Auf den Spuren der Geschichte in Trujillo, Cáceres und dem Nationalpark Monfragüe

Reise durch Spanien: Die Extremadura

Schon vor gut 3.000 Jahren war die Extremadura keltisches Siedlungsgebiet, wie archäologische Funde belegt haben. Sie suchen nach Reisetipps für Ihre Klassenfahrt durch die Extremadura? Wir führen Sie durch die Städte Trujillo und Cáceres sowie den Nationalpark Monfragüe.

Kuppel auf einem Trum in Cáceres
Strafe für Abweichler: Königin Isabella ließ im 15. Jahrhundert die Paläste untreuer Stadtgranden in Cáceres „enthaupten“. Foto: frankferrete/pixabay

Cáceres: begehrt und umkämpft

Eine der bemerkenswertesten und geschichtsträchtigsten Städte der Extremadura ist Cáceres. Bereits in prähistorischer Zeit siedelten Menschen in der Umgebung, davon zeugen einige Höhlenmalereien. Die Stadt selbst ist um das Jahr 34 v. Chr. von den Römern gegründet worden – unter dem Namen Norba Caesariana, der dann im Laufe der Jahrhunderte zu Cáceres verschliffen wurde. Ihre wohl größte Katastrophe erlebte die Stadt zur Zeit der Völkerwanderung: Im 6. Jahrhundert verheerten gotische Krieger die Stadt. Lange lag sie in Trümmern, bis schließlich die in Spanien einmarschierten Mauren den strategischen Wert ihrer Hügellage erkannten, von der aus das Umland über viele Kilometer zu überblicken und zu kontrollieren war. Die Mauren waren es dann auch, die die Stadt wieder aufgebaut und besiedelt haben. Aus jener muslimischen Zeit sind etwa 30 Türme erhalten, unter ihnen der bekannte Torre del Bujaco.

Im Zuge der Reconquista, also der Rückeroberung Spaniens, gelang es im Jahr 1169 Fernando II. von León, Cáceres den Mauren zu entreißen. Etwas Ruhe kehrte allerdings erst gut 50 Jahre später unter Alfonso IX. von León ein. Wirklichen Frieden erlebte Cáceres auch dann noch nicht. Nach dem spanischen Thronfolgestreit im 15. Jahrhundert überzog Königin Isabella die Stadt mit einer Strafexpedition: Sämtliche Türme jener Stadtpaläste in Cáceres, deren Besitzer in dem Konflikt sich auf die Seite von Isabellas Widersachers geschlagen hatten, ließ sie schleifen – oder zumindest „köpfen“, also ihre Zinnen herunterreißen. Daher nennt der Volksmund Cáceres bis heute „Enthauptete Hauptstadt“, und die Skyline der Altstadt rechtfertigt das. Überhaupt wirkt der Stadtkern von Cáceres wie ein großes Freilichtmuseum: Die uralten Gebäude sind hervorragend erhalten und restauriert. Viele vereinen in sich Baustile aus verscheidenen maurischen und christlichen Epochen bis hin zur Renaissance – ein äußerst interessanter Mix, der die UNESCO bereits 1986 veranlasste, die Stadt zum Weltkulturerbe zu erklären. Es bietet sich an, an einem geführten (spanisch- und englischsprachigen) Stadtrundgang teilzunehmen, denn die Guides wissen viele spannende Details über die Bauwerke und ihre früheren Besitzer zu berichten, die so in keinem Reiseführer stehen.

Monfragüe: Extremadura kompakt

Ganz anders als die Stadt Cáceres ist der Nationalpark Monfragüe noch jung: Erst 2007 wurde er zum Schutzgebiet erklärt, als insgesamt 14. in Spanien. Der Park (ausgesprochen übrigens „mon-fra-gu-e“ mit Betonung des U) liegt eine knappe Autostunde nordöstlich von Cáceres. Er ist so besonders, weil er im Grunde alle Vegetationszonen und Biotope der Extremadura auf kleiner Fläche in sich vereint: schroffe Felsen und Hügel, mediterrane lichte Wälder, das für die Extremadura typische,„Mattoral“ genannte Buschland sowie Wasserfläche in Form eines (aufgestauten) Flusses. Das landschaftlich sehr abwechslungsreiche, knapp 18.000 Hektar große Gebiet bietet damit – und auch wegen variierender Höhenlagen zwischen 450 und 750 Meter über NN – Lebensräume für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten. Der Río Tajo ist die Hauptwasserader des Gebiets, aber auch seine zahlreichen Zuflüsse, darunter der Tiétar, versorgen die Gegend mit Wasser.

