Wie schultauglich ist Microsoft Teams?

Twittern für die Bildung

Wie schultauglich ist Microsoft Teams? Die Zahl der bloggenden Lehrkräfte ist in den letzten Jahren langsam, aber stetig gewachsen. Ein harter Kern von mehreren Hundert Pädagog*innen, oft mit 5.000 – 10.000 Followern, bilden auf Twitter ein kollaboratives Netzwerk #twitterlehrerzimmer – informell und quer zu den offiziellen Bildungsservern und -plattformen. In der Corona-Krise wird dieses Netzwerk seinem Selbstverständnis als soziales Medium mehr als gerecht.

Homeschooling mit MS Teams

Tanja Lübbers ist Medienpädagogin und bei der IT-Firma ThinkRED angestellt. Sie berät Schulen und Schulträger zu Medienkonzepten, der Umsetzung des Digitalpaktes und zu Schulentwicklung im digitalen Zeitalter. Microsoft Teams gehört zu den digitalen Plattformen, die Schulen Unterstützung beim digitalen Unterricht ermöglichen sollen. Sie hat über ihren Twitter-Account nach Erfahrungen mit dem Tool gefragt und Antworten erhalten, von: #davidtepasse, #halbtagsblog, #herr_foertsch, #jufi_edu, #kurtsoeser, #markförster, #MrsThurner, #phwampfler und #soelmann.

Microsoft Teams 

Microsoft Teams kann über einen sogenannten A1-Plan für Lehrkräfte und Schüler/-innen kostenlos oder im Rahmen von Office 365 Lizenzen kostenpflichtig genutzt werden.

Es ist sowohl über den Browser als auch als App auf Smartphone, Tablet und PC anwendbar.

Im Fokus der Anwendung steht die Zusammenarbeit und der Austausch der „Teams-Mitglieder“. Gemeinsames Arbeiten an Dokumenten, der Austausch von Dateien – alle Office 365 Anwendungen sind integriert. Chatfunktion, Sprachanrufe, Videokonferenzen, Notizen und eine Kalenderfunktion werden in Teams vereint. Damit ermöglicht es, dass Lernende gemeinsam mit der Lehrkraft an Texten arbeiten (Word), Portfolios erstellen oder Projekte dokumentieren (OneNote), Tabellen (Excel) oder Präsentationen erstellen (PowerPoint), Videos produzieren und bearbeiten (Stream), Umfragen gestalten (Forms) und Meinungsbilder einholen (Polly) und noch vieles mehr. 

#phwampfler:

Die Schule hat ein Office 365 Setup, das primär für Outlook-Mails und sekundär für alle anderen Office-Anwendungen verwendet wird. Da war Teams ja immer schon zugänglich. In kleinen Weiterbildungen innerhalb des Kollegiums wurde gezeigt, wie sich Teams im Unterricht verwenden lässt. Und wie so oft bei Veränderungen: Einzelne Lehrkräfte haben damit begonnen und dann hat es sich Stück für Stück verbreitet. 
Im direkten Vergleich ist die Videochat-Funktion von Zoom für Schule deutlich besser geeignet. Bei Zoom habe ich im Gegensatz zu Teams die Möglichkeit, alle Schüler*innen während des Videochats zu sehen. Ich finde schade, das MS Teams das nicht anbietet. Ansonsten gibt es kaum Grenzen bei Teams. Es lässt sich alles integrieren. 
Also für das Setup und die Administration sind Wochen von Arbeit nötig. Bis die Akzeptanz im Kollegium vorhanden ist, braucht es viele Weiterbildungen und Projekte, bei denen Teams benutzt wird. Das Hauptproblem ist, dass Lehrer oft nicht so genau verstehen, was z.B. eine Cloud ist und wo deren Daten und Dokumente eigentlich sind. Zudem ist Teams bei uns in eine größere Office-Umgebung eingebunden, und daher brauchen wir drei Kollegen, die sich um die Administration und den Support, also auch alle Fragen und Nöte, kümmern. 

