Digitalisierung unserer Schulen stagniert

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Schnelle Netze sollen die Schulen mit den schier endlosen  Bildungsressourcen des Internets verbinden … doch beim Thema Bildungs-Cloud und Datenschutz stehen die Länder eher auf dem Bremspedal. Oder trügt der Eindruck?

Vincent Steinl: Ich möchte diese Frage aus einer Perspektive beantworten, wie sie uns von Schulen verschiedentlich gespiegelt wurde: Schulen brauchen die Sicherheit, dass die Lernprogramme und Kommunikationsplattformen, die sie einsetzen möchten, auch dem Datenschutz und etwaigen anderen geltenden Regelungen entsprechen – das kann nicht immer von den Akteuren vor Ort geprüft werden. Hier ist die Bildungsverwaltung gefragt, indem entsprechende Hinweise veröffentlicht werden – nicht nur, was verboten ist, sondern vor allem, was alternativ eingesetzt werden kann. Wichtig ist aber auch die Usability. Wir sind mittlerweile gewohnt, dass Software intuitiv bedienbar ist. Hinter diesen aus meiner Sicht voll berechtigten Anspruch darf auch Bildungssoftware nicht zurückfallen.

Peter Hillebrand: Es gibt auf dem freien Markt einige Angebote, die bestimmte Aspekte einer „Bildungs-Cloud“ sehr nahe kommen. Jedoch sind sie für die Schulen mit hohen Kosten verbunden und auch der Punkt des Datenschutzes ist zum Teil sehr heikel.

Aus meiner Sicht ist es der richtige Ansatz auf Bildungs-Clouds zu setzen, die von den Schulministerien der Bundesländer initiiert werden, allein schon aus Sicht des Datenschutzes und weiterer schulrechtlicher Vorgaben.

So startet NRW gerade mit der Modellphase der Plattform LOGINEO. Meine aktuelle Schule, die Karlschule in Hamm, hat lange auf ein derartiges Projekt gewartet. Wir sind froh, dass wir zu den Projektschulen gehören und sind gespannt, ob unsere Erwartungen erfüllt werden.

Martin Brause: In Hamburg steht seit einiger Zeit unter dem Namen eduPort eine Groupware für Lehrerinnen und Lehrer bereit, die neben einer dienstlichen E-Mail-Adresse auch einen Onlinekalender sowie einen Cloudspeicher für digitale Inhalte bereitstellt. Mit dieser Lösung wird die digitale Zusammenarbeit von Lehrerinnen und Lehrern ermöglicht – auch schulstandortübergreifend. Weiterhin haben wir im § 98b unseres Schulgesetzes festgeschrieben, dass pädagogische Netzwerke und Lernportale genutzt werden können, und damit die rechtliche Grundlage für die Einbeziehung von Schülerinnen und Schülern in Systeme dieser Art geschaffen.

Cloudlösungen müssen nicht von jedem Bundesland allein erarbeitet werden. Verschiedene Bundesländer tauschen sich bereits jetzt dazu aus und wollen gemeinsame Entwicklungen vornehmen. Hamburg arbeitet länderübergreifend bei IT-Themen bereits z. B. mit Brandenburg oder Nordrhein-Westfalen zusammen. Ich bin überzeugt, dass viele weitere Kooperationen folgen werden.