Einsame Klasse(nfahrt)

Die Extremadura: arm und doch so reich

Unser Tipp für Klassenfahrten fernab vom Massentourismus. Menschenleere Gegenden, kaum Autos, ungebändigte Natur und verschlafene Dörfer: Solche Orte kann man in Spanien tatsächlich noch finden. Die Extremadura im Südwesten Spaniens ist so ein Landstrich. Er bietet zwar keine Badestrände, aber alles, was man für einen erholsamen, bildenden und naturnahen Urlaub braucht.

Eine Ruine in Merida
Zahlreiche antike Bauwerke und Ruinen sind noch heute in der Extremadura erhalten und zur Besichtigung freigegeben. Foto: Luisfpizarro/pixabay

Weit weg vom gängigen Reise-Klischee

Urlaub in Spanien: Da drängen sich sofort klischeehafte Bilder von Rambazamba, Bettenburgen und Büffet-Schlachten auf. In Lloret, Marbella oder Palma mag das schon mal passieren – in der Extremadura aber garantiert nicht. Denn: Das karge Land südwestlich von Madrid hat keinen Strand und ist deshalb für den klassischen All-inclusive-Badeurlauber keine Option.

Wohl aber für Wanderer, Tourenradler und Naturliebhaber, und außer einigen wenigen dieser Gattungen wird man in der ländlich geprägten Extremadura kaum Touristen finden. Wer die Extremadura bereist, ist ein Individualist, der sich gern treiben lässt von dem, was er vorfindet. Da kann einem die Region schon fast leid tun, denn sie gehört zu den ärmsten in Spanien. Aber was des einen Leid, ist des anderen Freud. Die Natur in der Extremadura etwa profitiert von der Abgeschiedenheit:

  • Hier befinden sich die Brut-, Winter- und Sommerreviere zahlreicher Vogelarten,
  • auch Reptilien kann der behutsame Wanderer en masse beobachten – nicht nur im Nationalpark Monfragüe, den wir auf unserer Extremadura-Stippvisite besucht haben.

Doch der Reihe nach. Da die Extremadura ein allgemein kaum bekanntes Reisegebiet ist, soll zunächst ein Porträt dieser überaus attraktiven Destination folgen.

Kraniche fliegen über die Extremadura
Kraniche zählen zu den Abertausend Zugvögeln, die jeden Herbst in der Extremadura rasten. Aber auch viele andere, gut zu beobachtende Tierarten machen die Provinz zu einem Paradies für Naturliebhaber Foto: BarbeeAnne/pixabay
Rinder stehen im Schatten eines Baumes
Tierliebhaber kommen in der Extremadura auf ihre Kosten. Eine Gelegenheit für etwas Biologie-Unterricht? Foto: BarbeeAnne/pixabay

Kontrastreiche Landschaft

Die Region hat ein abwechslungsreiches Profil zu bieten, das von flachen, weiten Ebenen, lieblichen Flussläufen und Tälern bis zu knapp 2.400 Meter hohen, schroffen Gebirgen reicht. Fast schon alpin ist die nördliche Extremadura, bis dorthin erstrecken sich die westlichen Ausläufer des zentralen Gebirgszuges der Iberischen Halbinsel; sie knüpfen an die Sierra de Gredos an, die bis nach Kastilien reicht. Mit seiner Höhe von 2.425 Meter überragt der Berg Calvitero die Umgebung an der Grenze zur Nachbarprovinz Salamanca. Vor allem in den Tälern ist reichlich Wasser vorhanden, weshalb dort Landwirtschaft betrieben wird. Insgesamt ist die Extremadura aber sehr trocken. Je nach Höhenlage und Feuchtegrad wachsen in der Extremadura vor allem Wiesen und lichte Wälder. Zwei große Flüsse winden sich durch die Extremadura: der Tajo und der Guadiana. Daneben gibt es zahlreiche kleinere Flüsse und Bäche.

