Unterrichtseinheiten zum Thema „Fake News“ stärken Medienkompetenz und kritisches Bewusstsein

Echt jetzt?

Fake News, also Fehl- und Desinformationen, gibt es schon lange. Doch das Internet – meine der wichtigsten Wissensquellen heutiger Schüler – bietet ihnen einen Nährboden bisher unbekannter Dimension. Mit speziellen Unterrichtsmaterialien können Sie Ihre Schüler befähigen, Fake News als solche zu entlarven

Unterrichtseinheiten zum Thema „Fake News“ stärken Medienkompetenz und kritisches Bewusstsein © alfa27 - stock.adobe.com

Das darf doch nicht wahr sein. Ein Skandal!“ Der Autor dieser Zeilen war empört und fühlte sich zugleich bestätigt in seiner Befürchtung, unser Staat steuere auf totale Überwachung, Zensur und Gleichschaltung zu. Bei einer Recherche über staatlich indizierte Literatur war der Schreiber nämlich auf die Meldung in einem Blog gestoßen, gemäß der George Orwells „1984“ von der Bundesregierung auf die Liste jugendgefährdender, weil demokratie- und verfassungsfeindlicher Schriften gesetzt worden sei – und folglich auch nicht mehr als Unterrichtslektüre genutzt werden dürfe. Reingefallen. Diese Meldung war eine waschechte „Fake News“, wie sich nach weiteren Recherchen zeigte. Eine erleichternde Erkenntnis – und zugleich ein Indiz,  wie gern man als User solchen Falschmeldungen Glauben schenkt, sobald sie einen bestimmten ideologischen, politischen oder kulturellen Triggerpunkt treffen: Fake News als verführerischer, unsere Anschauungen
bestätigender Sirenengesang innerhalb der persönlichen Filterblase, der jede Auseinandersetzung mit anderen Quellen und Standpunkten überflüssig macht.

Neu sind diese psychologischen Tricks freilich nicht. Schon in den Weltkriegen z. B. wurden Falschinformationen für Propaganda und zur Täuschung der Kriegsgegner gestreut. Doch spätestens seit der Ankunft einer großen Zahl von Geflüchteten in Deutschland im Sommer 2015 und den Präsidentschaftswahlen in den USA 2016 sind Schlagworte wie „Fake News“, „alternative Fakten“ und „Social Bots“ in aller Munde. Und via Internet und soziale Medien verbreiten sie sich in rasanter Geschwindigkeit.Worum es dabei überhaupt geht, wie man „Fake News“ erkennt und wie man derartigen Manipulationsversuchen entgegentreten kann, ist das Thema zweier Unterrichtseinheiten, die im Auftrag des Niedersächsischen Kultusministeriums erarbeitet wurden und Lehrkräften für den  Einsatz im Unterricht zur Verfügung stehen.

Aktionen und Material gegen Hass im Netz

Insbesondere junge Menschen kommen häufig mit den negativen Seiten des Internets in Kontakt: Laut einer aktuellen forsa-Umfrage im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW sind bereits 85 % der 14- bis 24-Jährigen in den Sozialen Medien mit „Hate Speech“ konfrontiert worden (verteilt über alle Altersgruppen sind es 47 %).

Eine deutliche Mehrheit der Befragten (63 %) findet es persönlich nicht in Ordnung, Hasskommentare, die sich nicht gegen die eigene Person richten, zu ignorieren. Doch nur wenige beteiligen sich an öffentlichen Diskussionen im Netz. Weniger als ein Zehntel der 14- bis 24-Jährigen beteiligt sich häufig oder sehr häufig an solchen Diskussionen. Die Ursache an dieser Zurückhaltung könnte im Hass liegen, denn ein Drittel der Befragten, die sich nicht an öffentlichen Diskussionen im Internet beteiligen, gibt an, aus Angst vor Beleidigungen nichts (mehr) online zu stellen.

