DigitalPakt

Nachhaltige Medienentwicklungsplanung ≠ Medienkonzept für DigitalPakt

Der DigitalPakt Schule hat die Bildungslandschaft ganz schön aufgerüttelt. Wo vor einigen Jahren viele nur nach dem "ob" fragten, geht es heute hauptsächlich um das "wann" – und natürlich auch um das "was". Lesen Sie hier, wie das Geheimnis um diese Fragen größtenteils gelüftet wird und warum fortschrittliche Medienpädagogen an der Zukunftsfähigkeit des DigitalPakts zuerst noch zweifelten.

Ein erster bundesweiter Kongress thematisiert die zunehmenden Anforderungen an die Digitalisierung in Schulen.

Ein Kommentar von Anne Dederer

Er ist nun mal in erster Linie ein Infrastrukturprogramm. Das heißt: Gefördert werden in der Hauptsache LAN, WLAN, interaktive Tafeln und zu maximal 20 Prozent mobile Geräte. Für Schulen und Schulträger, die es schaffen, über dieses Förderprogramm hinauszudenken und eine zukunftsfähige Medienentwicklungsplanung anzugehen, ist er dennoch eine Chance. Denn der DigitalPakt legt die Grundlage für eine langfristige und medienpädagogisch sinnvolle Entwicklung schulischer Lehr- und Lernmedien.

Medienentwicklungsplanung – Was ist das?

Googelt man den Begriff, erhält man 31.700 Ergebnisse: Von Handreichungen und Anleitungen bis hin zum fertigen Medienentwicklungsplan ist alles zu finden. Die seriösen Quellen sind sich in den Grundlagen einig: Ein Medienkonzept oder ein Medienentwicklungsplan muss eine (medien-) pädagogische Vision enthalten, den IST-Zustand (technisch und pädagogisch) aufzeichnen, darauf basierend eine pädagogisch wie auch ökonomisch sinnvolle IT-Ausstattung planen, das Thema Betrieb und Support ebenso wie Personal berücksichtigen und neben einem Budgetplan auch einen Fortbildungsplan enthalten. Diese Vorgaben werden so oder so ähnlich auch die Länder für den DigitalPakt machen. Damit der dann auch wirklich die erhoffte digitale Schulentwicklung bringen kann, ist jedoch eines ganz wichtig: Bitte bei der Planung nicht zu kurz springen! Das heißt: Bei einem kleinen Medienkonzept ebenso wie bei einem umfangreichen Medienentwicklungsplan sollte nicht nur an die kommenden Monate und die abrufbaren Fördergelder gedacht werden. Schon seit längerem hört man von Projekten, in denen die DigitalPakt-Gelder allein in die Anschaffung digitaler Tafeln investiert werden sollen. Ob hinter dem Kauf hunderter Frontalmedien tatsächlich ein pädagogisch sinnvolles Medienkonzept steht, ist fraglich.

Was brauchen Lernende?

Medienpädagogisch sinnvoller ist es in jedem Fall, erst mal zu klären, welche digitalen Kompetenzen Schülerinnen und Schüler beherrschen sollen, wenn sie in den Beruf oder ins Studium starten. Was macht junge Menschen fit für ein privates und berufliches Leben, das heute schon vom Umgang mit digitalen Geräten und einer Vielzahl virtueller Herausforderungen geprägt ist? Die Antwort: Selbermachen, Stolperfallen identifizieren und eigene Lösungswege finden. Neben der Sensibilisierung für Gefahren im Internet und für rechtliche Grundlagen gehört heute auch die digitale Zusammenarbeit, die Produktion und Veröffentlichung von zielgruppenorientierten Lernprodukten oder auch die Internetrecherche zu dem was Schülerinnen und Schüler idealerweise in der Schule lernen. Das Programmieren von Robotern und Drohnen, das Drehen von Erklärfilmen oder das Austesten eigener Lösungsansätze in Fächern wie Chemie oder Physik ist dank digitaler Medien möglich geworden. Dadurch wird Unterricht praxisnaher und gleichzeitig auch praxisrelevanter.

