Medienentwicklungsplan

Pädagogik sticht IT

Pädagogik und IT – diesen beiden Expertengruppen fällt der Schulterschluss oft sehr schwer. Der eine versteht etwas von Pädagogik, der andere von IT, aber nur schwer kommen die Bereiche überein. Wenn Digitalisierung in der Schule in einem sinnvollen Maß gelingen soll, ist dies aber unabdingbar.

En Lehrer erklärt seinen Schülern etwas am Tablet
Digital unterstützter Unterricht läuft nicht von selbst. Die Lehrkraft muss stets in der Lage sein, ihn zu moderieren und zielführend zu gestalten. Foto: © goodluz/stock.adobe.com

Bereits seit über 30 Jahren wird das Thema Digitalisierung in Deutschland diskutiert. Während andere Industrie- und Schwellenländer mit einer stellenweise sogar flächendeckenden Medienausstattung von Schulen begannen, wurden in Deutschland die Herausforderungen und Chancen abgewogen. Mit dem DigitalPakt Schule, der seit geraumer Zeit in Aussicht steht, hat das Thema Digitalisierung in der Schule Fahrt aufgenommen. Klar ist, dass eine Ausschüttung der geplanten Gelder aber nur dann erfolgt, wenn der Schulträger ein Medienkonzept vorlegen kann.

Für Schulen bedeutet das: Wer eine individuelle und bedarfsorientierte Ausstattung erreichen möchte – und zwar unabhängig vom DigitalPakt –, muss sich um die Erstellung eines Medienentwicklungsplanes kümmern. Idealerweise sollte ein MEP eine Zeitspanne von drei bis vier Jahren betrachten. Da sich von Jahr zu Jahr die Gegebenheiten ändern, mal mehr Gelder und mal weniger zur Verfügung stehen, Personalfluktuationen die Planung beeinflussen und weitere Faktoren die Umsetzung eines Medienentwicklungsplans prägen, muss dieser jedoch alle zwei Jahre überprüft, bearbeitet und fortgeschrieben werden. Ein MEP ist ein ausführliches Schriftstück, das

  • die medienpädagogischen Ziele und digitalen Kompetenzen definiert, die basierend auf dem Leitbild der Schule und in Zusammenarbeit aller an Schule Beteiligten definiert werden.
  • Sie sind die Basis für die Auswahl einer technischen Ausstattung, die ebenfalls im MEP festgeschrieben wird.
  • Als drittes Element in der Medienentwicklungsplanung folgt die Evaluation und Anpassung schulischer Prozesse. Diese umfassen unter anderem die Anpassung der Nutzungsordnung für Medien, ebenso wie die Einrichtung einer Medienausleihe, die Einschätzung und Umverteilung personeller Ressourcen und die Fortbildung der Lehrkräfte.
  • Der MEP schließt mit der Einschätzung der finanziellen und personellen Aufwendungen, die nötig sind, um das medienpädagogische Ziel langfristig zu erreichen.

Auch wenn im MEP die Kosteneinschätzung der letzte Punkt im Schriftstück ist, bedeutet das keineswegs, dass die Planung ungeachtet vorhandener Ressourcen im luftleeren Raum stattfinden kann. Der beste Weg, um die Medienentwicklungsplanung so realistisch wie möglich zu gestalten, ist, alle Schnittstellen an einen Tisch zu bringen. Neben einem Entscheider aus der Schulleitung, muss die pädagogische Leitung ebenso wie der IT- Beauftragte der Steuergruppe angehören. Der Schulträger und – falls vorhanden – ein Vertreter des Medienzentrums oder IT-Dienstleisters sollte ebenfalls zum Kernteam gehören. Um den MEP später in die Tat umsetzen zu können, braucht es zudem begeisterte Lehrkräfte, die das Projekt tragen und denen es erlaubt ist, ihre Ideen einzubringen.

Teil des MEP und Grundlage für ein nachhaltig gelingendes Projekt ist die Rollendefinition. Salopp gesagt, muss sowohl auf der Entscheider-Ebene als auch bei der praktisch-organisatorischen Umsetzung einer „den Hut aufhaben“. Idealerweise sollte die Lehrkraft, die die schrittweise Umsetzung des MEPs steuert nicht zeitgleich auch der oder die IT-Beauftragte sein, denn der „Projektmanager“ hat eine Vielzahl von Aufgaben. Ein oder mehrere Stellvertreter sichern das Wissen in der Schule. Im Laufe der Medienentwicklungsplanung sollte zudem eine Gruppe an Lehrkräften definiert werden, die das Medienprojekt unterstützt, sich inhaltlich einbringt, fortgebildet wird und die Schritte praktisch umsetzt.