Aktion #lauteralshass der EU-Initiative klicksafe

„Hass im Netz ist Gewalt gegen Demokratie“, sagt Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, die an der Umsetzung der EU-Initiative klicksafe in Deutschland beteiligt ist. „Wenn Medien aus Furcht vor Shitstorms kritische Themen nicht mehr aufgreifen oder ihre Kommentarforen wegen zu vieler extremer Meinungen schließen müssen, gibt
es keinen öffentlichen Diskurs mehr.“ Der Safer Internet Day Anfang 2019 setzte deshalb ein Zeichen gegen Hass im Netz. „Die breite Unterstützung, die wir für die Aktion #lauteralshass bekommen, zeigt: Eine große Mehrheit wünscht sich ein faires Miteinander im Internet“, betont Schmid.

Neue klicksafe-Materialien für Lehrkräfte und Eltern zum Thema Hate Speech

Zum Safer Internet Day Anfang 2019 veröffentlichte klicksafe eine aktualisierte Auflage der Informationsbroschüre „Hate Speech – Hass im Netz“; herausgegeben wurde sie von
der Landesanstalt für Medien NRW und der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS) NRW. Die Broschüre richtet sich vor allem an Fachkräfte sowie Eltern und gibt konkrete Tipps für die (medienpädagogische) Arbeit mit Jugendlichen.

Stärkung von Medienkompetenz und Quellenkritik

„Damit Fake News und Social Bots nicht zur Gefahr für unsere Demokratie werden, müssen unsere Schüler einen reflektierten Umgang mit Medien erlernen“, erläuterte die frühere niedersächsische Kultusministerin Heiligenstadt kurz nach der Live-Schaltung des von ihr angeschobenen Online-Angebotes. „Sie müssen sich in der Fülle von Informationen zurechtfinden, Wichtiges von Unwichtigem, seriöse von unseriösen Quellen unterscheiden können. Sie müssen verstehen, wie Nachrichten gemacht und wie sie verbreitet werden.“ Ziel der Materialien ist es daher, anhand von praktischen Beispielen die Schüler in die Quellenkritik einzuführen und sie fit zu machen in der Bewertung und Analyse von Texten, Bildern und Videos im Internet und
den sozialen Medien. Die Lehrkräfte erhalten vielfältige Impulse für die Unterrichtsgestaltung und ein umfangreiches Angebot an Materialien wie Arbeitsblätter, Beispieltexte und Linklisten. Die Unterrichtsmaterialien sind für den Einsatz in Jahrgang 10 des Sekundarbereichs I/BBS sowie für den Sekundarbereich II entwickelt und in jeweils drei Themenmodule gegliedert. Sie befassen
sich mit folgenden Themen:

  • Einschätzung von bekannten Quellen und Förderung der Quellenkritik
  • Irreführung durch Manipulation und Unwahrheiten im Internet
  • Extremistische Inhalte im Netz

„Stop Fake News!“ auf dem Niedersächsischen Bildungsserver NIBIS bietet weitere umfassende Informationen und praxisnahe Materialien zum Thema. Neben den genannten Unterrichtseinheiten finden sich dort auch Materialien zu Filterblasen, Echoräumen und rechtsextremistischen Inhalten in sozialen Netzwerken. Ein Erklärvideo erläutert anschaulich und kompakt, was Fake News sind und wie sie sich erkennen lassen. Wer konkrete Texte auf ihr „Fake-News-Potenzial“ hin testen will, kann dies mit der eigens entwickelten App „Fake News Check“ tun. Die App – eine Art „Fake News- Ampel“ – ist in den App-Stores kostenlos zum Download erhältlich. Anhand einer Reihe von Fragen hilft sie dabei, eine Nachricht als seriöse Information oder Fake News einzuordnen.
Die App kann auch im Unterricht eingesetzt werden. Für diesen Fall stehen auf dem Bildungsserver Unterrichtsvorschläge und Arbeitsmaterialien zur Verfügung.

Weitere Informationen:
www.nibis.de