäftigen sich bereits im Grundschulalter mit den Geräten. Deshalb ist es wichtig, den Kindern zu ermöglichen, die notwendigen Kompetenzen auch in der Schule schon frühzeitig zu entwickeln. Dies gibt auf längerer Sicht die besten Voraussetzungen, um diese Kompetenzen im späteren Berufsleben optimal anzuwenden und zu nutzen.

Das Programmieren wird von vielen Arbeitgebern zur Schlüsselkompetenz erhoben. Was macht das Programmieren so attraktiv?

Mario Volkmann: Durch das Programmieren entwickeln die Kids wichtige Kompetenzen, die sie in ihrer Zukunft brauchen werden – etwa die Fähigkeit, Situationen zu analysieren und Probleme zu lösen. Sie trainieren auf spielerische Weise ihr mathematisch-logisches Denkvermögen, das für ihre weitere Entwicklung wichtig ist – selbst, wenn sie später nicht in mathematisch-technischen Berufen arbeiten werden. Abgesehen davon hat das Lernen mit digitalen Medien oft einen hohen Aufforderungscharakter und motivierenden Effekt.

Viele Grundschullehrer sehen die zunehmende Technik-Zentrierung des MINT-/Sachunterrichts kritisch, da die Lebenswelt ohnehin schon von digitalen Medien durchdrungen ist.

Mario Volkmann: Es gibt verschiedene Lernwerkzeug, mit denen Lehrkräfte zentrale Themen und Kompetenzen vermitteln. Dabei geht es um viel mehr als nur ums Programmieren. Die Unterrichtsmaterialien können zum Beispiel die Denk-, Arbeits- und Handlungsweisen aus dem Perspektivrahmen des Sachunterrichts abdecken. Lego hat mit WeDo 2.0 ein Lernwerkzeug geschaffen, mit dem die Lehrkraft und ihre Klasse an wissenschaftlichen Projekten zu Themen aus der realen Lebenswelt arbeiten. Die Kids lernen dabei etwas über alltägliche Themen wie Zugkraft und Reibung, Geschwindigkeit, die Standfestigkeit von Gebäuden, aber auch die Metamorphose der Kaulquappe zum Frosch oder die Blütenbestäubung. Das forschende Lernen und Erwerben von Kompetenzen wie Problemlösen und Teamarbeit stehen im Fokus – das Programmieren ist ein sinnvolles Werkzeug dazu, aber kein Selbstzweck.