Unterricht im Schulgarten

Wertschätzung statt Verschwendung

Im Schulgarten erwerben die Heranwachsenden Wissen über Land- und Marktwirtschaft, Naturkunde und gesunde Ernährung. Lesen Sie hier, wie der eigene Anbau von Gemüse die Wertschätzung für Lebensmittel bei Kindern und Jugendlichen wieder steigern kann.

Zwei Jungs ernten Gemüse im Schulgarten
Vom Feld direkt in den heimischen Kochtopf: Viele Schüler erleben im Schulgarten zum ersten Mal, wie Gemüsesorten gedeihen – und gelangen dadurch zu einem Verständnis für Nachhaltigkeit. Foto: © Ackerdemia e.V.

Eine katholische Grundschule in Nordrhein-Westfalen ackert dieses Jahr das erste Mal in ihrem Schulgarten. „Wir freuen uns, dass wir mit dem Stück Acker einen neuen Lernort in der Natur schaffen, in dem die Kinder wieder einen Bezug zur Lebensmittelproduktion bekommen. Die Schülerinnen und Schüler haben zusammen Tomaten, Zucchini, Kürbis, Gurken, Mais und Bohnen gepflanzt und gesät,” erklärt Annette Bartmer, die als Regionalmanagerin für die GemüseAckerdemie im Rheinland verantwortlich ist. Die GemüseAckerdemie ist ein Bildungsprogramm, das Kindern zeigt, wo Lebensmittel herkommen. Ihr Ziel ist es, die Wertschätzung für Lebensmittel wieder zu steigern.

Einmal säen, für immer ernten 

Kinder und Jugendliche verlieren zunehmend den Zugang zur natürlichen Lebensmittelproduktion und den ihr zugrundeliegenden Prozessen. Als Konsequenz daraus sinkt die Wertschätzung für Lebensmittel: Immer weniger Kinder und Jugendliche wissen, wo Lebensmittel herkommen, oder haben schon einmal selber Gemüse angebaut. Hinzu kommt: In Deutschland werden über 30 Prozent aller Lebensmittel weggeworfen. Ungesundes Ernährungsverhalten und Krankheiten wie Übergewicht und Diabetes sind bei Kindern und Jugendlichen weit verbreitet. Durch den Anbau und die Pflege von verschiedenen Gemüsearten und den selbstständigen Verkauf der Ernte erfahren die Kinder und Jugendlichen die vollständige Produktionskette des Gemüseanbaus und entwickeln dadurch eine Wertschätzung für Lebensmittel. 

Idee und Praxis 

Ackerdemia ist eine gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, das Bewusstsein in der Gesellschaft bezüglich Lebensmittelproduktion sowie gesunder und wertschätzender Ernährung zu stärken. Dazu entwickelt die Organisation soziale und nachhaltige Konzepte, die gemeinsam mit den Schulen umgesetzt werden. Unter dem Motto „Ackern schafft Wissen“ wurde das Bildungsprogramm GemüseAckerdemie entwickelt. Die GemüseAckerdemie wird individuell in das bestehende Bildungskonzept der teilnehmenden Einrichtungen integriert. Für die Realisierung des Programms stellt Ackerdemia e. V. alles Notwendige zur Verfügung: 

  • Einrichtung von Ackerflächen,
  • Saat- und Pflanzgut,
  • wöchentliche Fachinformationen, 
  • Fortbildungen,
  • koordinative Leistungen.

Lehrkräfte erhalten begleitende Bildungsmaterialien, die aus Bildungsbausteinen bestehen und sich an den Kriterien einer Bildung für nachhaltigen Entwicklung (BNE) orientieren. Die Bearbeitung der Ackerflächen erfolgt durch die Kinder und Jugendlichen. Unter fachlicher und pädagogischer Anleitung bauen sie während eines Ackerjahres eigenständig Gemüse an. Die Kinder gewinnen so ein grundlegendes Verständnis für die Herkunft von Lebensmitteln. Ehrenamtlichen Mentoren begleiten die Schulen und Kitas die ganze Zeit über. Durch den anschließenden Verkauf der Ernte erhalten die Kinder und Jugendlichen erste Einblicke in marktwirtschaftliche Prozesse und bekommen die vollständige Produktionskette des Gemüseanbaus vermittelt. Das Gemüse können die Kinder auch mit nach Hause nehmen und so ein gesundes Ernährungsverhalten in den Familien anregen.

Quelle: Ackerdemie e.V.

Literatur-Tipp

Das Fachbuch "Frühe alltagsintegrierte naturwissenschaftliche Bildung" (2019) dient der Ausbildung von Kompetenzen für eine frühe alltagsintegrierte Bildung im Bereich Naturwissenschaften.

Mit UB kompakt "Tiere und Pflanzen entdecken & bestimmen" bestimmen die Schülerinnen und Schüler Pflanzen und Tiere im Schulgarten.