1. Definition und Festlegung der medienpädagogischen Ziele und digitalen Kompetenzen

Zur Festlegung der medienpädagogischen Ziele und digitalen Kompetenzen empfiehlt es sich eine pädagogische wie auch technische Bestandsaufnahme zu machen. Gut funktioniert das mit einem möglichst spezifischen Abfragebogen:

  • Welche Geräte werden bereits eingesetzt?
  • Wie wird die vorhandene Technik genutzt?
  • Wie hoch ist der Prozentsatz von Lehrkräften, welche die Technik nutzen?
  • Welche Herausforderungen bestehen?
  • Welche Wünsche gibt es zum Arbeiten mit Medien?
  • Sind die grundlegenden Möglichkeiten und Methoden des Medieneinsatzes bekannt?

Ein vollständigeres Bild bietet die zusätzliche Abfrage von Erwartungen und Ideen bei Schülern und Eltern. Dann kann mit der Gruppe von Lehrkräften, die sich in die Medienentwicklungsplanung einbringen, die Erarbeitung der Ziele und Kompetenzen beginnen. Eine gute Informationsgrundlage ist das Strategiepapier „Bildung in der digitalen Welt – Strategie der Kultusministerkonferenz“ von 2016. Hier werden sechs übergeordnete digitale Kompetenzen mit einer Vielzahl korrelierender Unterpunkte festgelegt. Aufgabe der Arbeitsgruppe ist es, aus diesen Kompetenzen – mit Blick auf das Leitbild der Schule und unter Berücksichtigung der Abfrage im Kollegium – die medienpädagogischen Ziele zu definieren. Tipp: Ein Orientierungsworkshop mit professionellen Medienpädagogen erleichtert es einer heterogenen Gruppe, sich einen Überblick zu verschaffen und auf Ziele zu einigen.

2. Auswahl einer technischen Ausstattung

Sind die medienpädagogischen Ziele festgelegt, muss die übergeordnete Steuergruppe gemeinsam mit den IT-Experten im Team entscheiden, welche technische Ausstattung zu den pädagogischen Anforderungen passt. Der Trend geht zur Abschaffung von PC-Räumen und der Einrichtung von Tablet-Ausleihen und (elternfinanzierten) Tablet-Klassen. Ebenfalls ein Ausstattungsthema ist die Anschaffung von digitalen Anzeigegeräten, die die Tafel ablösen und es Lehrkraft und Schülern ermöglicht, Ergebnisse gemeinschaftlich zu diskutieren, das Tafelbild abzuändern und zu speichern. Was idealerweise vom Schulträger organisiert werden sollte, aber auch im MEP berücksichtigt werden muss, ist die LAN- und WLAN-Infrastruktur.

Im MEP wird pädagogisch die Auswahl der Geräte argumentativ untermauert. Aber auch ein Verweis auf finanzielle und personelle Ressourcen kann für die Begründung herangezogen werden. Nicht vergessen werden sollte das Thema Geräteverwaltung: Auch hier muss definiert werden, mit welchem System die Geräte verwaltet werden und von wem. Die technische Fortbildung der Verantwortlichen gehört ebenfalls in den MEP. Auch wichtig: Welche Software oder welches System gewährleistet den Jugendmedienschutz und berücksichtigt die DSGVO?

​​​​​​​3. Evaluation und Anpassung schulischer Prozesse

Die aus der medienpädagogischen Planung und Festlegung der technischen Ausstattung erfolgende Anpassung der schulinternen Prozesse gestaltet sich für jede Schule individuell. Beim Thema Jugendmedienschutz und der Erstellung von Nutzungsordnungen für Medien ist es ratsam, sich Nutzungsordnungen anderer Schulen anzuschauen und Jugendmedienschutzbeauftragte um Hilfe zu bitten. Neben verwaltungsseitigen Prozessen verändern sich aber auch Unterrichtsprozesse. So wird die Lehrkraft zunehmend zum „Wissensmanager“. Mobile Medien öffnen den Lehr- und Lernraum für neue Möglichkeiten, machen den Unterricht schülerorientierter und erleichtern die Differenzierung von der Materialverteilung bis hin zum Schüler-Feedback. Um das Potenzial ausschöpfen zu können, benötigen die Lehrkräfte Fortbildungen, die sukzessive in den MEP eingebaut werden sollten.