Blick in die Zukunft

Damit ein solch relevanter und pädagogisch sinnvoller Unterricht entstehen kann, müssen alle an Schule Beteiligten für die Medienentwicklungsplanung zusammenkommen. Die Chance: Eine Steuergruppe aus Pädagogen, IT-Verantwortlichen und Entscheidern kann eine langfristige medienpädagogische Vision für eine Schule oder für alle Schulen eines Schulträgers entwickeln und diese dann gemeinsam auch über mehrere Jahre hinweg gezielt umsetzen. Neben den förderfähigen Elementen aus dem DigitalPakt können sinnvolle Fortbildungen, elternfinanzierte mobile Geräte sowie Ideen zur Neugestaltung von Unterricht und Klassenraumkonzepten einfließen. Ist für die nächsten Jahre ein Neu- oder Umbau angedacht, empfiehlt es sich zudem, Architekten und Schulbauplaner mit an den Tisch zu holen. Beim „Planertag“ des Spezialmöbelherstellers Hohenloher und des IT-Ausstatters REDNET kommen regelmäßig Experten für Schulbauten zusammen und lernen, was bei modernen Bildungsgebäuden zu bedenken ist. So planen zum Beispiel immer noch viele Architekten Decken-Beamer für Klassenräume. Dabei werden heute von mehr als 90 Prozent der Schulen Ultrakurzdistanz-Projektoren beschafft. Die Anschlüsse werden also am Kopfende des Raumes und nicht mittig an der Decke benötigt. Die Teilnehmer erfahren zudem, dass WLAN-Planung schon in der „Phase 0“ virtuell möglich ist und dadurch viele Herausforderungen bereits vor Baubeginn gelöst werden können.

MINT

Vorgestellt werden zudem neue Lösungen wie der „FlyOne“ von Hohenloher, der eine flexiblere Nutzung von Fachräumen ermöglicht, weil Gase, Strom- und weitere Anschlüsse über die Decke geleitet werden können und „wegklappbar“ sind. Ob solche technischen Neuerungen für den MINT-Bereich im DigitalPakt förderfähig sind und ob in diese Kategorie eventuell auch die Einrichtung eines MakerSpaces fallen könnte, bleibt spannend. In einer solchen digitalen Werkstatt wäre künftig nämlich in jeder Schule eine neue kreative, digitale Herangehensweise an, Aufgabenstellungen möglich.

Betriebs- und Supportkonzepte

Last but not least: Ein nachhaltiges Betriebs- und Supportkonzept wird im Rahmen eines Medienkonzepts voraussichtlich eine der größten Herausforderung für viele Schulen und Träger darstellen. Das aktuelle „Betriebskonzept“ sieht in vielen Schulen leider immer noch so aus, dass eine Lehrkraft die Freizeit investiert, um die schulische IT am Laufen zu halten. Erfreulicherweise ist immer öfter zu beobachten, dass besonders Schulträger mit vielen Schulen die IT-Infrastruktur im Kreis vereinheitlichen und so den Betrieb vereinfachen. Dieser wird dann häufig an externe Experten vergeben, um so die Pädagoginnen und Pädagogen aber auch die ITVerantwortlichen des Trägers zu entlasten und Kosten einzusparen. Bei guter Planung könnte der DigitalPakt auch für dieses Vorgehen weiter den Weg ebnen.

Bildungskongress 2019

Was mit dem DigitalPakt und unabhängig davon noch so alles auf die deutsche Schullandschaft zukommt, damit befasst sich der zweite REDNET Bildungskongress am 12. September. Die Veranstaltung für Schulträger, Schulleiter, IT-Verantwortliche und Projektleiter findet 2019 im „Das Wormser“ in Worms statt. Programm und Fortbildungsakkreditierungen der Länder finden Sie in Kürze unter  https://schule.rednet.ag/.