Arbeitswelten der Zukunft

Wer denkt? Wer lenkt?

Das Wissenschaftsjahr 2018 hat sich neben den Chancen von technischer Innovation, Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und Industrie 4.0, auch den sozialen und ökologischen Auswirkungen der Veränderung von Arbeitswelten gewidmet. Sehr deutlich wurde die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung bei der Gestaltung der Arbeitswelt.

Ein Roboter mit Laptop schaut in die Kamera.
Roboter und KI: Werden sie statt Menschen künftig die Werkhallen bevölkern? Die Industrie zumindest engagiert sich fast euphorisch für die neuen 4.0-Technologien. Foto: Alex Knight/Unsplash

Arbeit gehört zum Leben. Arbeit schafft Wohlstand, stiftet Sinn und bringt Menschen zusammen. Und Arbeit ist ein Thema für Wissenschaft und Forschung – gerade jetzt. Historisch betrachtet, verändert Arbeit sich fortwährend. Das Fortschreiten von Industrie 4.0 bedeutet für Arbeit jedoch eine neue Qualiät. Die technische Grundlage bilden intelligente, digital vernetzte Systeme, mit deren Hilfe eine weitgehend selbstorganisierte Produktion möglich wird: Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und Produkte kommunizieren direkt miteinander.

Entmenschte Arbeit?

Die digitale Vernetzung treibt diese Prozesse weiter an und betrifft jede Art der Wertschöpfung, sie bezieht sich auf alle Dienstleistungs-, Produktions- und Arbeitsprozesse und darüber hinaus auf die Betriebs- und Wertschöpfungsstrukturen sowie die Arbeitsorganisation und Arbeitsgestaltung. In der Öffentlichkeit entsteht gleichzeitig der Eindruck, „die Arbeit könnte ausgehen“, wenn sie durch Roboter erledigt wird. Prognosen und Untersuchungen zeichnen ein uneinheitliches Bild und schüren weitere Unsicherheiten.

Die Ergebnisse einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Auftrag gegebenen, repräsentativen Befragung machen die Einschätzung von Bürgerinnen und Bürgern zum Thema deutlich: Drei Viertel der Befragten glauben, dass sich unsere Arbeitswelt bis zum Jahr 2030 spürbar verändern wird. Die Menschen blicken dabei mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Mehr als die Hälfte geht davon aus, dass durch die bevorstehenden Veränderungen Jobs verloren gehen. Gleichzeitig meinen 73 Prozent, dass die Technik insbesondere Menschen mit Beeinträchtigungen künftig dabei helfen kann, besser an der Arbeitswelt teilzuhaben. Neun von zehn Befragten sehen es zudem als unerlässlich für den beruflichen Erfolg an, sich auch künftig fortwährend weiterzubilden. 58 Prozent rechnen damit, dass im Jahr 2030 ein Großteil der Arbeit mobil, zu Hause oder an einem anderen Ort erledigt wird. Beim Einfluss auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sieht die Mehrheit der Befragten vor allem Vorteile (BMBF-Zukunftsmonitor).

Multidimensionales Thema

Im Mittelpunkt der Aktivitäten des Wissenschaftsjahres 2018 stand deshalb die Frage nach Reichweite und Tiefe der Veränderungen der Arbeitswelt. Gleichzeitig sollte deutlich werden, welchen Einfluss die Menschen auf den Prozess nehmen können, in dem Sinne, dass sie die digitale Vernetzung lenken und nicht umgekehrt. Die Rolle von Forschung ist dabei wesentlich. Dabei geht es nicht nur um die Auswirkungen technischer Innovationen, sondern auch um ökonomische und soziale Auswirkungen neuer Technologien.

Neben technologischen Entwicklungen sind Veränderungen in der Arbeitswelt auch getragen von gesellschaftlichen Veränderungen und Trends wie dem demografischen Wandel oder einem Mentalitätswandel darüber, was Arbeit in individuellen Lebenskonzepten bedeutet. Ebenfalls verantwortliche Treiber sind gesamtwirtschaftliche Phänomene wie die Globalisierung von Waren, Kapital und Dienstleistungen.

Im Wissenschaftsjahr 2018 ist vor diesem Hintergrund deutlich geworden, wie sich Arbeit in Zukunft verändert, was die Gründe für Veränderungen sind und welche Rolle Forschung und Wissenschaft bei der Bewältigung dieser Veränderungen spielt. Der Wandel macht sich bei den Menschen, in den Betrieben und auch in der Gesellschaft als Ganzes bemerkbar. Er erfordert neue Geschäftsmodelle, neue Organisationsstrukturen und folglich veränderte Kompetenzen und Qualifikationen der Beschäftigten und der Führungskräfte.

Breit gefächerte Angebote für die Bürger

Das Wissenschaftsjahr 2018 hat sich an drei Handlungsfeldern orientiert:

  • Das Handlungsfeld „Technologie und Arbeit“ wirft Fragen danach auf, wie Technologien die Arbeit verändern, aber auch danach, welchen Einfluss Arbeit auf die Entwicklung neuer Technologien hat.
  • Im Handlungsfeld „Kompetenzen und Arbeit“ geht es um Anforderungen, die die Arbeit der Zukunft an die Menschen stellt sowie um Fragen der Weiterbildung und Qualifizierung.
  • Das dritte Handlungsfeld „Wissenschaft und Arbeit“ beleuchtet den Einfluss der Wissenschaft auf die Arbeit und untersucht, wie wissenschaftliches Arbeiten sich verändern wird.

Das Wissenschaftsjahr 2018 hat darüber hinaus die Arbeitswelten der Zukunft thematisch möglichst breit, perspektivenreich und ergebnisoffen gezeigt und diskutiert. Daher waren alle Forschungsdisziplinen (von der Medizin, Psychologie und Philosophie über die Natur- und Technikwissenschaften bis zu Geschichte, Soziologie und den Kultur- und Wirtschaftswissenschaften) dazu eingeladen, sich mit gesellschaftlich relevanten, kontroversen oder ethischen Fragestellungen an der Diskussion zu beteiligen und Projekte für das Wissenschaftsjahr 2018 zu entwickeln. Dabei sollte es auch darum gehen, Szenarien für Arbeitswelten der Zukunft zu entwickeln und zu diskutieren.