​​​​​​​4. Einschätzung der finanziellen und personellen Aufwendungen

Nach der Evaluation und Anpassung aller Prozesse, die durch die Digitalisierung betroffen sind, schließt der Medienentwicklungsplan mit einer Kostenanalyse sowie idealerweise einem Zeit- und Projektplan. Tipp: Das Strategiepapier der Kultusministerkonferenz empfiehlt für die umfangreiche Erstellung eine qualifizierte Beratung und konzeptionelle Unterstützung.

Mit IT sicher umgehen: Weiterbildung im „Bildungsmanagement“

Mit der zunehmenden Digitalisierung sind die Anforderungen an eine gute, nachhaltige und stabil laufende IT in den vergangenen Jahren zunehmend gestiegen. Und es zeigt sich: Vor allem im Bereich Fort- und Weiterbildung sind eine pädagogische Planung von IT und die gezielte Weiterbildung der Lehrenden, Auszubildenden, allgemeinen Anwendern und Entscheidern der Schlüssel zu nachhaltigen und produktiven Arbeitsprozessen mit modernen Medien.

Die Rednet AG entschied sich aufgrund dieser Erfahrungen bereits vor drei Jahren für einen außergewöhnlichen Schritt: die Einstellung des Medienpädagogen Tobias Bachert. Seitdem berät er öffentliche Einrichtungen, Schulen und Hochschulen, begleitet sie bei der Institutionalisierung von Digitalisierungsprozessen und konzipiert und leitet Fortbildungen zur erfolgreichen Umsetzung. Und der Bedarf für umfangreiche Beratungen und Fortbildungen ist seitdem immer weiter gestiegen.

Mit der Gründung der Abteilung „Bildungsmanagement“ geht Rednet deshalb seit Juni 2018 den eingeschlagenen Weg weiter. Das medienpädagogische Team um Anne Dederer und Tobias Bachert beschäftigt sich ausschließlich mit den Prozessen, Anforderungen und Lösungen, die Projekte mit modernen Medien erfolgreich machen. Sie vereinen die Erfahrungen aus mehr als sieben Jahren Projektmanagement und das umfangreiche Wissen aus der Medienpädagogik sowie einer Vielzahl von Fortbildungsveranstaltungen für Behörden, Schulen und Hochschulen.

Was bedeutet Bildungsmanagement in der Digitalisierung?

Zur ersten Säule des Bildungsmanagements, dem Bildungsprozessmanagement, gehört die Evaluierung von Lehr-, Lern- und Arbeitsplatz- produkten. Welche und wie viele Geräte werden benötigt für die zu erreichenden Ziele? Welche Qualitätsstandards sollen erreicht werden und wie sieht das Kosten-Nutzen-Verhältnis aus? Dem Ganzen liegt meist eine Bedarfsanalyse zugrunde: Welche Kompetenzen sollen zum Beispiel Auszubildende, Studierende oder Schüler erreichen? Wie kann IT zur produktiven Selbstorganisation und Arbeitsplatzorganisation genutzt werden?

In der zweiten Säule, dem Bildungsbetriebsmanagement, werden dann organisatorische, personelle und finanzielle Themen erörtert. Wie wird die Anschaffung der ausgewählten Geräte, Materialien und Apps finanziert? Wer gewährleistet den stabilen Betrieb? Aber auch: Wie kann man die zukunftsträchtige Ausrichtung sichtbar als Alleinstellungsmerkmal kommunizieren?

Fortbildungsangebote für alle Zielgruppen

In Kleingruppen-Workshops, bei zusätzlichen Seminarangeboten, bei Klausurtagungen, in persönlichen Coachings, kreativen BarCamps, spezifischen Fachtagungen und jährlich stattfindenden Fachkongressen für Behörden, Schulen und Hochschulen arbeiten Bachert und Dederer für den Abbau von Stolpersteinen auf dem Weg zur digitalisierten Fort- und Weiterbildung. Gemeinsam mit Referenten aus ganz Deutschland und Vertretern von nachhaltig erfolgreichen Projekten machen sie Anwender fit für einen guten Start in eine medienpädagogisch sinnvolle Zukunft.