Naturwissenschaftliche Klassenfahrten

Los, fass es an!

Grau ist alle Theorie. Der Aha-Effekt tritt bei den Schülern häufig erst ein, wenn sie selbst ausprobieren, tüfteln und anfassen dürfen. Noch besser, wenn die Lernerfahrung außerhalb der Schule stattfindet, auf Klassenfahrt. Berlin ist das ideale Ziel für Fahrten mit Fokus auf naturwissenschaftliche Themen.

Eine Grupper Kinder berührt einen fossilen Tierkopf
© Foto: Zoo Berlin/ Klein © Foto: Zoo Berlin/ Klein

Es wäre schon ein Unding, wenn eine Stadt, die große Naturwissenschaftler wie Alexander von Humboldt hervorgebracht hat, ein solches Erbe nicht würdig fortsetzen würde. Und in der Tat: Berlin bietet viele Möglichkeiten für Klassenfahrten mit naturwissenschaftlich-technischem Schwerpunkt – für Schüler aller Altersstufen. Hier ist zuallererst das Deutsche Technikmuseum Berlin zu nennen, Heimat zahlreicher technik- historischer Sammlungen. Zentral gelegen, in der Nähe des Potsdamer Platzes, ist es dank des „Rosinenbombers“ auf dem Dach des Erweiterungsbaus nicht zu übersehen. Was man jedoch von außen nicht vermuten würde: Der Museumspark mit Wind- und Wassermühlen, Schmiede und Brauerei ist eine wahre Naturoase inmitten der Großstadt. Die Führungen im Deutschen Technikmuseum sind auf die Lehrpläne Berlins und Brandenburgs abgestimmt, jedoch können die Inhalte für den eigenen Zweck angepasst werden.

Dass die Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin (SDTB) in ihren Angeboten für Schulen viel Wert auf den Bezug zum Alltag legt, zeigt die Dauerausstellung „Das Netz. Menschen, Kabel, Datenströme“. In kleinen Gruppen können Schüler die Technik hinter dem Internet erkunden und welchen Weg eine E-Mail über Rechner, Seekabel und Antennen nimmt, um letztendlich beim Empfänger anzukommen. Das Begleitprogramm ist für die 3. bis 6. Schulklasse ausgelegt. Das Programm für die Jahrgangsstufen 7 bis 10 legt hingegen den Fokus auf die Frage nach Macht und Kontrolle in den sozialen Medien.

Schüler werden zu Hackern

Darüber hinaus bietet das sogenannte „Alternate Reality Game“ namens „Data Run“ für Schulklassen der Stufen 8 bis 10 einen spielerischen Zugang zum Thema Überwachung und Datenschutz. Was passiert? Kriminelle attackieren über digitale Kommunikationsnetze die Versorgungseinrichtungen einer Stadt. Im Wettlauf gegen die Zeit müssen die Schüler verschiedene Aufgaben lösen und werden so zu Hackern und investigativen Journalisten, um den Angriff auf die Stadt zu verhindern.

Wer hingegen lieber an der frischen Luft ist, greift zu Karte und Kompass und nimmt an der GPS-Rallye für 4. bis 7. Schulklassen teil. Zuerst werden die Schüler in die Themen Navigation und Orientierung eingeführt und können dann die Netz-Ausstellung erkunden, bevor es mit dem GPS-Gerät auf Entdeckungstour in den Park geht. Dort müssen die Schüler Rätsel lösen und versteckte Gegenstände finden.

Junior Campus und Science Center Spectrum

Abgesehen vom Thema Internet, bietet das Deutsche Technikmuseum natürlich noch weitere Programme wie etwa zu den Themen Dampf und Energie, Schiffe und Flugzeuge oder Radio und Fernsehen. Die Programme eignen sich für die Jahrgangsstufen 1 bis 6. Des Weiteren besteht die Möglichkeit für Schulklassen, auf dem Junior Campus altersgerechte Workshops zu den Themen Mobilität und Nachhaltigkeit sowie Mathematik zu besuchen. So richtet sich das Angebot „mathemachen“ an Grundschüler. Je nach Schwerpunkt erkunden sie spielerisch Flächen, geometrische Formen, Dimensionen oder Symmetrien.

Zum Deutschen Technikmuseum gehört auch das Science Center Spectrum. Nach dem Motto „Anfassen erwünscht“ warten auf vier Etagen 150 Experimente auf wissenshungrige Schüler. Die Themenbereiche unterteilen sich in Licht und Sehen, Wärme, Magnetismus, Mechanik und Bewegung sowie Musik und Hören. Neben der Experimentierausstellung können Schulklassen von der 1. bis zur 9. Jahrgangsstufe an themenübergreifenden Vorführungen teilnehmen, in denen ihnen ausgewählte Experimente aus der Ausstellung nähergebracht werden. Auf Schüler der Jahrgangsstufen 10 bis 13 wartet die Nebelkammer, in der sich alles um radioaktive Strahlung dreht. Im Schülerlabor Meilensteine erforschen die Schulklassen die großen Entdeckungen der Naturwissenschaften und experimentieren zum Beispiel in den Bereich Optik und Elektrizität.