Durch Monfragüe führen einige Pisten, die man mit dem Auto befahren darf. Somit ist es einfach, hier und dort Halt zu machen und die Highlights dieses Gebiets zu erwandern. Zum Pflichtprogramm gehören beispielsweise der Aufstieg zum atemberaubend schön gelegenen Castillo de Monfragüe, einer Festung aus dem 12. Jahrhundert, sowie die Wanderung zu jener Stelle, wo der Tajo spektakulär durch eine Felsspalte fließt. Nahebei gibt es Aussichtsplateaus, von denen aus man ebenfalls einen idealen Blick auf den Felsen Salto del Gitano erhält. Dort rasten gern die imposanten Gänse-, Mönchs- und Schmutzgeier. Überhaupt tummeln sich jede Menge Vögel und andere Tiere in Flussufernähe. Fernglas und Teleobjektiv sollten daher stets griffbereit sein!

Alle Wander- und Sightseeing-Touren durch Monfragüe sind in den Broschüren verzeichnet, die man im Informationszentrum von Villareal de San Carlos erhält, einem winzigen Dorf im Zentrum des Naturparks. Die Webseite des Nationalparks unter www.monfrague.com stellt einige Wanderrouten vor, allerdings nur in spanischer Sprache.

Ein Felsen im Nationalpark Monfragüe
Erst 2007 wurde der Park Monfragüe zum Schutzgebiet erklärt, als insgesamt 14. in Spanien. Er ist so besonders, weil alle Vegetationszonen und Biotope der Extremadura auf kleiner Fläche in sich vereint. Foto: BarbeeAnne/pixabay

Trujillo: charmant, aber kriegerisch

Eine Autostunde südlich vom Nationalpark (und gut 250 Kilometer südwestlich von Madrid) liegt das Städtchen Trujillo. Ihre Vergangenheit ähnelt der ihrer Nachbarstadt Cáceres: Vor Jahrtausenden bereits bewohnten Kelten das Gebiet, ihre Siedlung hieß Turaco. Die Römern machten später daraus Turgalium romano, bevor die Mauren den Ort okkupierten.

Heute wohnen knapp 10.000 Menschen in Trujillo, das sich seinen mittelalterlichen Charme weitestgehend bewahrt hat. Im Zentrum dominieren vor allem alte, geschichtsträchtige Bauwerke. Die meisten stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, aber auch maurische Ruinen aus dem 10. Jahrhundert sind im alten Stadtzentrum zu sehen.

So klein die Stadt auch ist, so imposant sind die Sehenswürdigkeiten, die Trujillo zu bieten hat. Am besten startet man seine Rundgänge von der Plaza Mayor im Zentrum aus. Besuchen sollte man auf jeden Fall das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt, das auf dem Hügel über der Ebene thront: die Iglesia (Kirche) de Santa María. Auch die mächtige Festung der Stadt ist den Aufstieg wert. Auf dem zentralen Platz schaut die Reiterstatue von Francisco Pizarro auf die Besucher herab (übrigens eine Kopie jenes Denkmals, das im peruanischen Lima steht, seinem Sterbeort). Der Conquistador und Feldherr Pizarro ist der – sagen wir mal vorsichtig – bekannteste Sohn der Stadt, der Eroberer des Inka-Reichs wurde hier am 16. März 1478 geboren.

Eines der berühmtesten Häuser ist daher auch der Palacio Marqueses de la Conquista, in dem einst die Pizarros Familie wohnte. Das Gebäude strotzt nur so von interessanten Architekturdetails – auch hier heißt es: Fernglas bereithalten.

Blick über die Stadt Trujillo
Blick über Trujillo, Geburtsort des Eroberers Pizarro. Ungefähr in Bildmitte ist die Plaza Mayor zu erkennen, im Hintergrund jenseits der Stadtmauer weite Ebenen und mittelgebirgige Höhenzüge – zwei Landschaften, die die Extremadura prägen Foto: franmedia/pixabay

Hier endet nun unsere Stippvisite in der Extremadura. Unsere Impressionen stammen zwar nur aus dem relativ kleinen Dreieck Cáceres – Monfragüe – Trujillo. Doch wer diese Gegen bereist, hat schon viel von dem gesehen und erlebt, das den Besucher in der gesamten Extremadura erwartet. So arm die Region in wirtschaftlicher Hinsicht auch ist: Wer sich nach seinem Urlaub reich beschenkt fühlen möchte, hat in der Extremadura sein Paradies gefunden.


Sie suchen nach Tipps für Ihre Klassenfahrt in die Extremadura? Lesen Sie hier unseren Artikel über die Region.