#herr_foertsch:

Im normalen Schulalltag nutzen wir Teams als Kommunikationsplattform und vor allem als WhatsApp-Ersatz. Das heißt, alle Fragen, die beispielsweise erst bei den Hausaufgaben auftreten, werden in den jeweiligen Klassen-Chat gepostet und können dann von Mitschüler*innen beantwortet werden, ohne dass ich mich grundsätzlich einmischen muss. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass bei uns keine Schüler*innen mehr in den Pausen vor der Lehrerzimmertür warten, denn alle Fragen an einzelne Lehrkräfte können nun per Teams geklärt werden. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass die gesamte Versorgung mit Unterrichtsmaterialien und Hausaufgaben für Kinder, die aufgrund von Krankheit nicht am Unterricht teilnehmen können, ebenfalls über Teams organisiert wird. Aber es geht noch viel mehr. Durch die Möglichkeit, viele Apps und Anwendungen direkt in Teams zu integrieren, wie beispielsweise das Tool Polly, lassen sich Meinungsboards zu Fragestellungen bilden. Das habe ich schon häufiger eingesetzt, um ein Stimmungsbild meiner Schüler*innen zu einer bestimmten Fragestellung zu bekommen.  Auch die jährlichen Klassensprecherwahlen habe ich neulich über eine Integration von MS Forms in Teams direkt organisiert. So haben wir uns sowohl die Zeit im Unterricht als auch das Zettelchenschreiben gespart.   

#jufi_edu:

Für mich und die Schule, an der ich unterrichte, ist Teams gerade eine enorme Unterstützung.  Es ist mir durch Teams möglich, alle Schüler*innen zu erreichen. Wir haben uns seit Beginn der Schulschließung alle zusammengerissen, um schnell eine flächendeckende Nutzung umzusetzen. So entstehen Synergieeffekte, da alle Lehrkräfte und Schüler*innen seit Beginn der Schulschließung sich täglich intensiv mit TEAMS auseinandersetzen und den Umgang während des Gebrauchs lernen. Ich möchte behaupten, dass die Adaption so erheblich schneller passiert, als dies ohne Schulschließung stattgefunden hätte. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass das zwangsweise asynchrone Arbeiten – es sind nie alle Schüler*innen zur selben Zeit am PC oder Handy – die Lehr- und Lernkultur zu offenen und eher schülerzentrierten Lernaufträgen wandelt. 
Ich habe sogar das Gefühl, eine verbesserte Übersicht über die Teil­habe und das Engagement einzelner Schüler*innen zu bekommen. 
Zudem kann ich per Teams viel leichter individuell „coachen“, als es beim täglichen Präsenzunterricht möglich ist. Ich muss aber ebenso zugeben, dass manche Schüler*innen überfordert sind. 
Der größte Teil der Koordination des Kollegiums und auch alle Konferenzen laufen derzeit über Teams und E-Mail. Wir treffen uns in Videochats, tauschen Dateien aus und erarbeiten gemeinsam Lernaufträge in Teams und OneNote. Dies ist möglich, da unsere Organisationsstruktur bereits vorher in Teams abgebildet und mit Outlook und SharePoint verknüpft war und wir die Kommunikation via Teams auch bereits kannten. Positiv zu vermerken ist hier ebenfalls, dass sich sogar teilweise stärkere Kooperationen innerhalb des Kollegiums zeigen als zuvor. Als die Schulschließungen kamen, mussten für alle Schüler*innen unserer Schule Accounts angelegt werden und die Schüler*innen auf die Klassen (Teams) verteilt werden. Bei uns war es so, dass ich mich ca. ein Jahr lang in die Thematik eingearbeitet habe, bevor ich das Kollegium einbezogen habe. Dazu zählt aber die Implementierung der gesamten Office 365 Struktur, sprich auch Outlook und SharePoint und nicht nur Teams. In dieser Phase habe ich mir für die technische Administration IT-Know-How angeeignet. Das Konzept zur veränderten internen Kommunikationsstruktur habe ich entwickelt, ebenso wie zugehörige Fortbildungskonzepte. Für die laufende Administration und das Pflegen der Struktur sind wir heute zu zweit und zunehmend bringen sich weitere Kolleg*innen in unser Fortbildungskonzept ein.