Auf zu den Sternen

Angehende Astronauten und Weltraumforscher sind in der Archenhold Sternwarte optimal aufgehoben. Hier befindet sich das längste Linsenfernrohr der Welt. Die speziell auf Schulklassen zugeschnittenen Führungen richten sich insbesondere an die Jahrgänge 9 bis 11. Schüler können durch einen Spezialfilter die Protuberanzen der Sonne beobachten und erfahren alles Wissenswerte über unser Planetensystem, den Sternenhimmel und die Geschichte der Sternbeobachtung.

Die Sternenwarte in Berlin lädt Schüler zum Entdecken ein
© Foto: SDTB / C. Kirchner © Foto: SDTB / C. Kirchner

Passend zur Archenhold Sternwarte bietet sich ein Besuch des Zeiss Großplanetariums an. Dank aufwendiger digitaler Medientechnik zählt es zu Europas modernsten Wissenschaftstheatern. Neben Vorträgen bietet das Planetarium auch Hörspiele, Lesungen, Lasershows und Live-Musik. Die neue Fulldome-Technik soll in Zukunft auch für andere naturwissenschaftliche Bereiche wie Chemie, Biologie oder Medizin genutzt werden.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unterhält über die gesamte Bundesrepublik verteilt unterschiedliche sogenannte School Labs, in denen DLR-Experten Schülern die Mysterien der Luft- und Raumfahrt näherbringen. Natürlich gibt es ein solches Labor auch in Berlin. Experimente in Schwerelosigkeit oder ein Infrarot-Selfie versprechen viel Abwechslung. Doch auch ganz irdische Dinge wie etwa die Funktionsweise von Navigationssystemen oder die Bedeutung alternativer Energiequellen werden im DLR School Lab Berlin veranschaulicht.

Schülerlabore für Mathe, Physik und Chemie

Etwas außerhalb von Berlin liegt das Schülerlabor Zeuthen, das sich ebenso wie das School Lab des DLR dem Kosmos widmet. Das Labor wird vom Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) betrieben, das in Zeuthen an internationalen Forschungsprojekten der Astroteilchenphysik beteiligt ist. Im Labor spüren Oberstufenschüler kosmische Teilchen auf und erleben so den Alltag in einer Forschungseinrichtung. Jüngere Schüler experimentieren derweil im Vakuumlabor und gehen physikalischen Phänomenen im luftleeren Raum auf den Grund.

Gleich fünf Labore fasst der Wissenschafts-und Biotechnologiepark Campus Berlin-Buch unter seinem „Gläsernen Labor“ zusammen. Auf die Nachwuchsforscher warten über 20 Experimentierkurse zu den Themen Molekularbiologie, Herz-Kreislauf, Neurobiologie, Chemie, Radioaktivität, erneuerbare Energien und Ökologie. Die Experimente orientieren sich am Rahmenlehrplan.

Eine Gruppe Mädchen beobachtet eine technische Installation
© Foto: SDTB / C. Kirchner © Foto: SDTB / C. Kirchner

Die Schüler werden in Kleingruppen von erfahrenen Wissenschaftlern angeleitet. Es gibt Angebote für Grundschulen wie zum Beispiel zum Thema Fotosynthese und für die Sekundarstufe. Hier steht der genetische Fingerabdruck oder der Virennachweis mit PCR auf dem Experimentierplan.

Wer Mathematik für trocken hält, hat noch keinen Vortrag der Rechenprofis vom Forschungszentrum Matheon erlebt. Unter „MathInside – Mathematik ist überall“ wird Mathematik mit Leben gefüllt, denn in den Vorträgen geht es darum, wie stark die Mathematik unseren Alltag bestimmt. Darüber hinaus bietet das Matheon unterschied- liche Workshops an, in denen Schüler zum Beispiel ihre Chancen im Glücksspiel ausrechnen oder erfahren, welche Rolle Primzahlen bei der Verschlüsselungen von Daten spielen.

Tiere hautnah

Auf insgesamt 33 Hektar begrüßen über 18.600 Tiere die Besucher des Berliner Zoos. Er gehört zu den artenreichsten zoologischen Gärten der Welt und war mit der Gründung im Jahr 1844 der erste in Deutschland. Der Zoo bietet für jede Jahrgangsstufe unterschiedliche Themen und Projekte an. Dabei legen die Tierexperten neben der fachlich-biologischen Ausrichtung auch viel Wert auf soziale und emotionale Erfahrungen, damit die Schüler einprägsame naturwissenschaftliche Kenntnisse sammeln. Für die Klassen 5 und 6 wird zum Beispiel der Unterschied zwischen Haus-, Nutz- und Wildtier sowie ihre unterschiedlichen Bedürfnisse erklärt.

Das Elefantentor des Berliner Zoo
Wikimedia Commons/ Taxiarchos228 Wikimedia Commons/ Taxiarchos228

Die älteren Schüler der Stufen 7 bis 8 lernen alles Wissenswerte über das Sozialverhalten und die Kommunikation der Tiere. Die älteren Jahrgänge erforschen zudem die Evolution des Menschen und welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Tierwelt hat. Oberstufenschüler werden in die Grundlagen der Verhaltensforschung eingeführt oder erfahren, welche Strategien Tiere anwenden, um sich an extreme Lebensräume anzupassen.

Ganz gleich ob Tierwelt, Mathematik, Physik, Chemie oder Technik. Berlin punktet mit einem reichhaltigen Angebot an naturwissenschaftlichen Lernorten, die eine sinnvolle Gestaltung für Klassenfahrten in jeder Jahrgangsstufe ermöglichen. Berlin ist eben eine Reise wert.