Interview

Digital wird normal

Bund und Länder wollen den Auf- und Ausbau digitaler Lernumgebungen in Schulen finanziell fördern. Doch Geld allein reicht nicht. Bei Fragen der technischen Ausstattung sowie bei der Entwicklung neuer Medien-, Unterrichts- und Raumkonzepte brauchen Schulleitungen und Lehrkräfte oft fachliche Unterstützung. Wie die aussehen kann, erklärt Heiko Fredebohm, ehemaliger Realschullehrer und jetzt Regionalleiter Digitale Medien beim Schulausstattungsspezialisten VS, im Interview.

Es muss nicht immer eckig sein. Die abgerundeten Tische lassen sich flexibel kombinieren

Wer ist für die digitale Ausstattung zuständig?

Heiko Fredebohm: In erster Linie die Schulen oder aber die Schulträger. Oft ist es das Kollegium, das die Digitalisierung als ein zentrales Handlungsfeld ausgemacht hat, aktiv wird und klare Wünsche und Ziele an die Schulleitung bzw. den Schulträger formuliert. In anderen Fällen ist es die Schulleitung selbst, die die Notwendigkeit des Handelns erkennt und die Schule durch die Digitalisierung weiterentwickeln möchte. Eher selten geht die Initiative vom Schulträger aus.

In welcher Phase der Planung sollte ein Spezialist einbezogen werden?

Heiko Fredebohm: In der Regel werden Schulausstattungsspezialisten in der Endphase, kurz vor der reinen Hardware- und Software­beschaffung, kontaktiert. Ideal wäre es aber, schon in der Erarbeitungsphase einen Spezialisten einzubeziehen. Die Frage nach der Technik sollte nie isoliert betrachtet werden, sondern im Zusammenhang mit dem pädagogischen Konzept der Schule, der didaktisch-methodischen Ausrichtung des Unterrichts und den personellen Rahmenbedingungen. Gerade die beiden letzten Punkte werden oft ungenügend beachtet. Zunächst muss also schulintern ein individuelles Medienkonzept entwickelt werden, das diese Aspekte aufgreift. Ein Austausch der Schulen untereinander ist hierbei genauso hilfreich wie die Kontaktaufnahme zu Medienzentren bzw. Medienberatern, die es in allen Ländern und Regionen gibt.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Schule und Ausstatter?

Heiko Fredebohm: Schulausstattungsspezialisten können die Schulen bei der Erarbeitung eines grundlegenden Medienkonzepts, zum Beispiel mit Leitfäden bzw. Vorlagen, unterstützen, Kontakte zu Referenz- oder Pilotschulen herstellen oder ihre Erfahrungen einfließen lassen. Die Ausarbeitung eines individuellen Konzepts ist dann erfahrungsgemäß ein interner Prozess. Bei der Beschaffung von Hard- und Software werden sehr enge Gespräche mit den Schulen bzw. Schulträgern geführt. Dies gewährleistet eine differenzierte und kunden­orientierte Beratung. Das Angebot an interaktiven Whiteboards, Multitouch-Displays, mobilen Endgeräten etc. ist nämlich so groß, dass es schwer ist, den Überblick zu behalten.

Es reicht im Übrigen nicht aus, die Geräte liefern zu lassen bzw. sie montieren zu lassen. Daher bieten Schulausstatter neben der technischen Betreuung durch eigene Systembetreuer unter anderem auch mehrstufige Schulungen vom Grundlagentraining bis zur Multiplikatorenschulung an. Die Erfahrung zeigt: Wenn im Rahmen des Medienkonzepts die kontinuierliche Weiterqualifizierung von Lehrkräften unterstützt wird, werden digitale Hilfsmittel in der Regel besser akzeptiert und können im Unterricht gewinnbringend eingesetzt werden.

Was gehört zum Standard des digitalen Klassenzimmers?

Heiko Fredebohm: Zunächst einmal bin ich eigentlich kein Freund davon, vom digitalen Klassenzimmer zu sprechen. Es spricht ja auch kein Angestellter vom digitalen Büro. Die Digitalisierung ist eigentlich so selbstverständlich, dass man sie gar nicht mehr explizit benennen muss.

Ein Unterrichtsraum an einer IT-Berufsschule sieht selbstverständlich anders aus als an einer Grundschule. Derzeit verfügen Klassenzimmer oft über eine interaktive Tafel mit angeschlossenem PC. Darüber hinaus kommt manchmal noch eine Dokumentenkamera zum Einsatz. Sie ist die Brücke zwischen analoger und digitaler Welt. Zum Soll-Standard gehört allerdings noch ein Klassensatz Tablets, wenigstens als mobile Lösung. Diese können bei Bedarf von auch von mehreren Klassen genutzt werden.

Braucht man PCs oder Tablets für alle Schülerinnen und Schüler? Was ist bei der Auswahl der Geräte und bei der technischen Ausstattung der Schule zu beachten?

Heiko Fredebohm: Das hängt vom Medienkonzept der Schule ab. Kernkompetenzen wie der Umgang mit Tastatur und Maus in Verbindung mit PC-basierten Programmen setzen natürlich Computer bzw. Notebooks voraus. Auch für das Erlernen von Programmiersprachen wird entsprechende Hardware benötigt. Je nach Profil, Medienkonzept und räumlichen Gegebenheiten der Schule, können hier sowohl der klassische Computerraum als auch mobile Notebookwagen Sinn machen. Fächerübergreifend spielen aber vor allen Dingen Tablets als Schülerendgeräte eine große Rolle. Sie können in ganz unterschiedlichen Unterrichtsphasen sinnvoll und vielseitig eingesetzt werden.

Im Zusammenhang mit den Endgeräten ergeben sich viele Fragen, zum Beispiel Kauf oder Miete, Anzahl, Modell, Betriebssystem, Versicherung, Aufbewahrung, Auflademöglichkeiten, Software, zentrale Softwareverteilung, Datenschutz, Wartung, Schulung usw.

Grundvoraussetzung für den Einsatz von Tablets und Co ist übrigens ein stabiles und schnelles WLAN. Auch muss sichergestellt sein, dass die Schüler die erstellten digitalen Inhalte speichern und sich gegenseitig zur Verfügung stellen können. Dabei muss der Datenschutz gewährleistet sein. Damit gelangt man schnell zu der Frage nach einem Schülernetzwerk bzw. einem geeigneten Schulserver, der neben einem sicheren Internetzugang auch eine Kommunikation zwischen Schülern, Lehrkräften und auch Eltern ermöglicht. Das digitale Klassenzimmer kann also nur im schulischen Gesamtkontext betrachtet werden und stellt keine Insellösung dar.