Trockene, weitläufige, meist von steppigem Gras und Buschwerk bestandene Ebenen – die Llanos – erstrecken sich südlich des Flusses Tajo, ein seit alters vor allem für den Weinbau genutztes Gebiet. Typische Landschaftsform der Llanos sind die alten Steineichenhaine, „Dehesas“ im Spanischen. Hier lebt das schwarze Iberische Schwein („Cerdo ibérico“), das sich überwiegend von Eicheln ernährt. Von diesen Tieren stammt der begehrte und teure luftgetrocknete Schinken „Jamón ibérico“.

Iberische Schweine in der weite der Extremadura
Sauwohl fühlen sich die schwarzen Iberischen Schweine in den Hainen aus Steineichen. Sie ernähren sich fast ausschließlich von deren Früchten. Das gibt dem luftgetrockneten „Jamón ibérico“ sein unverwechselbares Aroma Foto: BarbeeAnne/pixabay

Zu jeder Jahreszeit viel zu entdecken

  • Schon ab Januar, spätestens aber ab Februar, lockt die erblühende Vegetation Pflanzenliebhaber an. Die für die meisten Touristen angenehmste Zeit liegt zwischen März und Mai. Die Tagestemperatur bewegt sich zwischen noch moderaten 15 bis 25 Grad, im Mai kann es schon mal bis zu 30 Grad warm werden. Gegen Ende März sind fast alle Vögel aus den afrikanischen Überwinterungsgebieten heimgekehrt, die Tierwelt ist dann besonders aktiv.
  • Im Sommer zwischen Juni und Mitte September kommen Reptilienfreunde voll auf ihre Kosten. Freilich müssen sie dann Temperaturen von 40 Grad und mehr ertragen. Aktiv sind bei dieser Hitze vor allem die Reptilien, die meisten anderen Tiere verdösen die heißeste Tageszeit in ihren Verstecken.
  • Im Herbst ist es wieder etwas kühler; dann rasten hier große Vogelschwärme auf dem Weg in ihre afrikanischen Überwinterungsquartiere. Tiere können zu dieser Jahreszeit praktisch den ganzen Tag über gut beobachtet werden.
  • Auch die Zeit zwischen November und Februar ist für eine Extremadura-Reise empfehlenswert, denn die Winter sind mild. Vogelbegeisterte können sich auf Kraniche freuen, die hier zu vielen Tausend überwintern. Für die Kulturangebote in den Städten der Region ist ohnehin ganzjährig Saison.

Anreise und Mobilität

Die Region lässt sich von Deutschland aus nicht direkt per Flugzeug ansteuern: Die nächsten internationalen Flughäfen befinden sich in Madrid und Sevilla. Wer von dort aus preisgünstig weiterreisen will, kann den Bus nehmen: Die Städte Badajoz, Trujillo und Cáceres werden beispielsweise vom Unternehmen Avanza Bus angesteuert. Reservieren kann man über die Website des Unternehmens. Allerdings hat es sich bewährt, in der Nähe des Zielflughafens ein Auto zu mieten – oder gleich mit einem Wohnmobil anzureisen. Denn es ist sinnvoll, in der Extremadura autark zu sein. Dort gibt es nicht viele Bus- und Bahnlinien, mit denen man spontan durchs Land tingeln könnte. 

Wohnen: schlicht oder üppig?

Unterkünfte gibt es in der Extremadura für jeden Anspruch und Geldbeutel. Am günstigsten wird es auf den Campingplätzen. Ein landschaftlich besonders schöner liegt beispielsweise im Herzen des Nationalparks Monfragüe. Wer ebenfalls nicht viel Wert auf Komfort und Luxus legt, aber gern ein festes Dach über dem Kopf hat, wird mit einem sogenannten Casa rural („Landhaus“) bestens bedient sein. Diese einfachen, hübschen Pensionen mit variierender Zimmergröße sind in den kleineren Orten zu finden. Fast alle bieten Übernachtungen mit Frühstück oder sogar Halbpension. 


Sie möchten auf Klassenfahrt in der Extremadura einen Ausflug unternehmen? Dann lesen Sie hier unsere Reisetipss für die Städte Trujillo und Cáceres und den Nationalpark Monfragüe.