Berlin

Die Hauptstadt literarisch entdecken

Wie Alexander Döblin flüchtete auch Bert Brecht Ende Februar 1933 aus Nazi-Deutschland; anders als Döblin kehrte Brecht aber nach dem Krieg in den Ostteil der Stadt zurück. Im November 1949 gründete er das berühmte Berliner Ensemble, das seit 1954 im Theater am Schiffbauerdamm spielt und zu den renommiertesten Bühnen Deutschlands zählt.

Doch auch andere Berliner Theater haben für die Entwicklung Brechts eine wichtige Rolle gespielt: Er probte am Kurfürstendamm, arbeitete an der Piscator-Bühne am Nollendorfplatz und im Deutschen Theater und inszenierte am Gendarmenmarkt. Auf der im Herbst 1921 eröffneten Wilden Bühne im Keller des Deutschen Theaters trat Brecht selbst auf und sang seine Soldatenballaden. Erich Kästner engagierte sich ebenfalls in der Wilden Bühne – er schrieb Texte für das Kabarett. „Wir organisieren nicht nur verschiedene literarische Touren durch Berlin, wir beraten die Lehrkräfte auch bei der Gestaltung des Programms. Wir vermitteln Führungen, bei denen die Jugendlichen einen Blick hinter die Kulissen werfen können, organisieren Karten für Theatervorstellungen und Lesungen oder einen Besuch im Brecht-Haus“, erklärt Jörg Zintgraf.

Das Haus in der Chausseestraße, in dem Bert Brecht und seine Frau, die Schauspielerin Helene Weigel, seit 1953 lebten und arbeiteten ist seit 1978 eine Gedenkstätte. Im Brecht-Zentrum befindet sich auch das wohl umfangreichste Brecht-Archiv der Welt mit der 4.000 Bände umfassenden Nachlassbibliothek.

Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof neben dem Brechtzentrum sind nicht nur Bertolt Brecht und Helene Weigel begraben, sondern auch die Schriftsteller Heinrich Mann, Johannes R. Becher, Arnold Zweig, Anna Seghers und Heiner Müller. Bedeutende Persönlichkeiten haben ebenfalls ein Ehrengrab auf dem Friedhof erhalten: der ehemalige Präsident Johannes Rau ebenso wie der Schauspieler Otto Sander, die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley und der Kommunarde Fritz Teufel. Eine Steinplatte und ein schlichtes Kreuz erinnern an die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944. Acht von ihnen wurden nach ihrer Ermordung hier beerdigt.

Lessing, Moses Mendelssohn und die Toleranz

Sie ist fast zweieinhalb Jahrhunderte alt und in Zeiten wachsenden Antisemitismus und Debatten um den Islam in Deutschland aktueller denn je: die Ringparabel. In der berühmten Parabel im dritten Akt in Lessings Ideendrama „Nathan der Weise“ geht es um Toleranz – und darum, wie die drei großen Religionen friedlich miteinander leben können. Der Text ist zwar wohl nicht in Berlin entstanden; immerhin wurde das Stück am 14. April 1783 in Berlin uraufgeführt. Gotthold Ephraim Lessing hat von 1752 bis 1775 am Nikolaikirchhof 10 (heute Nikolaikirchplatz 7) gelebt. In Berlin lebte und wirkte auch das Vorbild für die Titelfigur Nathan, der Philosoph und Schriftsteller Moses Mendelssohn. Das Lessinghaus wurde Mitte der 80er-Jahre weitgehend originalgetreu wieder aufgebaut. Und auch heute dreht sich dort alles um Literatur: Im Haus befinden sich der Anthea Verlag, der in der Reihe edition Lessinghaus die Hauptwerke Lessings wieder veröffentlicht, und eine Bücherstube.