#soelmann:

In den ersten Tagen nach der Schulschließung haben es ca. 90 % der Schüler*innen gleich geschafft, sich Teams herunterzuladen und den Account freizuschalten. Binnen der ersten Woche konnten wir aber alle Schüler*innen einbeziehen. Da ich auch schon vor Corona viel mit Teams gearbeitet habe, unterscheidet sich mein Unterricht momentan nur unmerklich von meinem Unterricht vor den Schulschließungen. Was sich definitiv unterscheidet, ist, dass wir nun zwei feste Termine pro Woche für Videokonferenzen haben und je einen Sprechstundentermin, den die Schüler*innen bei Fragen wahrnehmen können. Zudem präsentieren wir die Ergebnisse meist live in der Videokonferenz oder erstellen Videos, die dann auch anderen Klassen der Jahrgangsstufe zur Verfügung gestellt werden. … Ich nutze die Möglichkeit, digital Feedback mittels Audiodateien zu geben, verlinke wesentliche Hilfen, sofern die Schüler*innen diese brauchen. Zumeist arbeite ich im Sprachlabor und/oder mit einem iPad-Koffer. Im Deutschunterricht sitzen wir nur noch selten im Klassenzimmer. Ich nutze Teams vor allem verknüpft mit OneNote. Dadurch arbeitet meine Klasse gerade in Deutsch fast ausschließlich digital und überwiegend selbstständig.
Viele der Kolleg*innen haben versucht, ihren Unterricht schlicht zu übertragen, was notwendigerweise zu Problemen geführt hat.  (Wochenaufgaben, die kontextlos bereitgestellt werden und ohne eigenes Feedback nur via Selbstkontrolle gelöst werden sollen; Physikunterricht, der darauf basiert, Hefteinträge abzuschreiben und anschließend Aufgaben zu lösen etc.). Das größte Learning war hier sicherlich, dass Arbeitsmotivation den Schüler*innen nicht oktroyiert werden kann. Das primäre Ziel war es daher auch, eine Sensibilität im Kollegium dafür zu schaffen, dass die Arbeits- und insbesondere Aufgabenkultur überdacht werden muss. Generell würde ich die Implementierung von Teams als langwierigen Prozess bezeichnen. 
Eine stärkere Ausrichtung von Teams auf den Kosmos „Schule“ und in Richtung Lern-Management-Software wäre wünschenswert. 

#halbtagsblog:

Für mich hat die Institution Schule sehr viel mit Kommunikation zu tun, denn die Kommunikation mit den Schüler*innen ist die wichtigste Aufgabe, die Schule hat. Wir sind dafür da, den Kindern und Jugendlichen einen Rahmen zu geben und sie zu begleiten. Häufig haben Eltern kaum ausreichende PC-Kenntnisse, um ihre Kinder im Umgang mit digitalen Medien angemessen unterstützen zu können, zum Beispiel im Umgang mit einem PDF-Dokument. Für diese Kinder ist die Kommunikation essenziell. Dafür bedarf es in Zeiten von Schulschließungen einen geeigneten Kanal und den bietet für uns Microsoft Teams.  
Da die Schule, an der ich unterrichte, sich schon seit gut 1,5 Jahren mit Digitalisierung beschäftigt, hatten wir keine großen Probleme, alle Schüler*innen über Teams zu erreichen. Wir haben schon vor einiger Zeit mehrere Jahrgangsstufen mit Surfaces ausgestattet. In diesem Zuge mussten sich Lehrkräfte und Schüler*innen mit Themen wie Dateiablage, Dateiformate, Upload und Download und natürlich dem unterrichtlichen Einsatz von Hardware beschäftigen. Die Plattform Teams nutzen wir zudem innerhalb des Kollegiums und der Verwaltung als zentrale Kommunikationsplattform. Alle Kolleg*innen wissen daher um die Vorteile der Plattform und haben die App auf ihrem Handy, Tablet oder PC installiert. Die gesamte Kollegiums-Kommunikation verläuft über Teams und nicht mehr über WhatsApp oder andere Messenger. Daher … ja, wir waren ganz gut auf die Schulschließungen vorbereitet. 
Meine Kritik an Teams bezieht sich generell auf die Administrationsoberfläche, die sich eindeutig an hauptberufliche Administratoren richtet. Für Lehrkräfte ist das Admin Center einfach unglaublich unübersichtlich und bestimmte Einstellungen sind schwer zu finden. Manche Einstellungen müssen dort per PowerShell eingegeben werden und andere wieder per Häkchen freigeschaltet werden. Auch das Einlesen der Schülerdaten, z.B. aus Schild, ist eine besondere Herausforderung. Das hat mich einiges an Nerven und Zeit gekostet und könnte definitiv besser und einfacher dargestellt werden. 
 

