E-Learning in der Praxis

"Wir konnten vom ersten Tag an loslegen"

Stuttgart, Mai 2020: E-Learning war bis zum März 2020 an den meisten deutschen Schulen eher Diskussionsgegenstand als Realität. Zwei Schulen berichten, wie sie mit viel Engagement und der Hilfe von Technik geschafft haben, quasi aus dem Stand auf Homeschooling umzustellen.

© Daniel Schumacher

Der Wechsel zwischen Präsenz- und Online-Unterricht wird Lehrkräfte, SchülerInnen und Eltern weiterhin fordern, möglicherweise über die Sommerferien hinaus. Umso wichtiger ist es, Strukturen zu schaffen, die das Lernen zu Hause für alle Beteiligten vereinfachen. Denn der im Augenblick häufig anzutreffende Kommunikations-Mix aus WhatsApp-Gruppen, E-Mails, Elternportalen und Lernplattformen sorgt eher für Verwirrung als für Orientierung. Eine bayerische Realschule und ein brandenburgisches Gymnasium setzen auf eine datenschutzkonforme Schulsoftware, um eine einheitliche Kommunikation zu gewährleisten.

Coelestin-Maier-Realschule Schweiklberg, Vilshofen an der Donau: Geregelter Unterricht trotz Corona

Mit dem Lernen zu Hause hat auch die Coelestin-Maier-Realschule, eine Jungenschule im niederbayerischen Vilshofen an der Donau, Neuland betreten. Über 400 Schüler mussten am Montag, den 16. März vom Klassenzimmer ins „Homeoffice“ wechseln. „Am Freitag haben wir allen Schülern vorsichtshalber nochmals die Passwörter für den Zugang zu unserer Schulsoftware EduPage mitgegeben. Die meisten waren ohnehin angemeldet“, berichtet Alexander Sperl, stellvertretender Schulleiter und ergänzt: „Damit konnten wir vom ersten Tag mit dem digitalen Unterricht loslegen.“ Kommuniziert wird über die Schulsoftware, hier stellen die LehrerInnen die Aufgaben entsprechend dem Stundenplan ein. „Dieses Prinzip hat sich bewährt, damit die Schüler ihren gewohnten Rhythmus beibehalten und wissen, was wann zu tun ist“, so Sperl. Eine Push-Benachrichtigung informiert die Schüler über neue Arbeitsaufträge. Indem die Schule soweit wie möglich die Organisation des Homeschoolings übernimmt, werden die Eltern entlastet.

Die Schulsoftware EduPage ist bereits seit mehreren Jahren an der Schule im Einsatz, wurde aber vorwiegend für administrative Aufgaben wie das Erstellen von Stunden- und Vertretungsplänen sowie als digitales Klassenbuch genutzt, über das Schüler und Eltern u.a. Hausaufgaben einsehen können. Jetzt kommt das Tool beim Homeschooling zum Einsatz. „Natürlich lernen wir alle täglich dazu. Aber die Software ist sehr benutzerfreundlich, sodass unsere Lehrkräfte auch ohne größere Vorkenntnisse schnell in der Lage waren, super Materialien einzustellen. Mit Hilfe von Lernkarten können wir außerdem den Lernstand überprüfen und individuelle Rückmeldung geben.“ Da es sich um eine Web-App handelt, können die Schüler mit jedem beliebigen Endgerät arbeiten. Im Zweifelsfall reicht also auch das Smartphone, um am digitalen Unterricht teilzunehmen. Positiv findet Alexander Sperl auch, dass die LehrerInnen mit einem Klick Parallelklassen mit Unterrichtsmaterial versorgen können. Gerade bei einem alternierenden Konzept, bei dem ein Teil der Schüler im Klassenzimmer ist und ein anderer zuhause lernt, werden die Lehrkräfte entlastet.

Vollständig ersetzen kann der Online-Unterricht die Anwesenheit im Klassenzimmer jedoch nicht. „Es fehlt vor allem das unmittelbare persönliches Feedback, das ich geben kann, wenn ich durch die Reihen gehe“, erklärt Sperl. Und auch an anderer Stelle ist der Online-Unterricht mit Schwierigkeiten verbunden – vor allem im Hinblick auf die technische Ausstattung der Schüler. Arbeitsblätter zum Ausfüllen kommen an der Schweiklberger Realschule etwas weniger zum Einsatz, denn oft fehlt zu Hause die Möglichkeit, diese auszudrucken. Und wenn mehrere Kinder gleichzeitig daheim online lernen sollen, sind eine zu geringe Bandbreite oder fehlende Endgeräte ein Problem. Grundsätzlich ist Alexander Sperl aber sicher, dass die Schule die Zeit bis zur vollständigen Aufnahme des Unterrichts gut meistern wird.

© Daniel Schumacher

Hannah-Arendt-Gymnasium, Potsdam: Offen für Digitalisierung

Auch am Hannah-Arendt-Gymnasium in Potsdam ist man zuversichtlich, dass die SchülerInnen bis zur Wiederaufnahme eines normalen Schulbetriebs am Ball bleiben. Nicht zuletzt, weil die Schule mit ihrer Schulsoftware über einen einheitlichen Kommunikationsweg verfügt, der die nötigen Strukturen für den digitalen Unterricht schafft. Das Gymnasium mit dem Profil Wirtschaft/Politik wurde zum Schuljahr 2016/17 neu gegründet. Aktuell werden hier rund 380 SchülerInnen von 27 Lehrkräften unterrichtet. Als junge Schule war das Potsdamer Gymnasium von Anfang an offen für das Thema Digitalisierung. Die Nutzung des digitalen Klassenbuchs ist bereits seit letztem Herbst für alle Lehrer verbindlich.

„Ein Drittel des Kollegiums hat die Möglichkeiten unserer Schulsoftware EduPage schon vor der Krise intensiv genutzt, und digitale Angebote für den Unterricht gemacht“, erklärt Dörte Schubert, stellvertretende Schulleiterin am Hannah-Arendt-Gymnasium. Sie ergänzt: „Damit sind wir im Kollegium in der Lage, uns gegenseitig in Sachen E-Learning zu unterstützen. In der aktuellen Situation gilt ‘Probieren geht über Studieren’. Und wenn es tatsächlich Probleme gibt, können wir auf den Support zurückgreifen.“

Am Potsdamer Gymnasium setzt man auf eigenverantwortliches Lernen. Aufgaben werden einmal pro Woche in EduPage eingestellt und haben einen festen Abgabetermin. So können die SchülerInnen sie bearbeiten, wenn es für sie am besten in ihren Tagesablauf passt. „Wir haben einen guten Überblick darüber, wie der digitale Unterricht in den jeweiligen Klassen läuft“, so Schubert. Wie es ohne Schulsoftware funktionieren würde? Daran habe sie ehrlich gesagt keinen Gedanken verschwendet, sagt die stellvertretende Schulleiterin. Grundsätzlich sieht sie in der Krise eine Chance für die Digitalisierung von Schulen und erläutert: „Im Moment findet eine so intensive Auseinandersetzung mit dem Thema statt, dass wir nach der Krise auf einem höheren Level wieder einsteigen können, wenn es darum geht, das didaktisch-methodische Potenzial von Digitalisierung im Unterricht auszuschöpfen.“

Weitere Informationen unter:  https://www.asc-raabe.de/edupage