Suchmaschinen

Big Data is watching you

Auf den ersten Blick fällt es gar nicht auf: Man muss für die Nutzung von Suchmaschinen nichts bezahlen. Im nicht-virtuellen Alltag muss man für fast alles bezahlen, im Internet ist fast alles umsonst – oder?

Ein Standbild aus dem Film "1984".
Was bedeutet Big Data für die Internetnutzung in der Schule? Foto: © akg-images.

Was einem auf den ersten Blick oft nicht auffällt: Man muss für die Nutzung von Suchmaschinen nichts bezahlen. Keine Kontoverbindung wird abgefragt und keine Kreditkarte verlangt, um an Informationen im Internet zu kommen. Im nicht-virtuellen Alltag muss man für fast alles bezahlen und anscheinend im Internet nicht. Dies stimmt jedoch so nicht, denn ohne dass wir uns dessen bewusst sind, bezahlen wir fast immer – nämlich mit unseren ­Daten. Oder überspitzt formuliert: „Wenn Sie für etwas nichts bezahlen, dann sind Sie nicht der Kunde. Sie sind das Produkt, das verkauft wird.“ Doch wie kommen die Datensammler eigentlich an unsere Daten?

Datenspeicherung bei Amazon und co.

Unsere Daten geben wir zwar bei einer normalen Internet­recherche gar nicht so oft heraus, doch es sind die indirekten Daten, die für die Webseitenbetreiber interessant sind. Dabei spielen nicht nur die direkt genutzten Suchmaschinen, wie etwa die von Google oder Bing, eine Rolle. Ohne dass wir uns vielleicht darüber im Klaren sind, suchen wir bei Anbietern wie Amazon auch über eine Suchmaschine nach Dingen, und auch soziale Netzwerke wie Facebook benutzen interne Suchmaschinen. Diese sind der Zugang zum Web.

Während wir etwa bei Google auch ohne personenbezogene Daten etwas suchen können – außer wir sind sowieso mit unserem Google-Account angemeldet –, haben gerade die Anbieter mit indirekten Suchmaschinen die Möglichkeit, unsere Suchanfragen mit unserer Person zu verknüpfen. Wie diese Daten über uns dann verwendet werden – ob sie nun aus direkten oder indirekten Suchmaschinen stammen –, ist uns oft nicht bekannt.

Man kann jedoch relativ schnell darauf schließen, wie unsere Daten eingesetzt werden, wenn man die Werbung beobachtet, die uns beim normalen Browsen im Internet angeboten wird. Vor allem im Zusammenhang mit Amazon wird dies sehr gut deutlich: Haben wir dort etwa nach einem bestimmten Buch oder einer CD gesucht, dann kommt es häufig vor, dass auf anderen Webseiten genau dazu Werbung geschaltet wird. Oder wir bekommen auf der Webseite von Amazon Produkte angeboten, die von dem Spruch „inspiriert von Ihrem Browserverlauf“ begleitet werden. Diese „Inspiration“ hat Amazon allein dadurch gewonnen, dass es entweder unsere Suchanfragen oder auch unsere Wunschliste verwendet hat.

„Filter bubble“: Alte Suchen bestimmen neue Suchen

Neben der werbemäßigen Verwendung unserer Daten bestimmt unser Internet-Nutzungsverhalten auch die Ergebnisse einer Suche: Aufgrund unseres Suchverhaltens werden Ergebnisse gefiltert in jene, die vom Algorithmus der Suchmaschine als bedeutsam für uns angesehen werden, und jene, die anscheinend weniger bedeutsam sind. So geraten wir bei Internetsuchen aufgrund der Auswertung personenbezogener Daten durch die Suchmaschine in eine sog. Filterblase („filter bubble“), ohne dass wir direkt Einfluss auf die ausgewählten Ergebnisse nehmen können oder wissen, wie der dahinterstehende Filter funktioniert.

Dies lässt sich sehr schnell veranschaulichen: Löschen Sie entweder nach mehreren Suchanfragen den Browserverlauf und die Cookies und starten Sie eine neue Anfrage oder verwenden Sie einen anderen Computer, auf dem noch keine ähn­liche Suchanfrage durchgeführt haben. Die Ergebnisse dieser Suchanfrage und derjenigem vor dem Löschen von Browserverlauf und Cookies dürften leicht unterschiedlich sein.