Beispiel bettermarks: So wirkt ein Intelligentes Tutorensysteme

Adaptive Lernsysteme

Der Digitalpakt ist die logische Konsequenz, die sich aus dem KMK Strategiepapier (2016) ergibt: Ziel ist die Schaffung einer digitalen Bildungsinfrastruktur, damit darauf basierend unter anderem adaptive Lernsysteme und intelligente Tutorensysteme in der Schule etabliert werden können. Sie markieren einen Fortschritt bei den digitalen Lernsystemen, der Lehrerinnen und Lehrer entlastet und individualisiertes Lernen effizient ermöglicht.

Adaptive Lehrmedien im Mathematikunterricht

bettermarks ist ein gutes Beispiel für ein adaptives Lernsystem und wurde – auch wenn es der Name nicht vermuten lässt – in Berlin entwickelt. In Uruguay ist es landesweit im Einsatz, seit einigen Monaten können es auch die Schulen in Hamburg flächendeckend nutzen. bildung+ sprach über den Einsatz von bettermarks mit Martin Brause, Chief Digital Officer von Hamburg und mit Ann-Catrin Blüggel, Realschullehrerin in NRW, unter anderem unterrichtet sie das Fach Mathematik.

Martin Brause: Die Strategie der KMK will Schülerinnen und Schülern die Teilhabe an der digitalisierten Welt ermöglichen. Dafür brauchen sie Kompetenzen, um mündig die Gesellschaft mitgestalten zu können. Für diese digitalen Kompetenzen enthält die KMK-Strategie ein umfassendes Kompetenzmodell, das in allen Ländern umzusetzen ist. Der DigitalPakt Schule schafft in einer gemeinsamen Anstrengung von Bund und Ländern eine moderne, performante Bildungsinfrastruktur und damit eine Voraussetzung, um adaptive Lernsysteme, wie auch alle anderen digitalen Bildungsmedien, und digitale Endgeräte nutzen zu können. Das alles entfaltet aber seine Stärke nur mit entsprechenden Unterrichtskonzepten und Lehrkräftefortbildungen. Für die Hamburger Schulen kann ich sagen, dass wir in adaptiven Lernsystemen, die den Lerner individuell fördern, ihm direkte Rückmeldungen und für seinen Lernweg passende Aufgaben geben, ein besonderes Potenzial sehen. Wir haben mit bettermarks ein adaptives Lernsystem, das sich als nützlich erwiesen hat und von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern bisher gut angenommen wurde.

Ann-Catrin Blüggel: Optimaler Mathematikunterricht bedeutet für mich eine optimale Kombination aus analogen und digitalen Tools: Zuallererst braucht es natürlich eine Lehrerin, die den Unterricht plant und die zum Beispiel Szenarien mit Geogebra erstellt, die die Klasse lenkt, motiviert und ihre Schülerinnen und Schüler aktiviert … gern auch mal mit Schere und Papier oder Modellen aus Pappe. Mathematik sollte erfahrbar sein – das „Denken mit den Händen“ gehört für mich dazu. Als digitales Lernmittel schätze ich bettermarks. Von Lehrkräften wird zunehmend verlangt, dass sie individualisiertes Lernen ermöglichen. Bei 25 und mehr Lernende im Klassenverband ist das aber ohne Hilfsmittel kaum zu bewerkstelligen. Mit bettermarks nutze ich ein Diagnose-Verfahren, das bis auf einen einzelnen Rechenschritt dokumentiert, wo ein Schüler Fehler macht. Als Lehrerin kann ich dadurch gezielt Arbeitsblätter auf passender Niveaustufe in bettermarks zuweisen. Ich bekomme die Rückmeldung, wie viele Arbeitsblätter bearbeitet wurden und mit welchem Ergebnis. Auf der „Metaebene“ kann ich Rückschlüsse auf den eigenen Unterricht ziehen: Wie häufig tritt ein Fehler bei der gesamten Gruppe auf? Habe ich etwas nicht ausreichend oder verständlich genug erklärt?

bildung+: Die meisten Bundesländer sind bei der Umsetzung des Digitalpakts mit ihren Förderrichtlinien sehr zurückhaltend, was die Förderung von cloudbasierten Lernsystemen betrifft - weil es die Vereinbarung mit dem Bund nicht zulässt oder weil man die Folgekosten scheut? Wie ist das Herangehen in Hamburg?

Martin Brause: Für Hamburg kann ich sagen, dass wir frühzeitig cloudbasierte Dateiablagen für die Zusammenarbeit und cloudbasierte Bildungsmedien getestet und eingeführt haben und aktuell an einem Lernmanagementsystem für unsere Schulen arbeiten. Wir nutzen dafür unsere Möglichkeiten, als Bundesland auch gleichzeitig Schulträger aller staatlichen Schulen zu sein. Unsere Erfahrungen mit BYOD-Konzepten und der Nutzung von cloudbasierten Lösungen im Unterricht und auch bei den Schülerinnen und Schülern zuhause, sind gut. Schulische Cloudlösungen sind komplexe Vorhaben, deren Einführung gerade in Hinblick auf Datenschutz und -sicherheit, aber auch auf dauerhaften Betrieb und permanente Weiterentwicklung hin wohl überlegt und geprüft sein will. Ich verspreche mir hier viel von der länderübergreifenden Erstellung einer bundesweit einheitlichen Schnittstelle zwischen den jeweiligen Schulverwaltungslösungen und den Bildungsmedienanbietern. Eine gut nutzbare Schnittstelle, die die Schülerdaten bidirektional sicher übergibt, wird die Nutzung von cloudbasierten Angeboten deutlich befördern.

bildung+: Hamburg hat ja bereits 2018 das Digital.learning.lab ins Leben gerufen. Werden demnächst cloudbasierte digitale Lernmedien gleichberechtigt analoge ergänzen?

