Digitalisierung unserer Schulen stagniert

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Dass unsere Schulen zum überwiegenden Teil technisch noch in den 1990er-Jahren feststecken, ist kein Geheimnis. Doch es gibt Leuchtturmprojekte einzelner Schulen und Bundesländer, die deutlich zeigen, welches Qualitätspotenzial in zeitgemäßem, digital unterstütztem Unterricht steckt. Drei Bildungs- und Digitalexperten berichten davon in unserem Interview – noch nicht wissend, dass kurz darauf die Bundesländer eine Grundgesetzänderung für den „DigitalPakt“ blockieren werden.

Eine Sanduhr als Pixelgrafik
Unsere Schulen stecken zum überwiegenden Teil technisch noch in den 1990er-Jahren fest. Foto: © valdis torms/stock.adobe.com

Herr Hillebrand, Sie haben vor acht Jahren an Ihrer damaligen Schule, der Hauptschule Effey in Ennepetal, eine der ersten Tablet-Klassen etabliert. Was hat sich in Sachen Digitalisierung seitdem getan, ein Quantensprung?

Peter Hillebrand: In unserem Alltag und in der Arbeitswelt kann man sicher von einem großen Sprung sprechen. Mobile Endgeräte und Vernetzung sind dort nicht mehr wegzudenken. Nur im Bereich der Schule erkennt man kaum eine Entwicklung. Einsatz von digitalen Endgeräten und entsprechende Konzepte für die unterrichtliche Einbindung kann man nur punktuell erkennen.

Der Digitalpakt hat schon jetzt eine Vorlaufzeit von mehr als zwei Jahren. Herr Steinl, ist das bezeichnend für die Digitalisierung der Schulen in Deutschland insgesamt?

Vincent Steinl: Leider ja, muss ich sagen. Seit Jahren hinkt Deutschland im Durchschnitt und im Vergleich anderen europäischen und OECD- Ländern hinterher.

Die fünf Milliarden Euro des DigitalPakts werden sicherlich eine Schubwirkung für das Thema entfalten. Deshalb begrüßen wir es sehr, wenn sich Bund und Länder hier einigen. (Was Anfang Dezember 2018, nachdem dieses Interview geführt wurde, leider in weite Ferne gerückt ist, da die Länder einer notwendigen Grundgesetzänderung ihre Zustimmung versagten. Red.) Allerdings sind die bisher eingeplanten Mittel nur ein Schritt, wenn auch ein großer. Darüber hinaus war die Zeitspanne zwischen Ankündigung und der Veröffentlichung der konkreten Förderrichtlinien, die jetzt in 2019 erfolgen soll, viel zu lang – wir haben von einigen Schulen die Rückmeldung bekommen, dass der einzige Effekt des Digitalpakts bislang die Verschiebung notwendiger Investitionsmaßnahmen gewesen ist.

Herr Brause, wie ist der aktuelle Stand in Hamburg?

Martin Brause: Die Digitalisierung verändert grundlegend, wie wir miteinander leben, arbeiten und lernen. Dieser digitale Wandel vollzieht sich rasend schnell, und so ist es gut, dass die Kultusministerkonferenz (KMK) bereits Ende 2016 eine gemeinsame Strategie zur Weiterentwicklung des Unterrichts im digitalen Zeitalter beschlossen hat. In allen Bundesländern gibt es beispielhafte Aktivitäten zur Digitalisierung im Bildungsbereich und alle Länder streben danach, diese Vorhaben in die Fläche zu bringen.

Natürlich wünschen wir uns alle, dass Veränderungsprozesse zügig verlaufen. Das gilt auch für den Digitalpakt. Aber die Tatsache, dass Bund und Länder diesen ungewöhnlichen Schritt gehen und gemeinsam einen Pakt schließen, um die Digitalisierung der Schulen schnell voranzubringen, zeigt, welche Wichtigkeit dem Thema bundesweit eingeräumt wird. Es ist jetzt die Aufgabe aller, die entstehenden Möglichkeiten mutig und zügig zu nutzen.

In Hamburg haben wir in der Vergangenheit vergleichsweise gute Bedingungen für den Unterricht mit digitalen Medien geschaffen. Alle Schulen sind ans Breitband-Internet angeschlossen und verfügen neben gesicherten Verwaltungsnetzen über pädagogische Netzwerke. Alle Unterrichtsräume haben wir kabelgebunden vernetzt sowie umfangreiche Ausstattungen mit Präsentationstechnik und digitalen Medien vorgenommen. Die  Lehrerzimmer sind mit einem WLAN ausgerüstet, auf das die Lehrkräfte auch mit privaten Endgeräten zugreifen können. Das ist das Muster, nach dem wir die flächendeckende WLAN-Infrastruktur in allen Hamburger Schulen schaffen werden. Das ist für uns im Stadtstaat vielleicht auch etwas leichter, da wir als Bundesland auch gleichzeitig Schulträger sind.

Das komplexe Thema Digitalisierung haben wir in Hamburg in verschiedene Handlungsfelder aufgefächert mit dem Ziel, diese strukturiert und aufeinander abgestimmt zu entwickeln. Das bedeutet z. B., dass der Ausbau der IT-Infrastruktur abgestimmt mit Fortbildungsangeboten und der Bereitstellung passender Bildungsmedien erfolgt. Die strategische Steuerung ist meine Verantwortung als CDO.