#davidtepasse:

Wir haben als Schule festgestellt, dass uns regelmäßige Termine sowohl im Kollegium als auch mit den Schüler*innen in der Corona-Krise guttun. Daher haben wir  z. B. von Montag bis Freitag jeden Morgen um 9:30 Uhr eine „virtuelle Kaffeepause“ etabliert, an der gut 2/3 des Kollegiums teilnimmt. Für diese Form der Kommunikation und auch die Kommunikation mit den Schüler*innen ab Klasse 7 setzen wir auf Microsoft Teams. Für die 5er und 6er haben wir das noch ein bisschen anders über unsere Lernmanagement Software gelöst. 
Um alle Lehrkräfte unserer Schule fit zu bekommen, haben sich sechs Kolleg*innen des Themas Teams angenommen, bilden sich ständig selbst fort, probieren neue Anwendungen und Apps im Zusammenspiel mit Teams in ihrem eigenen Unterricht aus und geben ihre Erfahrungen an das Kollegium weiter. Zudem haben wir gleich mehrere Funktionsstellen zu Teams etabliert, z. B. für die Ausleihe der Tablets an die Tablet-Klassen oder die Administration und Pflege des Tools im laufenden Schulalltag. Ein Problem ist, dass die App unterschiedliche Funktionen auf unterschiedlichen Endgeräten hat. Unsere Strategie ist es daher, einheitliche Geräte zur Verfügung zu stellen. Außerdem haben wir schon vor der Corona-Krise eine niederschwellige Supportstruktur etabliert und ein Support-Café gestartet. Schüler*innen aus den höheren Jahrgängen betreuen zusammen mit einem firmen Kollegen das Café und helfen bei allen Problemen mit Endgeräten oder der Software. Teams ist ein sehr mächtiges und komplexes Tool. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man es als Schule schafft, all die Onboarding-Prob­leme allein per Ferndiagnose zu lösen.  

#kurtsoeser:

Ich denke, das Schwierigste ist, Schule nicht einfach in die digitale Welt zu verlegen, sondern Schule durch die Digitalisierung neu zu denken. Und da steckt auch das meiste Entwicklungspotenzial drin. Daher muss man zwischen den technischen Hürden und den Hürden zur Einführung von Teams im Kollegium unterscheiden. Einen Transformationsprozess in Schule zu setzen braucht Zeit, so was ist nicht von heute auf morgen möglich. Aber auch die Administration war ein längerer Prozess.  
Die DNA von Teams liegt im Business Bereich, es ist kein Learningmanagement-System und wurde als solches auch nie von Microsoft konzipiert. Und darum ist zum Beispiel das immer wieder Neuanlegen von Teams für neue Fächer und neue Klassen mühselig, denn in einer Firma wird eine solche Anwendung nicht gebraucht. Zum Thema Lernmanagement wird derzeit im Hintergrund viel gearbeitet. 
Mein größter Kritikpunkt ist, dass es keine Gruppenkalenderfunktion gibt. Daran zeigt sich, dass Teams nicht für Schule entwickelt wurde.

#MrsThurner:

Ich würde mir die Integration von H5P und mehr Varianz bei der Erstellung von Umfragen und Quizzen im Zusammenspiel mit Forms wünschen. Zur Erklärung H5P ist eine freie und quelloffene Software zum Erstellen von interaktiven Inhalten für das Web. Bereits verfügbar zur Einbettung sind beispielsweise Videos oder Präsentationen mit eingebetteten Quizaufgaben verschiedenster Art, Zeitstrahlen oder ein Memory-Spiel. Zudem würde ich mir wünschen, dass ein direktes Einbinden von Videos in Teams möglich wäre und nicht nur über den Umweg, nämlich die App Stream. Ein dritter Wunsch wäre das Stellen von Aufgaben auf verschiedenen Kanälen innerhalb eines Teams.