Martin Brause: Ich glaube fest daran, dass sich analoge und digitale Bildungsmedien harmonisch ergänzen werden. Das ist auch der Grundgedanke unserer Arbeit und letztlich auch der der eingangs angesprochenen Strategie der KMK. Unser Ziel ist es, dass Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler ganz selbstverständlich analoge wie digitale Angebote nutzen, je nachdem, was für die entsprechende Lernphase sinnvoll ist. Das Digital.learning.lab ist ein webbasiertes Portal für Lehrkräfte, die sich dort von über 160 Unterrichtskonzepten zum Lernen mit digitalen Bildungsmedien anregen lassen können, von entsprechenden Tools und Angeboten. Wir sprechen hier von „digitalen Unterrichtsbausteinen“, die Hamburger Lehrkräfte erstellt haben und die sich alle am KMK-Kompetenzmodell orientieren.

bildung+: Stichwort „Adaptive Lernsysteme“ und bettermarks: Was waren die Gründe für die Anschaffung einer Landeslizenz und wie erfolgt die Integration in das Digital.learning. lab?

Martin Brause: Hamburg stellt den weiterführenden Schulen für das Fach Mathematik 2 Lernplattformen, bettermarks und kapiert.de, zur Verfügung. Die Schulen können selbst entscheiden, mit welchem Produkt sie arbeiten wollen. Die Entscheidung, adaptive Lernprogramme zu nutzen, resultiert aus unserer Überzeugung, dass damit jedem Lernenden individuelle und differenzierte Aufgaben und direkte Rückmeldungen gegeben werden, die ihm auf seinem eigenen Lernweg helfen. Die Lehrkraft erhält vom adaptiven Lernsystem Unterstützung durch Lernrückmeldungen zur Lerngruppe und zum einzelnen Lerner und kann damit Zeit für individuelle Betreuung des einzelnen Lernenden nutzen. Selbstverständlich haben wir die adaptiven Lernsysteme in das digital learning lab integriert, indem wir digitale Unterrichtsbausteine erstellt haben, die die Lehrkräfte darin unterstützen, die adaptiven Lernprogramme einzusetzen. Sie können sich entsprechende Unterrichtskonzepte ansehen, für ihre Lerngruppe anpassen und erhalten damit Unterstützung für ihre tägliche Arbeit.

bildung+: Unterstützung für die tägliche Arbeit … wie sieht die aus Ihrer Perspektive aus?

Ann-Catrin Blüggel: Abgesehen von dem eingangs Erwähnten ist bettermarks aber die ideale Plattform für die Kooperation zwischen Lehrer, Schüler und Eltern. Der Schüler bekommt während des Lernens mit bettermarks bereits ein direktes Feedback mit Vorschlägen und Materialien zur Vertiefung. Wenn das nicht reicht, kann die Lehrerin zusätzliches Material zuweisen und über das Elternportal können die Eltern mit einbezogen werden.
Sie können in enger Abstimmung mit der Lehrkraft die gezielte Förderung unterstützen und zusätzlich kontrollieren, ob die individuellen Übungen auch bearbeitet werden, das kann ggf. Nachhilfeunterricht ersetzen und ist auch meist effektiver … schließlich kennt die Lehrkraft ja den Förderbedarf am besten. Eines habe ich besonders schätzen gelernt: In die Benotung geht die „sonstige Beteiligung“ mit 50% in die Wertung ein. Da sind vor allem die Schülerinnen und Schüler im Vorteil, die sich am Unterrichtsgeschehen aktiv beteiligen. Über bettermarks wird abbildbar, wie intensiv sich ein Lernender auch außerhalb des Unterrichts mit dem Lernstoff befasst, womit auch „stille Lerner“ besser benotet werden können. Und starke Schüler können mit den bettermarks-Medien (Lehrwerke, Tutorials, Tipps) auch selbstgesteuert lernen - Stichwort Begabtenförderung, Überspringen einer Klasse oder Mathematikwettbewerbe. Auch wenn eine Schule noch nicht besonders digital ist und es keine 1:1-Ausstattung mit mobilen Endgeräten gibt, hilft bettermarks, den Mathematikunterricht individualisierter zu managen. In einer „digitalen Schule“ stellt sich sicher irgendwann auch die Frage: „Brauchen wir überhaupt noch gedruckte Mathematikbücher, wenn doch in bettermarks alle Lehrinhalte enthalten sind?“

Ann-Catrin Blüggel

ist Lehrerin an einer Realschule in NRW und als Autorin für bildung+ tätig.

Martin Brause

ist Chief Digital Officer (CDO) der Behörde für Schule und Berufsbildung der Freien und Handelsstadt Hamburg und verantwortlich für deren Digitalisierungsstrategie.