Vorbereitung auf die Mediengesellschaft

Kaum was auf dem Schirm

Medienforscher warnen vor massiven inhaltlichen Defiziten in Lehrplänen und Schulbüchern: Unser Bildungssystem vernachlässige die Vermittlung von Medien- und Nachrichtenkompetenz – und das beginne schon in den Lehramtsstudiengängen

Foto: © hunterbliss/stock.adobe.com

Lehrpläne greifen die Medienrealität der Schüler kaum auf. Die Schulbücher hinken dem Medienverhalten der Jugendlichen hinterher, künftige Lehrerinnen und Lehrer erwerben in ihrem Studium wenig Nachrichtenkompetenz. Sie befassen sich wissenschaftlich weder mit Journalismus in digitalen Medien, noch mit den allgegenwärtigen sozialen Netzwerken. Zu diesen geradezu desaströsen Befunden kommt die Studie „Nachrichtenkompetenz durch die Schule“ der TU Dresden, im Auftrag der Stiftervereinigung der Presse.

Die Kommunikationswissenschaftler Lutz M. Hagen, Anja Obermüller und Rebecca Renatus untersuchten darin die Voraussetzungen für eine medien- und nachrichtenkompetente Schulbildung. Dabei gehtes darum, journalistische Inhalte zu verstehen, kritisch zu beurteilen und effektiv zu nutzen. Dazu analysierten die Forscher die Vorgaben der Kultusministerkonferenz (KMK), die Lehrpläne aller Bundesländer, die einschlägigen Schulbücher sowie Studienordnungen für das Lehramtsstudium. Ergänzend befragten sie künftige Lehrer zu ihren medienpädagogischen Kompetenzen.

Information ohne Reflexion

Auslöser für dieses umfangreiche Forschungsprojekt waren wissenschaftliche Befunde, wonach eine zunehmende Anzahl von Schülern sich ausschließlich in sozialen Netzwerken über Politik informiert, ohne dabei zu unterscheiden, wie seriös die Quelle ist. So werden kaum Unerschiede zwischen einer gut recherchierten Quelle, einem Social Bot oder PR-Agentur gemacht.

Der richtige Umgang mit journalistischen Inhalten wird in Zeiten des Informmationsüberlusses imemer schwerer. Vor diesem Hintergrund kommt der Nachrichtenkompetenz erhöhte Bedeutung zu. Doch in der Schule wird sie wenig vermittelt. In den KMK-Vorgaben kommt Nachrichtenkompetenz fast nicht vor. Zwar nimmt die Mehrheit der Unterrichtsvorgaben der Lehrpläne Bezug zu Medien im Allgemeinen. Einen speziellen Fokus auf journalistische Angebote und Inhalte setzen allerdings nur 43 Prozent der Lehrpläne. In den 339 untersuchten Lehrbüchern gibt es, wenn überhaupt, nur kurze Ausführungen. Auch hier kommt die Nachrichtenvermittlung über soziale Netzwerke oder Blogs kaum vor.

In den untersuchten Lehramts-Studiengängen spielt Nachrichtenkompetenz fast keine und Medienkompetenz nur eine geringe Rolle. Die Befragung der Studierenden zeigt unter anderem: Etwa 40 Prozent glauben, dass ein Pressebericht über ein Bundesministerium vor der Veröffentlichung vom Ministerium genehmigt werden muss. Nur ein Drittel wusste, dass Journalisten in Deutschland keine Lizenz zur Ausübung ihres Berufs brauchen.

Quelle: Stiftervereinigung der Presse e.V.