Studie zur PISA-Studie

Lesen im digitalen Medium funktioniert anders

Digitale Texte werden selektiv und sprunghaft gelesen, größere Passagen übersprungen, bis die wichtigsten Information erfasst wurden. Wieso reagiert unser Gehirn auf digitale Texte so anders als auf gedruckte?

Ein Mädchen liest etwas auf ihrem Tablet.
Nur weil Jugendliche den Umgang mit digitalen Texten gewohnt sind, erfassen sie diese nicht automatisch besser. Foto: Pexels/Pixabay

Im Jahr 2000 führte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die erste PISA-Studie durch. Die Studie stehe turnusmäßig in jedem dritten Frühjahr an. Zuletzt fand sie 2018 zum dritten Mal statt. Die PISA-Studie prüft mit umfangreichen Tests die Kompetenzbereiche Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften bei fünfzehnjährigen Schülerinnen und Schüler auf der ganzen Welt.

Prof. Johannes Naumann von der Goethe-Universität in Frankfurt und PD Christine Sälzer von der Technischen Universität München wiesen schon im Vorfeld erstmals nach, dass sich die Fähigkeiten deutscher Schülerinnen und Schüler beim Lesen digitaler Texte nicht mit ihren Fähigkeiten beim Lesen gedruckter Texte decken.

Die Kompetenzen ändern sich

Naumann und Sälzer haben den computerbasierten Teil in der PISA-Studie 2012 ausgewertet, als das Lesen digitaler Texte erstmals in Deutschland getestet wurde. Das Ergebnis erscheint in der „Zeitschrift für Erziehungswissenschaft“: Danach erfordert das Lesen digitaler Texte zum Teil andere Kompetenzen als das Lesen gedruckter Texte. Dabei handelt es sich in beiden Fällen um „Lesekompetenz“, aber die beiden Formen sind nicht deckungsgleich. Vielmehr stellt das Lesen digitaler Texte eine weitere, im gedruckten Format nicht erfasste Dimension der Lesekompetenz dar: Digitale Texte erfordern häufig in besonderem Maße und in einer für das digitale Medium spezifischen Form die selbstgesteuerte Auswahl und Bewertung von Textinformationen. Diese spezifischen Anforderungen meistern Schülerinnen und Schüler in Deutschland deutlich weniger gut als das Lesen „traditioneller“ gedruckter Texte. Wie beim Lesen gedruckter Texte besitzen Mädchen gegenüber Jungen auch beim Lesen digitaler Texte einen ausgeprägten Vorsprung.

Gewohnheit spielt keine Rolle

Dabei hängt die Häufigkeit des Umgangs mit Computern und anderen digitalen Medien keineswegs stark damit zusammen, wie gut Jugendliche digitale Texte lesen und verstehen können. Dies war durchaus vermutet worden. Diese Vermutung hat sich jedoch nicht bestätigt: Die Verfügbarkeit digitaler Geräte und deren Gebrauch ist weniger relevant als erwartet; sie hängt sogar negativ mit der Lesekompetenz zusammen. Stattdessen zeigte sich, dass für eine gute digitale Lesekompetenz die Einstellungen der Schülerinnen und Schüler gegenüber Informations- und Kommunikationstechnologien besonders wichtig sind: Je mehr sich die Jugendlichen hier zutrauen, desto besser können sie digitale Texte lesen und verstehen.